Amazon Fresh könnte traditionelle Lebensmittelhandelsketten bedrohen

Noch nie war Einkaufen so einfach: Mit nur einem Klick landen frische Lebensmittel im Warenkorb und bald darauf beim Kunden zu Hause – dafür will Amazon mit seinem Dienst Amazon Fresh nun auch in Deutschland sorgen. Was sich nach einer sehr bequemen Lösung für Verbraucher anhört, könnte die Existenzen vieler traditioneller Lebensmittelhandelsketten und ihrer Lieferanten bedrohen.

Christoph Niering, Vorsitzender des Berufsverbands der Insolvenzverwalter in Deutschland (VID) bringt es gegenüber der "WirtschaftsWoche" auf den Punkt:

"Angebote wie Amazon Fresh werden das milliardenschwere Lebensmittel-Geschäft über kurz oder lang umpflügen und für zahlreiche Insolvenzen sorgen."

Weiterhin erklärt Niering, dass bereits jetzt die Margen im Lebensmittelbereich sehr niedrig seien. Komme Amazon Fresh nach Deutschland, werde ein zusätzlicher Preisdruck aufgebaut, der die Situation weiter verschärfen werde. Tausende Arbeitsplätze könnten in der Folge verloren gehen.

Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt eine Studie der Unternehmensberatung Oliver Wyman. Demnach werde der zunehmende Onlinehandel mit Lebensmitteln dafür sorgen, dass rund 15 Prozent der Supermärkte Verluste einstreichen und 40.000 Jobs gefährdet seien.

E-Commerce-Anteil im Lebensmittelmarkt wird langfristig steigen

Derzeit beträgt der E-Commerce-Anteil im deutschen Lebensmittelhandel gerade einmal ein Prozent. Branchenexperten gehen davon aus, dass der Anteil in den kommenden fünf Jahren auf bis zu zehn Prozent steigen könnte. Amazon Fresh wird dabei sicher eine große Rolle spielen. Medienberichten zufolge soll der Dienst, der offenbar mit DHL als Lieferant kooperieren wird, Ende April so weit sein – zunächst in Berlin, langfristig flächendeckend in Deutschland.