Startup-Finanzierung: Eine harte Nuss

An Ideen mangelt es hierzulande wahrlich nicht. Das jedenfalls steht im Gründungsmonitor 2015 der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW). Demnach gab es 2014 in Deutschland insgesamt 915.000 Firmengründungen – ein Plus von 5,4 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Unternehmensgründungen finden in Berlin statt – dem Herz der deutschen Startup-Szene.

Und dort wie anderswo gibt es eine große Hürde für jedes junge Unternehmen: die Finanzierung. Laut KfW-Gründungsmonitor haben sich 2013 in dieser Frage 27,1 Prozent der Gründer für ein traditionelles Annuitätendarlehen entschieden.

Annuitätendarlehen: Kredit mit Weitsicht

Eine gute Wahl, denn es bietet eine Reihe von Vorteilen.

  • Beim Annuitätendarlehen bleiben über die gesamte Laufzeit die Raten gleich.
  • Auch bei einer Sondertilgung ändert sich daran nichts.
  • Es verschiebt sich lediglich der Zins- und Tilgungsanteil. Das heißt, mit zunehmender Laufzeit sinkt die Zinslast.
  • Durch die ansteigende Tilgung haben Sie das Annuitätendarlehen am Ende der Laufzeit komplett zurückbezahlt.
  • Dank der konstanten Raten können Sie die monatliche Belastung besser kalkulieren.

Ganz anders läuft das zum Beispiel, wenn Sie sich auf eine Eigenkapitalfinanzierung über einen Investor einlassen. Der erhält für sein Geld im Gegenzug Anteile an Ihrem Unternehmen, ist also an Gewinn und Verlust beteiligt.

Mögliche Komplikation: Der Investor könnte ein gehöriges Wörtchen mitreden wollen, wenn es um wichtige Entscheidungen in Ihrem Betrieb geht.

Im Gegensatz zur Eigenkapitalfinanzierung entsteht bei der Fremdkapitalfinanzierung über ein Annuitätendarlehen ein Schuld- und kein Beteiligungsverhältnis. Sie bleiben der Kapitän auf ihrem eigenen Schiff.

Keine Sicherheiten? Ihr Bundesland hilft mit einer Bürgschaft

Warum nutzen also nicht mehr Firmengründer das Annuitätendarlehen als Startup-Finanzierung?

Laut Startup Monitor 2014 liegt es am schwierigen Zugang zum Unternehmenskredit. Banken wollen nämlich überzeugt werden. Das fällt jedoch gerade Startups schwer. Meistens mangelt es an ausreichenden Informationen, gerade wenn die Gründer ein völlig neues Geschäftsmodell oder Produkt präsentieren. Merke: Banken scheuen das Risiko wie der Teufel das Weihwasser und verlangen Sicherheiten.

Mangelt es Ihnen (noch) am ausreichenden Faustpfand, so müssen Sie aber nicht gleich die Hoffnung auf eine Finanzspritze begraben. Vielleicht verhilft Ihnen eine Landesbürgschaft zum angestrebten Annuitätendarlehen. Dabei springen die Bundesländer zur Startup-Finanzierung in die Bresche. Und das läuft so:

  • Für eine Landesbürgschaft macht das Startup das typische Hausbankenverfahren durch.
  • Das Land prüft zusammen mit der Bank, ob das geplante Unternehmen förderwürdig ist und
  • klopft es betriebswirtschaftlich auf Herz und Nieren ab.
  • Wird die Bürgschaft erteilt, übernimmt das Land 80 Prozent des Risikos. Den Rest trägt die Bank.

Das so verteilte Wagnis könnte Ihr Geldinstitut gnädiger stimmen. Machen Sie sich dabei aber auf einen hohen Verwaltungsaufwand gefasst. Der „Papierkram“ ist nicht zu unterschätzen, da die Länder etliche Forderungen an ihre Bürgschaften knüpfen.

Fördermöglichkeiten: Da geht noch mehr

Darüber hinaus gibt es für die Startup-Finanzierung weitere Förderungen, über die Unternehmensgründer an ein Annuitätendarlehen kommen. Viele Fördermodelle sind so ausgelegt, dass die Rückzahlung des Darlehens erst ab dem zweiten Jahr beginnt. Damit soll verhindert werden, dass Startups in der Frühphase der Existenzgründung von Kosten erdrückt werden.

Der Klassiker der geförderten Startup-Finanzierung ist das KfW-Startgeld, da die Zinsen vergleichsweise niedrig sind. Auch hier müssen Sie mit Ihrer Bank sprechen, denn sie bewilligt die Förderung durch die KfW.

Auch die EU bietet für Existenzgründer Fördergelder an. Über das European Recovery Program (ERP) erhalten Startups einen Kredit, ohne Sicherheiten angeben zu müssen. Außerdem erhält der Gründer sieben Jahre Tilgungsfreiheit. Die bewilligten Gelder sind jedoch zweckgebunden. Den ERP-Kredit können Sie bis zu zwei Jahre nach der Firmengründung beantragen.

Überzeugungsarbeit: So klappt das mit der Bank

Die meisten Versuche, um für die Startup-Finanzierung an ein Annuitätendarlehen zu kommen, scheitern an der mangelnder Vorbereitung der Gründer. Um eine Bank von der eigenen Geschäftsidee zu überzeugen und so Ihren Unternehmenskredit zu bekommen, sollten Sie folgende Punkte beachten:

  • Erstellen Sie einen ausführlichen Businessplan.
  • Führen Sie parallel Gespräche mit mehreren Banken, um deren Konditionen zu vergleichen.
  • Achten Sie bei den Konditionen auf Nebenkosten und Gebühren.
  • Hohe Sondertilgungsmöglichkeiten geben Ihnen die Chance, die Laufzeit zu verkürzen.
  • Achten Sie auf die Höhe der Vorfälligkeitsentschädigung, falls sie das Darlehen schon während der Kreditlaufzeit komplett tilgen können.
  • Vermeiden Sie persönliche Verpflichtungen, indem Sie als Kreditnehmer das Unternehmen angeben oder Sicherungsmittel nur auf Unternehmensaktive stellen.

Vor allem aber: Planen Sie genügend Zeit für Verhandlungen mit Banken ein. Derartige Gespräche können sich teils über Jahre hinziehen. Mit der richtigen Planung sollte es aber deutlich schneller gehen. Und dann steht dem Annuitätendarlehen für die Startup-Finanzierung nichts mehr im Weg.

Weiterführende Links:

  • Weitere Informationen über das KfW-Startgeld für ein Annuitätendarlehen gibt es auf der Webseite der KfW.
  • Näheres zum Schließen von Finanzlücken mit Mezzanine-Kapital lesen Sie im mDM-Ratgeber.
  • Das Bundeswirtschaftsministerium hält detaillierte Informationen – auch für die Startup-Finanzierung – in der Förderdatenbank der Bundesländer bereit.