Niedrigzinsen: Hohe Rückstellungen erforderlich

Die Finanzspritzen der EZB fluten die Eurozone mit billigem Geld und sollen als Allheilmittel die Wirtschaft ankurbeln. Doch wie jede Medizin verursachen auch die Niedrigzinsen beträchtliche Nebenwirkungen: Mittelständische Unternehmen haben immer größere Probleme, ihren Mitarbeitern die Betriebsrenten auszuzahlen.

Aufgrund der Niedrigzinsen der vergangenen Jahre haben sich die betrieblichen Pensionstöpfe bedeutend langsamer gefüllt, als erwartet. Damit pensionierten Mitarbeitern heute die Summen ausgezahlt werden können, die ihnen gestern in den Versorgungszusagen versprochen worden sind, müssen KMU nun Daraus eigener Tasche draufzahlen.

Aber nicht nur die Kosten für anfallende Betriebsrenten steigen aufgrund der Niedrigzinsen – auch die Rückstellungen für die Betriebsrenten der Zukunft kommen KMU teuer zu stehen. Die Mehrbelastung ist so hoch, dass sie sich für manche Mittelständler "existenzbedrohlich" auswirken könnte, so Mario Ohoven, Präsident des Bundesverbandes Mittelständische Wirtschaft, gegenüber dem Handelsblatt.

Betriebsrenten: Finanzieller Spielraum eingeengt

Die erhöhten Rückstellungen führen zudem zu einem schlechteren Ranking von KMUs bei der Bank. Denn Rückstellungen für Betriebsrenten werden nicht zum Eigen-, sondern zum Fremdkapital gerechnet, wie Ohoven erklärt. Die Eigenkapitalquote im Mittelstand, die momentan mit 22 Prozent auf Rekordniveau liegt, engt den finanziellen Spielraum der Unternehmen beträchtlich ein und könnte in Zukunft zu verteuerten Krediten führen.

Auch die großen Konzerne ächzen unter der wachsenden Last der Betriebsrenten: Bei Siemens beliefen sich die Pensionsrückstellungen 2014 auf 11,1 Milliarden Euro – gut 700 Millionen Euro mehr als im Jahr zuvor. Das kann unmittelbar auf Niedrigzinsen der EZB zurückgeführt werden.

Mittelständische Unternehmen: Entlastung gefordert

Da ein Kurswechsel der EZB-Geldpolitik noch nicht absehbar ist, braucht der Mittelstand bessere steuerpolitische Rahmenbedingungen. "Am wirkungsvollsten wäre eine Steuerfreistellung aller im Betrieb verbleibenden Gewinne", schlug Ohoven vor. Das sichere Liquidität, bringe Investitionen und schaffe Arbeitsplätze.

Ohoven regte zudem die Abschaffung der Erbschaftsteuer und die Einführung einer steuerlichen Forschungsförderung an.

"Was die Mittelständler mit Sicherheit nicht brauchen, sind weitere Kostentreiber wie Rentenpaket und Mindestlohn."

Weiterführende Links:

Mehr zu den Auswirkungen der Niedrigzinsen auf die Betriebsrenten lesen Sie im Versicherungsmagazin.