Sommerloch: Wie groß ist die Gefahr fürs Unternehmen?

Natürlich bricht das Sommerloch nicht aus heiterem Himmel über eine Firma herein. Wer sein Geschäft also kennt, die jährlichen Schwankungen im Blick hat und rechtzeitig vorsorgt, muss die sommerliche Flaute nicht fürchten. Wer weiß, dass sein Geschäft regelmäßig solchen Schwankungen unterliegt, kann rechtzeitig Rücklagen bilden, sodass die monatlichen Ausgaben weiterhin gedeckt sind.

Für Routiniers im Geschäft keine allzu große Herausforderung. Fehlt die Erfahrung aber, können konjunkturelle Engpässe das Unternehmen schnell in Schieflage bringen. Dasselbe gilt auch, falls ein wichtiger Kunde wegbricht oder ein fest eingeplantes Geschäft platzt. Im schlimmsten Fall könnte das existenzbedrohlich wirken.

Was also tun, um die Kosten zu senken?

Sommerloch-Schwankungen ausgleichen

Selbst wenn kein finanzieller Engpass droht, sondern nur ein vorübergehender Auftragsrückgang, sollten Mittelständler den Ausnahmezustand gut vorbereiten. Die Mitarbeiter daumendrehend an ihren Schreibtischen sitzen zu lassen, ist weder zielführend noch wirtschaftlich.

Die Saure-Gurken-Zeit lässt sich aber auch produktiv nutzen:

  • Angehäufte Überstunden können und sollten jetzt abgebaut werden.
  • Das Sommerloch bietet sich zudem für Weiterbildungen an. Wer nicht viel zu tun hat, kann sich künftig wichtiges Wissen aneignen, das im vierten Quartal schon gebraucht werden könnte. Obendrein verbessern solche sinnvollen (!) Fortbildungen die Arbeitgeberbindung und -attraktivität. Übrigens: Falls das betriebseigene Fortbildungs-Budget zu schmal ist, können Sie sich auch bei der Bundesagentur für Arbeit erkundigen, die unterstützt Unternehmen mit diversen Förderprogrammen.
  • Alternativ kann sich auch der komplette Betrieb in die Ferien verabschieden. Betriebsferien sind vor allem in kleinen Unternehmen sinnvoll, in denen ohne den Chef ohnehin kaum etwas läuft: In Arztpraxen, Rechtsanwaltskanzleien oder Architektenbüros zum Beispiel.

Doch es gibt auch die Fälle, in denen mehr Aufträge ausfallen als gedacht oder das Unternehmen weniger zu tun hat, als Überstundenabbau und regulärer Urlaub lange auffangen könnten. "Sind die Reserven nahezu aufgebraucht, ist es möglich, das Team zunächst in unbezahlten Urlaub zu schicken", sagt Ina Claßen, Geschäftsführerin der Unternehmensberatung Brands for talents. Die Rechtsanwältin blickt auf 20 Jahre Führungserfahrung in kleinen und mittelständischen Unternehmen bis hin zum DAX-30-Konzern zurück. Sie sagt aber auch: "Das ist eine erste Notfallmaßnahme."

Eine, die nur von kurzer Dauer sein sollte. Immerhin befinden sich die Mitarbeiter nach wie vor in einem festen Arbeitsverhältnis und haben keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Sie müssen die Zeit also mit ihren eigenen Rücklagen überbrücken. Das kann sich keiner lange leisten.

Kurzarbeit anmelden – nur im absoluten Notfall machbar

Unternehmen mit wechselhafter Auftragslage rät Claßen daher, die Personalplanung zu überdenken: So könnte die Kernbelegschaft reduziert und Auftragsspitzen über Zeitarbeitskräfte, studentische Hilfskräfte oder befristete Anstellungen abgefedert werden.

Unter bestimmten Bedingungen kann auch Kurzarbeit angemeldet werden, wobei dieser Schritt im Sommerloch eher zu der ganz großen Ausnahme zählt und nur im absoluten Notfall umgesetzt werden kann.

Zum Einen ist der Prozess ein wahres Bürokratiemonster, zum Anderen ist Kurzarbeit der letzte Rettungsanker, wenn alle anderen Maßnahmen zur Kostensenkung bereits ausgeschöpft sind. Die Idee, die Mitarbeiter über den Sommer standardmäßig in Kurzarbeit zu schicken, scheidet also aus.

Damit die zuständigen Behörden einwilligen, müssen folgende Voraussetzungen erfüllt sein:

  • Es muss eine tarifvertragliche Regelung geben.
  • Oder entsprechende Betriebs- oder Individualvereinbarungen, die die Einführung von Kurzarbeit in konjunkturschwachen Zeiten festlegen.
  • In Betrieben mit Betriebsrat ist die Anordnung von Kurzarbeit nur wirksam, wenn der Betriebsrat zustimmt.

"Von der Kurzarbeit können alle oder nur ein Teil der Arbeitnehmer betroffen sein", sagt Claßen. "Diese arbeiten dann weniger oder überhaupt nicht. Auf diese Weise können im Idealfall betriebsbedingte Kündigungen vermieden werden."

Die Arbeitnehmer, die von Kurzarbeit betroffen sind, müssen ihrerseits kaum finanzielle Einbußen hinnehmen und beziehen neben einem sogenannten Kurzlohn des Arbeitgebers auch Kurzarbeitergeld von der Bundesagentur für Arbeit. "Diese staatliche Entgeltersatzleistung beträgt 60 Prozent der Nettoentgeltdifferenz des Monats, in dem die Arbeit ausgefallen ist, also kurzgearbeitet wurde", sagt Claßen.

Grundsätzlich ist Kurzarbeit auf sechs Monate begrenzt. Es sei denn, es liegen außergewöhnliche Verhältnisse auf dem Arbeitsmarkt vor – etwa wie es zu Zeiten der bundesweiten Finanzkrise der Fall war. "Dann kann die Kurzarbeit per Rechtsverordnung auf bis zu 24 Monate ausgedehnt werden."

Der letzte Schritt: Die betriebsbedingte Kündigung

Manchmal ist eine Reduzierung der Belegschaft dennoch nicht zu vermeiden. Hier gilt es, einen kühlen Kopf zu bewahren und das Arbeitsrecht im Blick zu behalten. Wer als Unternehmer hier Fehler begeht, riskiert Rechtsstreitigkeiten, die die ohnehin schon angeschlagene Firma noch mehr in Schieflage bringen.

Hierbei gilt:

  • Kleine mittelständische Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern fallen nicht unter das Kündigungsschutzgesetz.
  • Bei betriebsbedingten Kündigungen gilt die vertraglich vereinbarte Kündigungsfrist.

Bei Betrieben ab zehn Mitarbeitern gestaltet sich der betriebsbedingte Abbau von Stellen dagegen schwieriger: Der Arbeitgeber steht in der Pflicht zu prüfen, ob die Betroffenen Arbeitnehmer nicht anderweitig eingesetzt werden können.

Die Sozialauswahl beachten

Ist dies nicht der Fall und sind mehrere Angestellte mit vergleichbarem Aufgabengebiet betroffen, muss die Kündigung den Kriterien der Sozialauswahl unterliegen. Hierzu sind folgende Punkte ausschlaggebend für die Reihenfolge der ausgesprochenen Kündigungen.

  • Dauer der Betriebszugehörigkeit
  • Alter des Arbeitnehmers
  • Unterhaltspflichten des Arbeitnehmers
  • Eventuelle Behinderung des Arbeitnehmers

Derart nachhaltige Eingriffe in die Unternehmensstruktur sind im Sommerloch aber die ganz große Ausnahme. Besser fährt, wer etwaige Schwankungen rechtzeitig durch Rücklagen oder die oben genannten Alternativen ausgleicht.