Wenn Lukas Pfeiffer neue Mitarbeiter sucht, postet er die offene Stelle einfach auf Facebook. Der Chef der auf interne Unternehmensnetzwerke spezialisierten Swabr GmbH aus Berlin folgt damit einem Trend, der Recruiting in Deutschland zunehmend prägt. Nach der Studie des Personaldienstleisters Adecco „The Adecco Global Study 2014“ – Jobsuche, Digital Reputation und Personalbeschaffung im Social Media-Zeitalter in Deutschland“ bewerben rund 42 Prozent der Unternehmen ihre Stellenanzeigen bereits auch in sozialen Medien wie Facebook, Xing oder LinkedIn. 41 Prozent der Firmen erhalten Bewerbungen sogar direkt über sie. Die Vorteile: Die Stellenanzeigen lassen sich schnell erstellen und veröffentlichen, sie erreichen die passende Zielgruppe und sind rund um die Uhr sichtbar. Die Bewerbungen gehen elektronisch ein, landen direkt im richtigen Postfach und lassen sich intern in den digitalen Workflow ohne manuellen Aufwand integrieren. Daher ist Recruiting 2.0 so beliebt.

Social Media sind bei Unternehmern und bei Bewerbern beliebt

Neben den eigenen Karriereseiten der Unternehmen und Online-Stellenportalen wie StepStone, Monster oder Indeed spielt Social Media beim Recruiting eine zunehmend wichtige Rolle. Das Geschäftsmodell von Karin Hohn basiert sogar darauf: Mit ihrer Stuttgarter Agentur Job Ambition sucht sie Fachkräfte im Auftrag ihrer Kunden ausschließlich über Xing & Co. Dafür durchforstet sie die Profile von geeigneten Kandidaten nach wichtigen Stichworten für die jeweilige Position und spricht sie direkt an. So gehen nach der Adecco-Studie inzwischen mehr als ein Drittel der befragten Unternehmen vor. Für Bewerber bedeutet das: Sie sollten ihre Profile immer up to date halten und ihre Kenntnisse und Fähigkeiten besonders hervorheben.

Fachkräfte vernetzen sich nicht nur über Social Media, sie nutzen zunehmend weitere mobile Kanäle. Die Zahl der Smartphone-Besitzer beziffert der Digitalverband Bitkom hierzulande auf 44 Millionen. Immer häufiger nutzen sie ihre Smartphones, und Tablets, um nach offenen Stellen zu forschen und sich über die Unternehmen zu informieren. Bei StepStone etwa stieg die Zahl der mobilen Zugriffe auf die Website um die Hälfte, der Zugriff über die App sogar um 80 Prozent. Bei einer Umfrage des Job-Portals unter 17.000 Fachkräften kam heraus, dass sich rund 80 Prozent von ihnen gerne direkt mobil bewerben würden. Doch was heißt das genau? „Es wird bald üblich werden, sich mal eben von unterwegs mit Unternehmen in Verbindung zu setzen“, erklärt Sebastian Dettmers, Geschäftsführer von StepStone Deutschland in Düsseldorf. Das gelingt ihnen mit der neuen StepStone-App mit wenigen Klicks.

 Jobbörsen haben ihre eigenen Apps

Den Trend, Kandidaten mit speziellen Bewerbungs-Apps zu ködern, beobachtet auch Karin Hohn. „Mit Spezial-Apps wie Truffls, die auch eine Kooperation mit der Jobbörse Monster haben, bewerben sich immer mehr Kandidaten mobil“, erklärt sie. Einige Apps und Bewerbermanagement-Systeme bieten die Möglichkeit, über einen sogenannten CV-Parser (Lebenslauf-Analysierer) berufliche Stationen aus den Xing- und LinkedIn-Profilen herauszufiltern und sich so mit nur wenigen Klicks übers Smartphone zu verschicken. Umgekehrt bietet Truffles Unternehmen die Möglichkeit, ihre Stellenanzeigen in ein mobiles Format zu verwandeln, damit sie ihre mobile Zielgruppe besser erreichen – Recruiting für die Westentasche.

Transparenz, das oberste Prinzip für die sozialen Medien, gilt auch für potenzielle Arbeitgeber. Erfolgreiche Recruiter wie die Freiburger Haufe Gruppe fordern ihre Mitarbeiter daher ausdrücklich auf, sie auf das Bewertungsportal kununu.com zu bewerten. Dort erhalten Interessenten gleich wichtige Informationen, Bemerkungen und Erfahrungsberichte von Mitarbeitern und anderen Bewerbern. Frei nach dem kununu-Motto: Wer zu seinen Schwächen steht, wirkt glaubwürdiger, als wenn er nur seine Stärken darstellt.