Frau Szlosze, Google+ gilt als das am schnellsten wachsende soziale Netzwerk der Geschichte. Trotzdem ist Facebook präsenter denn je. Woran liegt das?

Dass sich Google+ hierzulande noch nicht so stark etabliert hat, liegt unter anderem an der Bequemlichkeit der Deutschen. Wer bereits ein Facebook-Profil pflegt, sagt sich: Alle meine Freunde sind doch hier. Wozu brauche ich ein weiteres soziales Netzwerk? In anderen Ländern gibt es diese Hemmschwelle so nicht. Eine große Rolle spielt darüber hinaus das Thema Datenschutz. Die Deutschen sind da – berechtigterweise – nach wie vor eher skeptisch. Bei einem fremden Sozialen Netzwerk müssten sie sich ja theoretisch wieder durch die Datenschutzrichtlinien kämpfen. Auch darum lassen viele lieber die Finger davon.

Was unterscheidet Google+ von den Social-Media-Kanälen Facebook und Twitter?

Generell unterscheiden sich die beiden Kanäle darin, dass Google+ ein werbefreier Dienst ist, Facebook und Twitter hingegen Unternehmen sind – die sich dementsprechend über Werbung finanzieren. Google+ ist zudem in ein viel größeres „Informationsgeflecht“ eingebunden, da es alle Dienste von Google miteinander vernetzt – und so auch die Kontakte findet. Bei Facebook sucht sich der Nutzer die Kontakte über die personalisierten Informationen selbst. Was die beiden Netzwerke vereint: Die Suche läuft jeweils auf Basis der Daten, die ein Mitglied preisgibt.

Welche Vorteile bietet Google+ kleinen und mittleren Unternehmen bezüglich ihrer Auffindbarkeit im www?

Ein ganz klarer Vorteil gegenüber Facebook etwa ist das bereits erwähnte Google-Informationsgeflecht. Das Unternehmensprofil bei Google+ kann sehr einfach mit Google-Maps beziehungsweise Google-Local verknüpft werden – was insbesondere für die regionale Auffindbarkeit von Firmen hilfreich ist.Wird die eigene Firmenwebsite mit dem Google+- Profil verknüpft, hat auch der „Googlebot“ leichtes Spiel. Ein Googlebot ist ein Computerprogramm, mit dem neue Seiten, Inhalte und Bilder im Internet ermittelt werden und dem Google-Index hinzugefügt werden. Die Suchmaschine weiß dann, dass diese beiden Seiten zusammengehören. Ein Beispiel: Jemand sucht über Google nach einem bestimmten Unternehmen. Besitzt diese Firma ein Google+-Profil, werden neben der Firmen-Website auch die neuesten Informationen des Unternehmens angezeigt – etwa Produkteinführungen, Mitarbeiterwechsel, Bildergalerien und so weiter. Die Infos dafür zieht Google direkt von der Google+-Seite des Betriebs.

Einige Unternehmen verfügen bereits über ein Facebook-Profil. Jetzt kommt Google+ auf die Bildfläche. Welches soziale Netzwerk eignet sich für welches Unternehmen?

Pauschal lässt sich das leider nicht beantworten. Die Frage ist immer: Wen will ich erreichen? Und: Wo hält sich mein Kundenstamm auf? Insbesondere für kleine Unternehmen, beispielsweise Handwerksbetriebe, die zudem überwiegend regional aktiv sind, eignet sich ein Google+-Profil. Suchmaschinentechnisch bringt das einfach mehr, denn der Dienst ist in die größte Suchmaschine der Welt integriert. Große Marken sind wiederum bei Facebook besser aufgehoben, da sie nicht auf die Unterstützung von außen – also von der Google-Suche – angewiesen sind.

Meine Empfehlung: Sind die Ressourcen für beide sozialen Online-Netzwerke vorhanden, dann spricht vieles dafür, Facebook und Google+ parallel zur individuellen Ansprache der eigenen Zielgruppe zu nutzen.

Frau Szlosze, vielen Dank für das Gespräch.