Verbote beim Abwerben von Mitarbeiten

Endlich! Sie haben den idealen Kandidaten gefunden, der mit seiner Fachkompetenz und seinem smarten Auftreten die Lücke in Ihrem Unternehmen schließen würde. Es gibt nur einen Haken: Kollege X ist für Ihren Konkurrenten tätig. Einfach aufgeben müssen Sie deshalb trotzdem nicht, denn grundsätzlich ist das Abwerben von Mitarbeitern zulässig. Dabei können Sie entweder selbst tätig werden oder einen Dritten – beispielsweise einen Headhunter – damit beauftragen.

Arbeitgeber haben natürlich ein großes Interesse daran, ihre besten Untergebenen zu halten. Das Abwerben von Mitarbeitern ist daher eine äußerst delikate Angelegenheit und kann sogar vor Gericht landen. Deshalb ist wichtig, dass Sie dabei bestimmte Regeln beachten. So dürfen bei der Kandidatensuche im Pool des Widersachers keine verwerflichen Zwecke verfolgt werden. Darunter fallen folgende Punkte:

  • Mitarbeiter werden abgeworben, ohne sie tatsächlich einstellen zu wollen. Einziger Grund der Abwerbung ist somit die Schwächung des Konkurrenzunternehmens.
  • Mithilfe des Neuen sollen Geschäftsgeheimnisse des Mitbewerbers in Erfahrung gebracht werden.
  • Die Kunden der neuen Fachkraft sollen ebenfalls ausgespannt werden.

Darüber hinaus ist die Vorgehensweise beim Abwerben von Mitarbeitern entscheidend. Folgende Mittel und Methoden sind beim Ausspannen unzulässig:

  • Verleitung zum Vertragsbruch. Der Wunschmitarbeiter darf nicht zum Vertragsbruch angestiftet werden, um sich von seinem alten Vertrag zu lösen.
  • Falsche Aussagen über den neuen Arbeitgeber. Es dürfen keine irreführenden oder falschen Äußerungen über den neuen Arbeitgeber getätigt werden, nur um den Job attraktiver zu machen.
  • Versprechungen zu Prämien, sollte der neue Mitarbeiter weitere Kandidaten abwerben.
  • Unwahre Angaben über den alten Arbeitgeber.
  • Nötigung.

Unzulässigkeiten bei der Kontaktaufnahme

Bei der Kontaktaufnahme müssen Sie ebenfalls einige Regeln beachten. So dürfen Sie oder einer Ihrer Recruiter nicht einfach in den Betrieb Ihres Konkurrenten eindringen, mit dem Ziel dessen Mitarbeiter auszuspannen.

Auch die Direktansprache per Telefon könnte heikel werden. Die Gerichte bewerten die telefonische Kontaktaufnahme unterschiedlich. So reicht für einen Teil bereits ein einmaliger Anruf aus, um von einem Eingriff in den Betriebsablauf und von Sittenwidrigkeit zu sprechen. Ein anderer Teil bewertet erst wiederholte Anrufe als unlauter. Neben der Häufigkeit der Anrufe, ist vor allem deren Inhalt ausschlaggebend. Laut BGH-Urteil dürfen Sie einen Mitarbeiter an seinem Arbeitsplatz anrufen, um ihn nach seinem Interesse an einer bestimmten Position zu befragen und ihn kurz über diese Stelle aufzuklären – sofern Sie dabei keine unlauteren Zwecke verfolgen. Wenn Sie sich jedoch um die Fortsetzung des Gesprächs bemühen, obwohl der Wunschkandidat kein Interesse bekundet oder Sie die Stellenbeschreibung unnötig ausdehnen, dann liegt eine Sittenwidrigkeit vor, die geahndet werden kann.

Das Abwerben von Mitarbeitern außerhalb ihres Arbeitsplatzes ist grundsätzlich erlaubt.

Unzulässige Abwerbungen haben Konsequenzen

Wer einfach nicht die Finger von unzulässigen Mitteln bei der Abwerbung lassen kann, muss mit weitreichenden Konsequenzen rechnen, sollte er erwischt werden. Der alte Arbeitgeber kann dann je nach Fall verschiedene rechtliche Maßnahmen einleiten wie zum Beispiel:

  • eine Unterlassungsklage. Sie verhindert, dass weitere Versuche der Abwerbung gemacht werden dürfen. Um eine Unterlassungsklage zu erwirken, muss ein begründeter Verdacht der unzulässigen Abwerbung vorliegen.
  • ein Beschäftigungsverbot. Wurde ein Arbeitnehmer bereits unzulässig rekrutiert, kann der alte Arbeitgeber ein Beschäftigungsverbot durchsetzen. Damit dürfte der neue Arbeitgeber den abgeworbenen Mitarbeiter solange nicht beschäftigen, bis kein Wettbewerbsvorteil mehr vorliegt. Die Dauer des Verbots richtet sich häufig nach der rechtmäßigen Kündigungsfrist.
  • Schadensersatzansprüche. Entsteht durch die Abwerbung ein Schaden, kann der alte Arbeitgeber diesen vom neuen Chef einfordern. Für den Schadensersatzanspruch ist jedoch ein Nachweis erforderlich.

Weiterführende Links:

  • Weitere wissenswerte Informationen zum Thema Abwerbung finden Sie in der "Karrierebibel".
  • Welche Kreativtechniken Ihnen bei der Entwicklung neuer Geschäftsideen helfen, lesen Sie hier.