Alles fing mit einem prall gefüllten Aluminiumkoffer an. 1000 bunte Poker-Chips, jeder 13,5 Gramm leicht, und ein Paar Würfel teilten sich den Platz im Koffer. Damit machte sich Jan Marquardt selbstständig. Der junge Mann handelte mit Poker-Koffern, die er aus China importierte.

Was sich zunächst als skurrile Geschäftsidee anhört, war als Export-Import mit Pokerzubehör vor zehn Jahren ein einträgliches Geschäft. Das Spiel um das beste Blatt wurde nach der Jahrtausendwende gesellschaftsfähig. Wer kein Talent zum Pokerface hatte, trainierte sich die notwendige Kaltblütigkeit vor dem Spiegel an. Auch Jan Marquardt mischte mit, machte sich mit Koffer und Chips selbstständig. Wo andere zocken und vom großen Geld träumen, lieferte er den Grundstock dazu.

Das Geschäft lief gut, der Handel mit chinesischen Waren lohnte sich, und so übte Jan Marquardt früh, was es heißt, zu handeln. "Ich war erst 16", blickt er mit Stolz zurück. Inzwischen ist der Durchstarter 25 Jahre alt, und noch immer gibt es niemanden, den er mit "Chef" anreden muss. Er bleibt sein eigener Herr. "Das ist mir offenbar in die Wiege gelegt", begründet er seinen Hang nach Unabhängigkeit. "Ich werde immer mein eigenes Geschäft haben".

Der Teamplayer Firmengründer Jan Marquardt koordiniert das Geschäft. Seit er die Hamburger Agentur "Mindsmash" vor vier Jahren gegründet hat, ist die Zahl der Mitarbeiter auf 20 gewachsen. (© 2015 Eva Häberle)

Vom Pokerkoffer zur eigenen Agentur

Inzwischen hat er den Handel mit Koffern aus China aufgegeben. Statt Chips zu verkaufen, bietet er jetzt sein Wissen in seiner eigenen Internetagentur feil. "Ich bin ein digital Native", beschreibt er sich selbst, und seine smaragdgrünen Augen strahlen noch heller als sonst. Ganz offensichtlich fühlt er sich in der Online-Welt wohl. Und auch hier hat Jan Marquardt keine Scheu, auf eigenen Füßen zu stehen. Seit der Gründung vor vier Jahren ist die Zahl der Mitarbeiter seiner Hamburger Agentur "Mindsmash" auf 22 Mitarbeiter gewachsen.

Wieder hörte der Wirtschaftsinformatiker vor allem auf sich selbst, als er seine Firma an den Start brachte. „Ich habe mich immer gefragt, warum es so kompliziert wird, wenn wir miteinander kommunizieren und uns abstimmen. Sofort entsteht ein Durcheinander von Mails, wenn alle immer 'cc' gesetzt werden. Und weshalb muss Business-Software immer so scheußlich aussehen?“, kritisiert er. „Und dann kommt noch die umständliche Bedienung hinzu“. Also entwirft Marquardt kurzerhand selbst, was er vermisst: Eine Kommunikations-Anwendung mit „intuitiver Bedienung, coolen Funktionen, die dann auch noch toll aussieht," lobt er das eigene Produkt.

Der Teamplayer Jan Marquardt hat mit "TeamLike" ein System geschaffen, mit dem Mitarbeiter neu kommunizieren können. In Echtzeit, in Gruppen, in virtuellen Arbeitsräumen, in Seiten, via Fotos, Filmen, Chats oder einfach nur innerhalb einer Abteilung oder eines Projekts. Die Anwendung läuft auf jedem internetfähigen Gerät, auch Tablets sind eingeladen. (© 2015 Eva Haeberle)

Einfaches Netzwerken

Volltreffer. Marquardt weiß, was er tut. Offensichtlich gibt es einen großer Bedarf sich unkompliziert austauschen zu können. Seine Idee, eine einfache browserbasierte Anwendung auf den Markt zu bringen, mit der sich Kollegen, Kunden und Geschäftspartner austauschen können, trifft ins Schwarze. „Netzwerken“ nennt man das heute schlicht, was früher umständlich Zusammenarbeit, Teamarbeit, Informationsaustausch oder Kommunikation hieß. Gemeint ist dasselbe: Gruppen reden miteinander, bauen Wissen auf, teilen Infos, arbeiten zusammen. Man vernetzt sich.

Das ist der große Trend. Und aus gutem Grund: Längst ist die Kommunikation per E-Mail zum Fluch geworden, hat sich das Überangebot an elektronischer Post selbst eingeholt. Die Menschen, vor allem im Büro, sind übersättigt von der Flut an E-Mails, die täglich auf sie einprasseln – ungefragt, versteht sich. Nur knapp 14 Prozent der elektronischen Post, die Tag für Tag den virtuellen Briefkasten verstopfen, werden als notwendig wahrgenommen, belegen Studien des Meinungsforschungsinstituts TNS Emnid.

Der Teamplayer Ideen, die an einem Firmenstandort entwickelt werden, können durch TeamLike online weitergegeben und weitergespannt werden. (© 2015 Eva Haeberle)

Und längst haben auch Arbeitgeber erkannt, wie brisant das Thema ist. Die Daimler AG etwa hat ihren 6.000 Mitarbeitern verordnet, während ihres Urlaubs E-Mails zu löschen, anstatt sie zu horten, um die Belastung möglichst gering zu halten. Die AKAD Leipzig empfiehlt nach ihrer Studie zu Arbeitseffizienz und neuen Medien im Büro, die elektronische Post radikal zu kürzen und stattdessen "digitale Welten zu verknüpfen".

Kommunikation in Echtzeit

TeamLike für FirmenWieso TeamLike auch was für kleine und mittelständische Firmen ist und wie es genutzt werden kann, lesen Sie hier.

Hier setzt Marquardt an. Mindsmash hat ein System geschaffen, mit dem Mitarbeiter neu kommunizieren können. In Echtzeit, in Gruppen, in virtuellen Arbeitsräumen, in Seiten, via Fotos, Filmen, Chats oder einfach nur innerhalb einer Abteilung oder eines Projekts. Die Bedienung ist so simpel wie der Name: TeamLike nennt sich die Anwendung, die das digitale Zeitalter revolutionieren will. Auch das Prinzip dahinter ist einfach: Der Mitarbeiter holt sich genau die Informationen, die er braucht, anstatt wahllos zugeschüttet zu werden. Standortübergreifende Zusammenarbeit, Wissensaustausch in Wikis, Blogs und Co., Arbeiten in geschlossenen Gruppen – das alles bündelt TeamLike auf einer Plattform. Jeder abonniert genau das, was er benötigt und klinkt sich in die Projekte ein, die er bearbeitet, betritt die Arbeitsräume, die für ihn relevant sind. Alles andere bleibt draußen. Digitale Ruhe kehrt ein. Arbeit wird effektiv.

Der Teamplayer TeamLike, früher Coyo, funktioniert nach dem Pull-Prinzip. Der Nutzer holt sich die Informationen, die er braucht. Hier läuft die Anwendung auf einem iPad. (© 2015 Eva Haeberle)

 

Oberstes Gebot für TeamLike ist seine Schlichtheit. „Wir arbeiten nach dem No-Training-Konzept“, erklärt Marquardt und wischt mit der Hand über sein Tablet, als würde eine einzige Bewegung alle Probleme lösen. Tatsächlich funktioniert die Anwendung intuitiv, geschult werden muss hier niemand. Alle Buttons sind mit klaren Bezeichnungen ausgestattet, man begreift sofort, was das soll: Dateien hochladen, Dokumente teilen, Gruppe auswählen, alte Versionen ansehen. Nachrichten abonnieren, Profile anlegen, Kommentare schreiben. Trotzdem noch Fragen? Kein Problem, im Live-Chat lassen sich die Kollegen bei Bedarf sofort ansprechen.

Doch auch wer seine Daten nicht preisgeben will, ist in Teamlike gut aufgehoben. „Der Nutzer bleibt immer Herr über seine Informationen“, sagt Marquardt und schiebt hinterher: „Das war mir ganz wichtig“. Zweifel gibt es hier nicht, denn er weiß, was es heißt, sein eigener Herr zu sein.