Weniger Selbstständige, mehr Arbeitnehmer

Mehr Akademiker, mehr Arbeitnehmer, weniger Selbstständige. Der Abwärtstrend der Selbstständigen zieht sich dabei durch alle Branchen und nahezu alle Altersgruppen. Galten Existenzgründungen vor wenigen Jahren noch als maßgebend für die künftigen Arbeitsmarktentwicklungen, stehen nun Zeiten des Umbruchs bevor, wie DIW-Arbeitsmarktexperte Karl Brenke anhand verschiedener Datenauswertungen beobachtet hat:

„Der Trend hin zur Selbstständigkeit, der als wichtiges Element eines Strukturwandels auf dem Arbeitsmarkt angesehen wurde, scheint gebrochen zu sein.“

Insbesondere im Grundstücks- und Wohnungswesen, im Handel und verarbeitenden Gewerbe sowie im Transportgewerbe sind die Zahlen der Selbstständigen rückläufig. Nur im Baugewerbe wurde ein kräftiger Anstieg der Existenzgründer verzeichnet. Die Gründe liegen auf der Hand: Die Baukonjunktur verläuft positiv.

Mindestlohn macht Selbstständigkeit unattraktiver

Warum aber wollen immer weniger Menschen Ihr eigenes Unternehmen gründen? Die Einführung des Mindestlohns ist wohl der gewichtigste Grund. Ein Viertel der gesamten Selbstständigen verdient einen Bruttostundenlohn, der unter dem gesetzlichen Mindestlohn für Arbeitnehmer von 8,50 Euro liegt. Die Selbstständigkeit zahlt sich damit für viele schlichtweg nicht aus.

Zwar ist die Zahl der Solo-Selbstständigen, die mehr als 25 Euro pro Stunde verdienen, gestiegen. Brenke meint jedoch, dass diese Entwicklung nicht überwertet werden sollte:

„Man sollte das aber nicht überbewerten und darin eine Anpassung des Einkommensniveaus der Selbstständigen an frühere Zeiten sehen. Tatsächlich liegen die realen Bruttoeinkommen der Selbstständigen noch unter dem Niveau der Zeit vor der Finanzkrise – und weit unter dem von Mitte der Neunziger Jahre.“

Weiterführende Links:

  • Zum Nachlesen: Die DIW-Studie im Detail.
  • Bei diesen namhaften Start-ups ist die Selbstständigkeit geglückt. Lesen Sie hier mehr über die Erfolgsstory von Airbnb und Co.