Warum wir bei Lärm im Büro nicht immer weghören können

Lärm im Büro ist nicht zu unterschätzen. Klar, er ist nicht so laut wie in einem Stahlwerk, wo Mitarbeiter ohne Gehörschutz schnell Schäden davon tragen. Zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen führt aber auch das Hintergrundrauschen in Behörden oder größeren Dienstzimmern. Mehr noch: Es beeinträchtigt die Produktivität der Belegschaft. Markus Meis, Mediziner und Psychologe beim Hörzentrum der Universität Oldenburg, schätzt gegenüber dem "Spiegel", dass die Leistungsfähigkeit der Mitarbeiter durch Bürolärm um fünf bis zehn Prozent sinkt.

Zum Beispiel durch Kollegen, die über ihre Schreibtische hinweg miteinander reden. Dass diese nerviger sind als ein läutendes Telefon, hat einen besonderen Grund: Das menschliche Gehirn kann das Gebimmel schon mal ausblenden, Sprache jedoch nicht, so der Geräuschexperte. Demnach sind wir also gezwungen, sogar belanglosen Unterhaltungen zu lauschen. Und das führt zur Ablenkung und damit zu weniger Konzentration. Die Folge ist eine Leistungsminderung.

Lärm beeinflusst die Gesundheit

Und wie genau beeinflusst nun Lärm im Büro die Gesundheit? Vielleicht kennen Sie die Situation selbst, wenn Sie ein Meeting beginnen und es zu Beginn noch ein wenig laut ist. Diese Unruhe – ob nun bei einer Besprechung oder im Gemeinschaftsbüro – ist Stress. Der Körper reagiert darauf mit Bluthochdruck und steigender Herzfrequenz. Hält die Hektik an, kann es außerdem zu Kopfschmerzen, Schlafstörungen und sogar Magen- und Darmbeschwerden kommen.

Tipps für weniger Lärm im Büro

Gut, Großraumbüros haben ihre Vorteile in sozialer und kommunikativer Hinsicht, aber die Konzentrationsfähigkeit leidet unter ihnen. Dicht an dicht stehende Schreibtische sind jedoch im Trend, deshalb müssen Lösungen her. Schließlich leiden nicht nur Ihre Mitarbeiter unter dem Lärm im Büro, sondern auch Ihre Geschäfte.

Erste wichtige Maßnahme für mehr Ruhe: Achten Sie auf einen angemessenen Abstand zwischen den Arbeitsplätzen, denn "eine Verdoppelung des Abstands bedeutet eine Halbierung des Schalls", erklärt der Arbeitsmediziner Wolfgang Panter ebenfalls im "Spiegel". Jeder Mitarbeiter hat im Großraumbüro das Recht auf seine eigenen acht Quadratmeter Platz. Sind es weniger, dann sitzen Ihre Untergebenen zu eng nebeneinander. Und das stört nicht nur deren Aufmerksamkeit, sondern verursacht auch höhere Krankenstände. Dieser Zusammenhang gilt als erwiesen.

Eine entsprechende Büroausstattung kann Geräuschpegel und Stress deutlich reduzieren. Legen Sie beispielsweise Teppiche gegen Trittschall aus oder versehen Sie die Decken mit speziellen Akustikpaneelen und -segeln. Empfehlenswert sind zudem Objekte, die den Raum füllen und nebenbei für eine angenehmere Raumatmosphäre sorgen. Dazu gehören beispielsweise Pflanzen als Raumteiler oder auch Regale und Schränke gegen Schallreflexionen. Auch gut: mobile Paravents mit schallabsorbierenden Oberflächen. Ruhestörer wie Drucker und Kopierer bringen Sie am besten in einem Extraraum unter – schon allein der Feinstaubbelastung wegen.

Darüber hinaus helfen bestimmte Regeln zur Lärmeindämmung. Halten Sie beispielsweise fest, dass Mobiltelefone im Großraumbüro grundsätzlich nur im Vibrationsmodus laufen. Ebenfalls wichtig: Für längere Besprechungen sollten sich Kollegen in einen separaten Raum zurückziehen.

Lärmschutz ist wichtig. Deshalb gibt es dazu auch konkrete Vorschriften unter anderem in der Arbeitsstättenverordnung und in der Lärm- und Vibrations-Arbeitsschutzverordnung. So sind beispielsweise im Büro nur bestimmte Grenzwerte erlaubt, um die Lärmbelastung so gering wie möglich zu halten: Demnach dürfen bei wissenschaftlichen Tätigkeiten 55 Dezibel und bei Daten- und Texterfassungen 70 Dezibel nicht überschritten werden.

Weiterführende Links:

  •  Warum macht Lärm krank? Die "Apothekenumschau" liefert Antworten auf diese Frage.
  • Wie sollten Bildschirm- und Büroarbeitsplätze gestaltet sein, um umfassenden Lärmschutz zu bieten? Tipps gibt der Leitfaden der Deutschen gesetzlichen Unfallversicherung.