Kinder spielen im Sandkasten, tollen umher und rufen wild durcheinander – und Julian Breitenecker verliert plötzlich seinen Sohn für wenige Sekunden aus den Augen. Sekunden, die sich wie Stunden anfühlen. Gerade eben war er noch auf der Rutsche - wie gesagt, gerade eben noch. Mit Schweißperlen auf der Stirn sucht Breitenecker 15 Minuten lang den ganzen Spielplatz während eines Urlaubs in Tel Aviv ab, bis er letztendlich seinen Sohn wieder in die Arme schließen kann. „Ich geriet in Panik, das waren die schrecklichsten Minuten meines Lebens“, erinnert sich der Wiener. "Dieses Gefühl wollte ich nie wieder erleben." So entstand die Idee, ein Ortungsgerät zu entwickeln, mit dem sich im Notfall Menschen, Haustiere oder auch Wertgegenstände einfach und schnell lokalisieren lassen. Zwei Jahre ist das nun her.

Mit drei Kollegen gründete er 2012 das Start-up Locca. Für das Design und die richtige Technik sorgen weitere Partner. Mit ihnen tüftelt Breitenecker seitdem in jeder freien Minute an zwei GPS-Geräten. Mit Erfolg: Kürzlich wurden wichtige Produkttests abgeschlossen, der letzte Feinschliff an den Geräten sowie der entsprechenden App liegt in den letzten Zügen. „Unsere Vision ist es, unsere liebsten Menschen und Tiere sowie unsere wichtigsten Gegenstände zu schützen", sagt Breitenecker. „Natürlich spielt immer auch eine gute Prise Verrücktheit eine Rolle", sagt er. "In Locca steckt das spanische Wort "loca", weil wir als Team ein bisschen verrückt sind, aber auch, weil wir das gemeinsame Ziel verfolgen Dinge zu 'loka'-lisieren", erklärt der Wiener.

Die Lokalisten Das Startup „Locca“ hat den Startup-Pitch „hy! Berlin“ im Sommer 2013 gewonnen. Julian Breitenecker (Mitte) mit Familie setzt sich mit seinem Mini-Tracker gegen vier Konkurrenten durch. (© 2015 Locca)

 

Ausgefeilte Technik für genaueste Ortung

Doch wie funktioniert Locca? Locca Mini ist nicht größer als eine Streichholzschachtel - allerdings mit modernster Technik versehen, die die metergenaue Ortung im Innen- und Aussenbereich ermöglicht. Das Locca Phone ist zusätzlich mit zwei Kurzwahltasten, einem Notrufknopf sowie Mikrofon und Lautsprecher ausgestattet. "So können etwa Eltern und Kind auf dem Weg zur Schule miteinander kommunizieren", so Breitenecker. Für die genaue Lokalisierung nutzen beide Geräte eine Kombination aus den fünf verschiedenen Ortungstechnologien AGPS, GSM, WIFI, Bluetooth 4.0 und FSK. Ergänzt wird das Ganze durch Licht- und Tonsignale. Zur Übertragung des Ortungssignals an den Server ist eine M2M-SIM-Karte der Telekom in den Geräten integriert. Über die entsprechende Locca App kann der Nutzer in Echtzeit auf einer interaktiven Karte genau sehen, wo sich Mensch, Haustier oder der gesuchte Gegenstand genau befindet. "Locca ist universell nutzbar und überall problemlos anzubringen. Das war uns während der gesamten Produktentwicklung extrem wichtig", erklärt Breitenecker.

Die Lokalisten Locca entwickelte ein Ortungsgerät, mit dem sich im Notfall Menschen, Haustiere oder auch Wertgegenstände einfach und schnell lokalisieren lassen. (© 2015 Locca)

Unendliche Möglichkeiten für M2M

Zwei Jahre nach dem Familienurlaub in Tel Aviv und die Schreckminuten auf dem Spielplatz ist es nun endlich soweit: Breiteneckers Idee hat es in den eben gestarteten Webshop und auf die CeBIT geschafft. Kein Grund für Julian Breitenecker sich einfach zurückzulehnen. Denn die nächsten Ideen hat er bereits im Kopf: "Wir wollen unsere Produkte natürlich vorwärtstreiben und denken schon an die Anwendung von Locca für Fuhrparks oder Container", sagt er. "Die Möglichkeiten zur M2M-basierten Lokalisierung sind sowohl im Bereich B2C als auch B2B quasi unendlich."