Insolvenzverfahren: So kann es kommen

Nach Angaben der Wirtschaftsauskunftei Creditreform mussten im vergangenen Jahr bundesweit 23.800 Unternehmen Insolvenz anmelden und aufgeben. Damit Sie und Ihr Unternehmen in einer finanziellen Krise nicht das gleiche Schicksal trifft, ist es sehr wichtig, dass Sie einige Dinge beachten.

Idealerweise stellen Sie die Weichen für einen erfolgreichen Neustart schon dann, wenn Sie von der Insolvenz bedroht sind. Doch selbst im schon laufenden Insolvenzverfahren ist der wirtschaftliche Turnaround möglich. Aber der Reihe nach.

Die Insolvenzordnung (InsO) kennt drei Gründe, warum ein Insolvenzverfahren notwendig wird:

  • Sie sind zahlungsunfähig. Die fälligen Verpflichtungen übersteigen Ihre liquiden Mittel um mehr als zehn Prozent, und Ihr Liquiditätsproblem ist in den nächsten drei Wochen nicht lösbar.
  • Sie sind überschuldet. Ihre Bilanz ist nicht mehr ausgeglichen, die Verbindlichkeiten übersteigen Ihr Betriebsvermögen.
  • Sie drohen zahlungsunfähig zu werden. Es ist absehbar, dass Sie fällige Forderungen künftig nicht mehr werden bedienen können.

Haben Sie mit Ihrem Unternehmen auch nur mit einem dieser drei Probleme zu kämpfen, liegt eine Insolvenz vor. Der Startschuss für das Insolvenzverfahren fällt allerdings erst, wenn Sie einen Insolvenzantrag beim zuständigen Insolvenzgericht stellen. Alternativ kann dies auch einer Ihrer Gläubiger tun. Infrage kommen hier zum Beispiel der Träger der Sozialversicherung bei Beitragsrückständen oder das Finanzamt bei Steuerschulden.

Insolvenzverfahren: Geld für die Gläubiger

Ist der Antrag gestellt, lässt das Insolvenzgericht drei Dinge per Gutachter prüfen:

  • Ist die Krise des Unternehmens so schwerwiegend, dass tatsächlich mindestens einer der drei Insolvenzgründe vorliegt?
  • Sind die Forderungen der Gläubiger berechtigt?
  • Sind genügend Vermögenswerte („Masse“) im Unternehmen vorhanden, um wenigstens die Kosten für das Insolvenzverfahren zu decken?

Fehlt es Ihrem Unternehmen an der „Masse“, endet die Geschichte Ihrer Firma: Das Insolvenzverfahren wird gar nicht erst eröffnet, und die Gläubiger streiten sich darum, wer die verbliebenen Unternehmenswerte bekommt.

Andernfalls beginnt das Insolvenzverfahren. Insolvenzgericht und Gläubigerversammlung setzen einen Insolvenzverwalter ein, der Ihr Unternehmen fortan steuert. Sie können nicht mehr frei über Ihr Geschäftsvermögen verfügen. Noch schlimmer: Der Verwalter richtet seine Entscheidungen in erster Linie am Wohl der Geldgeber aus. Denn das Insolvenzverfahren hat grundsätzlich zum Ziel, die Forderungen der Gläubiger bestmöglich zu befriedigen, sei es durch die wirtschaftliche Sanierung der Firma, den Verkauf einzelner Unternehmensteile oder die komplette Zerschlagung.

Eine Rettung der Firma wird zusätzlich dadurch erschwert, dass das Insolvenzverfahren öffentlich gemacht wird, zum Beispiel in der Lokalpresse und im Bundesanzeiger. Das wirft natürlich kein gutes Licht auf Ihr Unternehmen, Ihre Geschäftskontakte und folglich auch Ihre Geschäfte können leiden.

Krise eines Einzelunternehmers

Wenn Sie in Eigenregie als „natürliche Person“ geschäftlich tätig sind, haben Sie nicht die Pflicht, einen Antrag auf Insolvenz zu stellen – auch wenn es finanziell eng für Sie wird und einer der Insolvenzgründe auf Sie zutrifft. Stattdessen stellen Sie besser einfach die Geschäftstätigkeit ein und melden das Unternehmen ab. Das raten auf Insolvenzrecht spezialisierte Anwälte. Leiten Ihre Gläubiger dann Zwangsvollstreckungsmaßnahmen ein, flüchten Sie sich in die Verbraucherinsolvenz. Vorteil: Auf diese Art können Sie sich schnell entschulden.

Stellen Sie dagegen im laufenden Geschäftsbetrieb einen Antrag auf Insolvenz, hilft dies vor allem den Gläubigern. Denn als Einzelunternehmer haften Sie grundsätzlich auch mit ihrem Privatvermögen, es sei denn, Sie stellen einen Antrag auf Restschuldbefreiung.

Krise einer Kapitalgesellschaft

Sind Sie Geschäftsführer einer GmbH oder AG, müssen Sie dagegen zwingend Insolvenz beantragen, wenn Sie wirtschaftlich in Schieflage geraten sind. Darum haben Sie in der Krise die Pflicht zu prüfen, ob eine Insolvenz vorliegt. Falls ja, müssen Sie binnen drei Wochen einen Antrag auf Insolvenz stellen. Andernfalls drohen Ihnen Schadenersatzforderungen der Gläubiger. Zudem machen Sie sich strafbar. Infrage kommt zum Beispiel der Straftatbestand der Insolvenzverschleppung.

Insolvenz nach Plan: Schnell aus der Krise

Zeichnet sich die Insolvenz ab oder läuft gar schon das Insolvenzverfahren, müssen Sie schnell handeln, um die Chancen auf Fortbestand der Firma zu verbessern. Oberstes Ziel ist es dabei, dass Sie im Unternehmen weiter das Sagen haben und die Geschäfte fortführen können. Das lässt sich für Kapitalgesellschaften und Einzelunternehmen gleichermaßen auf drei Wegen erreichen:

  • Sie gründen möglichst weit vor der (schon absehbaren) Insolvenz eine Auffanggesellschaft, in der Sie sich selbst anstellen.
  • Sie setzen die Freigabe Ihres Betriebs aus der Insolvenzmasse gegen Zahlung einer Geldsumme beim Insolvenzverwalter durch.
  • Sie wählen das Schutzschirmverfahren, bevor die Insolvenz eintritt und umgehen so das klassische Insolvenzverfahren.

Von diesen Entschuldungsmöglichkeiten ist das Schutzschirmverfahren der wohl eleganteste Weg, wie Sie sich Ihrer Schulden entledigen können. Wie das Unternehmermagazin „impulse.de“ informiert, bietet das Verfahren nach dem Gesetz zur Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) eine gute Alternative zur klassischen Insolvenz. Voraussetzung für das Schutzschirmverfahren ist jedoch, dass Sie handeln, bevor Sie zahlungsunfähig werden. Es müssen also noch liquide Mittel vorhanden sein. Dies muss ein Steuerberater oder Wirtschaftsprüfer bestätigen.

Gegenüber dem Insolvenzverfahren bietet das Schutzschirmverfahren folgende Vorteile:

  • Es wird kein Insolvenzverwalter bestellt.
  • Sie führen den Betrieb weiter und sanieren ihn eigenverantwortlich.
  • Sie müssen das Schutzschirmverfahren nicht öffentlich machen.
  • Ihre Geschäftsbeziehungen bleiben erhalten.
  • Ein Sanierungsberater unterstützt Sie in der Geschäftsführung und erstellt binnen drei Monaten gemeinsam mit Ihnen ein Sanierungskonzept, den sogenannten Insolvenzplan.
  • In diesen drei Monaten sind Sie vor Vollstreckungsmaßnahmen der Gläubiger geschützt.
  • Sie einigen sich unter gerichtlicher Aufsicht mit den Gläubigern auf eine Teilrückzahlung der Schulden per Quote.
  • Sie sind nach wenigen Monaten schuldenfrei.

So schaffen Sie den Neustart im laufenden Betrieb, obwohl Sie Insolvenz anmelden mussten.

Weiterführende Links:

  • Wie Insolvenzausfallgeld helfen kann, die Liquidität des Unternehmens zu verbessern, beschreibt der Insolvenzratgeber auf seiner Internetseite.
  • Bedingungen und Ablauf des Schutzschirmverfahrens sind hier zusammengefasst.
  • In einer Broschüre beschreibt das Bundesministerium für Justiz und Verbraucherschutz die Voraussetzungen für die Restschuldbefreiung.