Regionale Lebensmittel: Der Trend zieht an

92 Prozent der Deutschen bevorzugen regionale Lebensmittel gegenüber konventionellen Produkten, so das Ergebnis des aktuellen Ökobarometers. Drei von vier Befragten wären sogar dazu bereit, einen höheren Preis zu zahlen, wenn Kartoffeln oder Karotten aus der Umgebung kommen. Die Gründe für den Boom liegen auf der Hand, denn regionale Lebensmittel ...

  • sind klimaschonend, da aufgrund kürzerer Transportwege weniger Emissionen entstehen,
  • schmecken besser, weil Obst und Gemüse erst bei Reife geerntet werden und
  • unterstützen die regionale Wirtschaft, denn die Lebensmittel werden von Betrieben aus der Umgebung bezogen.

Besonders hoch ist das Interesse an regionalen Lebensmitteln in der Stadt. Doch wie kommen die Städter an Obst und Gemüse aus dem ländlichen Idyll?

Gemüsekiste: Vom Nischenprodukt zum Massenphänomen

Das Prinzip der Biokiste ist so einfach wie praktisch: Statt auf der Suche nach regionalen Lebensmitteln durch die halbe Stadt zu laufen, können Kunden sich Woche für Woche eine Kiste mit frischem Obst und Gemüse aus der Umgebung liefern lassen.

In Deutschland gibt es mittlerweile mehr als hundert Anbieter des regionalen Lieferservices – einer davon ist Jura Nordhausen, Gründer der Biokiste Hamburg. Der Jungunternehmer ist in den Neunzigerjahren mit der Biokiste aufgewachsen, in einer Zeit, als die Ökobewegung mehrheitlich noch belächelt wurde. Dass das Konsumverhalten der Deutschen sich in den kommenden Jahren grundlegend ändern würde, konnte damals keiner ahnen – außer Jura.

Nach dem Abitur machte er auf einem Hof nahe Hamburg eine Ausbildung zum Landwirt, mit 24 wagte er schließlich den Schritt in die Selbstständigkeit. Erst verkaufte er nur Lebensmittel aus seiner Gärtnerei, doch mit dem Obst und Gemüse aus eigenem Anbau war die steigende Nachfrage schlichtweg nicht zu befriedigen. Mittlerweile beschäftigt der 31-Jährige vier Angestellte und kooperiert mit Landwirten aus der Region. Mit den Geschäften kann Jura Nordhauser zufrieden sein: 700 Kunden nehmen den Service in Anspruch und erfreuen sich je nach Jahreszeit an frisch geerntetem Spargel, Erdbeeren und Grünkohl.

Ackerhelden: Selbstversorgung unter Anleitung

Warum liefern lassen, wenn man das Obst und Gemüse auch gleich selbst anbauen kann? Für Städter, die keine Angst davor haben, sich die Finger schmutzig zu machen, hat das Start-up Ackerhelden ein Angebot entwickelt: Gegen eine Jahresgebühr von 248 Euro können Interessierte einen 40 Quadratmeter großes Feld auf einem ökologischen Hof in der Nähe bewirtschaften und sich selbst als Landwirte ausprobieren. Vorkenntnisse braucht es dafür nicht, denn der Acker wird zum Start von Birger Brock und Tobias Paulert, den Gründern von Ackerhelden, vorbereitet. Rund 20 Gemüsesorten werden angepflanzt, von Mai bis Oktober müssen die Nutzer selber ran. Um eine reiche Ernte einzufahren, sollte man ein bis zwei Stunden Ackern pro Woche einplanen. Was es beim Umpflügen, Gießen und Schneiden zu beachten gilt, das erklären die erfahrenen Landwirte vor Ort persönlich.

„Wir möchten der Entfremdung der Menschen von der Landwirtschaft und vor allem von der ursprünglichen, der ökologischen Landwirtschaft entgegen wirken und Berührungspunkte schaffen“,

so Tobias Paulert gegenüber "utopia.de". Und das Konzept geht auf: Mithilfe des Start-ups beackerten vergangenes Jahr rund 2500 Menschen aus 61 Städten ihr eigenes Feld.

ECF Farmsystems: Regionale Lebensmittel aus der Großstadt

Um regionale Lebensmittel zu ernten, bedarf es nicht zwangsläufig grüner Wiesen und fruchtbarer Äcker. Mit Aquaponik gedeiht Gemüse auch auf kleinstem Raum mitten in der Stadt. Das neuartige Verfahren verbindet Fischzucht in Aquakultur mit Gemüseanbau in Hydrokultur. Beide sind über einen Wasserkreislauf miteinander verbunden und versorgen sich gegenseitig. So dient das Ammonium, das von den Fischen ausgeschieden wird und sich in Nitrat umwandelt,  den Pflanzen als Dünger.

Das ursprünglich in den USA erfundene Verfahren hält nun erstmals auch in Deutschland Einzug. Auf einem stillgelegten Fabrikgelände in Berlin produziert das Start-up ECF Farmsystems Tilapias und Rosé Barsche, Salat und frische Kräuter. Der Clou: Die Herstellung ist nicht nur regional, sondern auch CO₂-neutral, platz- und wassersparend, denn der Wasserverbrauch wird zu 70 Prozent aus Regenwasser gespeist. In der 1.800 Quadratmeter großen Anlage produziert das Unternehmen jährlich rund 30 Tonnen Gemüse und 25 Tonnen Speisefisch. Regionale Lebensmittel, die auf kürzestem Weg von der Farm auf die Teller von Berliner Feinschmeckern wandern.

 

 

Digital ackern, Erfolg ernten! Der Bauer Sepp Maier und Benedikt Wiggen vom Landmaschinenunternehmen CLAAS KGaA mbH zeigen in diesem Video, wie die Digitalisierung den Bauernhof erobert:

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