Kunststoffe sind ihr Geschäft. Doch wer jetzt an bunte Joghurtbecher, reißfeste Plastiktüten oder glänzende Frischhaltefolie denkt, der liegt falsch. Das Unternehmen Ensinger verarbeitet sogenannte Hochleistungskunststoffe. Aus diesen Werkstoffen entstehen zum Beispiel Implantate für die Medizintechnik, Anlaufscheiben für Automobilkupplungen oder Wärmedämmprofile für Fenster und Türen. Es sind Spezialprodukte, die wir als Verbraucher und Konsumenten in der Regel nie zu Gesicht bekommen.

„Seit unserer Gründung 1966 sind wir in vielen Nischenmärkten aktiv“, sagt Geschäftsführer Roland Reber. „Erfolgreich ist man aber nur, wenn man das Geschäft konsequent internationalisiert.“ Genau das hat Firmengründer Wilfried Ensinger frühzeitig getan.

Zunächst ließ er Rundstäbe, Platten und Hohlstäbe fertigen. 1977 lieferte Ensinger die ersten serienmäßig aus glasfaserverstärktem Kunststoff produzierten Wärmedämmstege an Hersteller von Aluminiumfenstern. 1986 wurde die heute größte Tochtergesellschaft im amerikanischen Bundesstaat Washington gegründet.

Spezialisten arbeiten über drei Kontinente hinweg zusammen

Es folgten weitere Niederlassungen in Europa, Südamerika und Asien. In Deutschland produziert der Mittelständler heute an drei Standorten: in der Zentrale in Nufringen bei Stuttgart, nur wenige Kilometer entfernt in Rottenburg-Ergenzingen und im oberpfälzischen Cham. Aber wie wird eigentlich eine Firma aus der Provinz zum heimlichen Weltmarktführer?

„Unsere Produkte gelten nicht nur als extrem gut verarbeitet, sondern wir sind auch sehr aktiv in der Entwicklung neuer Anwendungen“, erklärt Ensinger-Chef Reber. In der Regel müssen die Kunden noch überzeugt werden, dass Kunststoff Metall den Rang abläuft. „Bei uns finden die Kunden Gehör für ihr Problem“, sagt Reber. In Kundengesprächen kommen deshalb Ingenieure und Techniker zu Wort.

Roland Reber verantwortet als Geschäftsführer bei Ensinger seit 2002 unter anderem die Bereiche Finanzen, IT und Marketing. Roland Reber verantwortet als Geschäftsführer bei Ensinger seit 2002 unter anderem die Bereiche Finanzen, IT und Marketing. (© 2015 Ensinger)

Experten aus verschiedenen Ländern tüfteln oft gemeinsam an neuen Produkten. „Wir bieten zum Beispiel einen Kunststoff an, der für Fertigungsmaschinen von Chipherstellern benötigt wird. Entwickelt wird das Produkt in den USA, in Deutschland wird es produziert und in Asien weiterverarbeitet. Über drei Kontinente hinweg arbeiten Spezialisten zusammen. „Das muss man erst einmal hinkriegen“, meint Reber.

Eine eigene Cloud

Die gute Zusammenarbeit klappt nicht nur bei den Mitarbeitern. Auch die IT muss im Hintergrund auf die Internationalisierung vorbereitet sein. „Vor einiger Zeit haben wir bemerkt, dass sich die Anforderungen unserer Kunden schneller entwickelt haben als unsere eigene Infrastruktur“, erklärt IT-Leiter Erwin Schuster. „Kurz gesagt: Wir müssten uns intern und mit unseren Kunden besser vernetzen, um effizienter zu kooperieren.“

Als Berater, Dienstleister und Umsetzer holte sich Ensinger die Telekom an Bord. Ziel: die Einführung einer standardisierten IT- und TK-Infrastruktur mit firmeninternen ERP- und CRM-Anwendungen für alle 28 Standorte. Auch Niederlassungen im Ausland, etwa in Malaysia und Österreich, sollten sich schnell einbinden lassen. „Eine Gesamtlösung aus einer Hand war uns wichtig“, erklärt Schuster

„Wir wollten nicht immer kleine Schritte gehen und in Einzelkomponenten investieren. Nur im Ganzen können wir die Internationalisierung vorantreiben.“

Voraussetzung für alles war die Schaffung der notwendigen Infrastruktur und die Verbindung zwischen den Niederlassungen. „Unsere Standorte waren zwar vernetzt, aber es gab keinen durchgängigen Informationsfluss“, sagt Schuster.

Halbzeugfertigung am Stammsitz in Nufringen. Mitarbeiter Mirko Bretschneider prüft den Durchmesser eines zentnerschweren Kunsstoffstabes. Halbzeugfertigung am Stammsitz in Nufringen. Mitarbeiter Mirko Bretschneider prüft den Durchmesser eines zentnerschweren Kunsstoffstabes. (© 2015 Ensinger)

Kontrolle und Hoheit über eigene Daten behalten

Die neue „Klammer“ war bald gefunden: die Ensinger Cloud. „Uns ist dabei wichtig, die Kontrolle und Hoheit über unsere Daten zu behalten“, betont der IT-Leiter. „Deshalb haben wir eine eigene Private Cloud aufgebaut.“ Den Betrieb und das Monitoring des Systems und der Anwendungen teilt sich Ensinger mit der Telekom. Ohnehin war die Basis für die Ensinger Cloud schon da, denn an allen drei deutschen Standorten betreibt Ensinger eigene Rechenzentren. Diese sollten künftig miteinander gekoppelt werden.

Die Verbindung der Telekom klappt jetzt einwandfrei über eine zehn Gigabit pro Sekunde schnelle EthernetConnect-Leitung. Alle Daten werden abseits des öffentlichen Internets über dedizierte, also exklusiv für Ensinger geschaltete Leitungen, übertragen. So sind die Daten gesichert, und die gute Übertragungsqualität bleibt rund um die Uhr bestehen. Die weiteren Niederlassungen sind ebenfalls über ein Netz auf Basis der Lösung IntraSelect mit den Rechenzentren verbunden.

Mitarbeiter können über die besonders gesicherten Leitungen auf IP-Basis auf alle Services zugreifen. Das gesamte Firmennetzwerk, inklusive der LAN-Infrastruktur, wird von der Telekom proaktiv überwacht – rund um die Uhr, 365 Tage im Jahr. Der Vorteil: Durch automatisches Abfragen von definierten Geräteparametern lassen sich mögliche Fehler „vorhersehen“ und korrigieren.

Online-Projektraum soll Zusammenarbeit optimieren

Für Ensinger ist ein stabiles und störungsfreies Netzwerk entscheidend, denn die Produktionsmaschinen sind viel vernetzter als früher. Bei den sogenannten Extrudern wird eine zähflüssige Kunststoffmasse unter hohem Druck und hoher Temperatur durch ein formgebendes Werkzeug gepresst. Während ein Extruder früher mit einer Steuerung und wenigen Sensoren ausgestattet war, sind heute viel mehr Sensoren im Netzwerk integriert. Fällt die Leitung oder ein Netzwerk-Port aus, steht die ganze Produktionslinie sofort still.

Nachdem die Basis gelegt war, wagte sich Ensinger mit seinen Firewalls in die Cloud. Bislang waren sie lokal an einzelnen Standorten installiert, mit dem entsprechenden Aufwand für den Betrieb und die Überwachung. Nun sind die Firewalls in den unternehmenseigenen Rechenzentren gebündelt; das Management teilen sich Ensinger und die Telekom. Die Betriebsverantwortung liegt bei der Telekom, dennoch können die IT-Kollegen von Ensinger jederzeit den Status einsehen und bei Bedarf Ports öffnen, um externe Servicetechniker auf die Maschinen zu schalten.

Auch ein weiterer Schritt in die Cloud ist getan: Seit Anfang 2015 gibt es einen Online-Projektraum auf Basis von SharePoint von Microsoft. Damit will Ensinger die Zusammenarbeit bei Projekten optimieren. Künftig will die Firma mehr Informationen für alle Standorte online bereitstellen – etwa Bestandsinformationen. Die Grundlagen für die Digitalisierung sind jedenfalls gelegt. Jetzt heißt es in Nufringen: Welt, wir kommen!