„Wir haben die meisten Kennzahlen aus allen Bereichen unseres Unternehmens immer im Blick – von der Produktion über den Einkauf und Vertrieb bis hin zur Logistik. So wissen wir genau, wann was wo zu tun ist“, sagt Michael Schneider zum Thema Digitalisierung bei JEAN MÜLLER.ER

„Wir sehen Kennzahlen, die früher niemand beachtet hat“

Jeder kennt sie: Die grauen Kästen am Straßenrand, die sich nur ungelenk in das Landschaftsbild einfügen. Doch dem Innenleben dieser Kabelverteilerschränke verdanken wir Licht und Energie, kurz: hier wird unsere Stromversorgung geregelt. Hergestellt werden die grauen Klötze von JEAN MÜLLER. Seit mehr als 100 Jahren produziert das Unternehmen aus Eltville am Rhein elektrotechnische Erzeugnisse, insbesondere Schaltgeräte auf dem Gebiet der Niederspannung, Stromverteilungskomponenten, Sicherungen und Verteilungen. Damit zählt JEAN MÜLLER zu den Weltmarktführern auf diesem Gebiet.

Zum Kundenstamm gehören unter anderem die großen Energieversorger RWE, E.ON, EnBW und Vattenfall, der Schaltanlagen- und Steuerungsbau, sowie die Industrie, darunter SIEMENS, General Electric (GE) und nicht zuletzt der Großhandel und die Sparte Regenerative Energie. Referenzprojekte mit JEAN MÜLLER Produkten sind die Flughäfen in Frankfurt, München und Hannover, die Rechenzentren von E-Plus, Vodafone, Deutsche Bahn, Böhringer in Ingelheim und das Klinikum in Heidelberg – um nur einige zu nennen.

Allein in Deutschland arbeiten rund 480 Mitarbeiter. Tochtergesellschaften in Österreich, der Schweiz und Polen, Singapur, China, Australien und Neuseeland machen aus JEAN MÜLLER im hessischen Rheingau ein Unternehmen von internationaler Größe.

Schwachstellen erkennen und Trends feststellen

„Ein Unternehmen, 23.000 Artikel, unzählige Möglichkeiten“ – so beschreibt die JEAN MÜLLER seine Leistungen auf der eigenen Firmen-Webseite. Bei so einem Produktspektrum ist es enorm wichtig, den Überblick zu behalten. Daher hat das Unternehmen vor gut sieben Jahren sein bestehendes MRP-System (Material Requirements Planning) durch ein modernes ERP-System (Enterprise-Resource-Planning – eine Software zur Materialbedarfsplanung in Unternehmen) ausgetauscht. 2012 haben sie dann gemeinsam mit der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und Antrieb Mittelstand-Partner BDO die BI-Software Qlik View eingeführt. „Wir haben mit der Software ein sehr tiefgreifendes Mittel geschaffen, um schnell und detailliert Datenanalyse und -auswertungen zu machen, Schwachstellen zu erkennen sowie Tendenzen und Trends festzustellen“, sagt Michael Schneider, Exportsachbearbeiter bei JEAN MÜLLER.

Enterprise-Resource-Planning – eine Software zur Materialbedarfsplanung in Unternehmen Enterprise-Resource-Planning – eine Software zur Materialbedarfsplanung in Unternehmen (© 2015 )

Das Herzstück ist das Business Management Cockpit
In der Praxis heißt das: Qlik View erfasst alle relevanten Daten in den Bereichen Geschäftsführung, Vertrieb im In- und Ausland, Produktmanagement und Produktion, Controlling, Einkauf sowie Logistik, Lager und Versand. Rund 100 Unternehmenskennzahlen werden detailliert und taggenau abgebildet und im sogenannten Business Management Cockpit, dem Herzstück, zusammengeführt. Messzeigerdiagramme zeigen den Status jedes einzelnen Bereichs an und bewerten ihn nach dem Ampelsystem: schlägt der Zeiger in den roten Bereich aus, muss sofort gehandelt werden, grün besagt: alles läuft nach Plan.

So werden beispielsweise Auftragseingänge und Umsätze erfasst und analysiert: Welche Entwicklungen und Tendenzen sind über mehrere Jahre, Quartale, Monate und Wochen festzustellen? Das gleiche gilt für die Herstellungskosten: Wie ist der IST-Zustand im Vergleich zum Vorjahr? „Wir können alle Daten tagesaktuell einsehen und beispielsweise nach Ländern, Kunden oder Vertriebsgebieten filtern, nach Produktgruppen oder Arbeitsplätzen – alles wird erfasst und ausgewertet“, so Schneider.

Können Kundenaufträge nicht termingerecht geliefert werden, schlägt die Anzeige „Alarm“ und die Mitarbeiter wissen sofort, wo was zu tun ist. Wird ein bestimmtes Produkt nicht mehr gekauft, können die Mitarbeiter direkt beim Kunden anrufen und Grund und Ursache in Erfahrung bringen. Werden Fahrtstrecken im Lager oder von den Lieferanten als überflüssig erkannt, leiten die Verantwortlichen sofort Spar- und Optimierungsmaßnahmen ein. Die Liste ließe sich um zahlreiche Komponenten fortführen.

„Qlik View erhöht unsere Reaktionsgeschwindigkeit enorm“, sagt Michael Schneider. „Durch die besondere Möglichkeit eines Drill-Down über Länder zu Kundengruppen, weiter zu den Kunden und deren Produktgruppen bis hin zu den einzelnen Aufträgen, sind die internen Arbeitsabläufe wesentlich schneller, effizienter und transparenter geworden. Wir sehen inzwischen Kennzahlen, die früher niemand beachtet hat.“

ERP-System (Enterprise-Resource-Planning – eine Software zur Materialbedarfsplanung in Unternehmen) ERP-System (Enterprise-Resource-Planning – eine Software zur Materialbedarfsplanung in Unternehmen) (© 2015 )