Herr Walliser, für das schwäbische Tuning und Design Unternehmen Piecha – einem der führenden Tuner für bekannte Automarken – setzen Sie verstärkt auf die Produktpräsentation via YouTube Videos. Warum?

Die Videos zeigen sportliche Fahrzeuge in Aktion und Funktion – beispielsweise beim Öffnen und Schließen des Verdecks oder beim Beschleunigen eines Autos. Das klingt zunächst sehr trocken. Doch eine gut in Szene gesetzte Auspuffanlange etwa – mit sattem Sound und einem ansprechenden Design – kann Emotionen beim Zuschauer auslösen, trotz des rein technischen Vorgangs. Der Kunde kann sich das Produkt zudem viel besser vorstellen. Das ist bei der Kaufentscheidung natürlich ein großer Vorteil.

(© 2015 )

Was hat sich seit dem Einsatz von Videos bei Piecha Design verändert?

Wir setzen die Videos bei Piecha ganz gezielt in der Kundenkommunikation ein. Per SMS oder E-Mail können wir noch während des Verkaufsgesprächs Links zu den Videos verschicken oder unsere Produkte bei den Partnern vor Ort auf Tablet-PCs vorstellen. Die  Zugriffszahlen auf die Produkte im Internet sind dadurch erheblich angestiegen – ganz konkret um etwa 60.000 Zuschauer in etwas mehr als einem halben Jahr. Das hat sich auch positiv auf den Umsatz ausgewirkt.

Ab welcher Unternehmensgröße lohnt sich die Produktion von Videos?

Firmen-Videos lohnen sich immer – ganz unabhängig von Größe und Branche. Es ist bewiesen, dass Internetnutzer in der Suchmaschinen-Trefferliste viel eher auf ein Video klicken, als auf einen reinen Text. Davon können alle Unternehmen profitieren. Wichtig zu bedenken: Auch You Tube Videos werden von Google gefunden. Daher sollten Titel, Beschreibungstext und Dateiname klare Schlagwörter enthalten: Dazu gehören auf jeden Fall der Name des Unternehmens sowie weitere Keywords zum Inhalt des Videos.

Viele Unternehmen haben keine Möglichkeit, professionelles Videomaterial zu erstellen. Lassen sich auch mit semi-professionellen Beiträgen Erfolge erzielen oder wirkt sich das eher negativ auf das Unternehmens-Image aus?

Es kommt nicht darauf an, Hightech-Filme von einem teuren Dienstleister produzieren zu lassen. Wichtig ist, dass das Video seriös ist und nicht an einen Werbe-Clip erinnert – alles, was zu animiert oder inszeniert aussieht, kommt nicht gut an. Unabhängig ob intern oder extern – der Produzent sollte sein Handwerk verstehen. Denn über das Video soll Vertrauen aufgebaut und dem Kunden das Gefühl gegeben werden: Hier bin ich gut aufgehoben, hier werde ich gut beraten.

Wie lang sollte ein Video über ein Produkt höchstens sein?

Für ein Produktvideo empfiehlt sich eine Länge von etwa zwei Minuten. Möchte ich beispielsweise darstellen, wie ein Auspuff klingt, reichen eineinhalb Minuten völlig aus, bei der Vorstellung eines kompletten Automodells können es auch gut drei bis vier Minuten sein.

Produktvideos sind eine Sache. Auf welche Weise können sich Unternehmen sonst noch über ein Video präsentieren?

Eine schöne Alternative zu Produktvideos sind kurze Kundeninterviews. Denn: Die Stimme eines zufriedenen Kunden ist viel aussagekräftiger, als die des Firmenchefs, der seine Produkte lobt. Das Unternehmen sollte sich auf jeden Fall die Bildrechte vom Kunden auf unbefristete Zeit übertragen lassen. Das kann vor dem Dreh in Form einer schriftlichen Einverständniserklärung erfolgen.

Welche Vorteile bringt  die zusätzliche Verlinkung auf You Tube, wenn ein Video schon auf der Firmenwebseite eingebunden ist?

Ist der Film nur auf der Firmenhomepage zu sehen, werden auch nur diejenigen erreicht, die eh schon auf der Seite sind. Außerdem können Videos nicht immer von jedem Betriebssystem geöffnet werden, es muss ein Player aktiviert oder installiert werden – das schreckt viele ab. You Tube funktioniert in der Regel auf allen Endgeräten und die Nutzer haben keine Bedenken, auf einen entsprechenden Link zu klicken.

Veröffentlichungen im Netz bieten immer auch eine Angriffsfläche für negative Kommentare. Wie kann man sich bei einem Video davor schützen?

Um das eigene Image nicht zu gefährden, können die Rechte auf You Tube durch Filter eingeschränkt werden. Das heißt: Möchte ich Kommentare von Zuschauern vorher freigeben oder kann jeder posten, wie und was er will? Möchte ich alternative Videoantworten zulassen? Ratsam ist zudem, die Videos immer wieder auf Aktualität zu überprüfen.

Herr Walliser, vielen Dank für das Gespräch!

Stefan Walliser ist Geschäftsführer bei der arvenio marketing GmbH in Rottweil (www.arvenio.de).Das Unternehmen hat sich auf Marketing im Bereich Multimedia und Apps spezialisiert. Bei den Veranstaltungen von ANTRIEB MITTELSTAND tritt Stefan Walliser als Referent auf.