Mindestens 30 Segler, Daysailor und Kleinkreuzer laufen jedes Jahr vom Stapel der Werft SAILART. Sie ist eine der größten unter Deutschlands kleinen Werften. Sie steht für Premium-Boote. In den Hallen riecht es nach Leder, Holz und Bootslack. Elegante 5- bis 8-Meter-Yachten mit schneeweißem Rumpf ruhen auf Trailern, bestimmt zur Auslieferung. 18 Bootsbauer arbeiten in der Segler-Manufaktur. Frank Störck legt seine Hand auf das Deck der kleinen schmucken „Sérénité“ (dt.: Ausgeglichenheit, Heiterkeit). Seine gegerbte, knarzige Stimme passt zum rötlichen Bart, den Sommersprossen, Lachfältchen und dem Teint von Meerlicht.

mittelstand DIE MACHER sprach mit dem mittelständischen Unternehmer, was für ihn Stärke und Unternehmertum ausmacht. Mit einem Uni-Abschluss in Betriebswirtschaftslehre in der Tasche entschied der frisch gebackene Diplomkaufmann im Januar 1993: „Konzern-Karriere? Nix für mich!“ Und machte sich mit einem Partner selbständig.

Wie wird man als Diplom-Kaufmann plötzlich Bootsbauer?

Frank Störck: „Solange ich denken kann, habe ich selber gebastelt, gebaut oder umgebaut. Habe während des Studiums VW-Busse zu Wohnmobilen umgerüstet und verkauft. Segeln war damals mein Hobby. Nach dem Wirtschaftsstudium wollte ich eigentlich noch Schiffsbau draufsatteln. Habe aber kurz vor dem Examen dann angefangen, Boote aus Polen zu importieren und sie günstig in Deutschland zu verkaufen: eine Marktlücke. So fing alles an.“

Ihr erstes eigenes Boot?

„Sofort zur Firmengründung entwarfen wir ein eigenes Boot. Seine Form hatten wir genau im Kopf. Wir malten es einfach auf einen Bogen Papier, engagierten einen Konstrukteur, der den Entwurf in Baupläne übertrug. Wir suchten uns die richtigen Zulieferer in Polen, gaben Formteile in Auftrag und fertigten die kleine Yacht dann in unserer Werft, konfektionierten es nach unseren Qualitätsansprüchen und schickten es zu einer WM nach Österreich, wo es direkt in seiner Klasse gewann. Das Boot schlug ein im Markt. Das war ein Start von 0 auf 100.“

Und da wussten Sie schon, dass Sie es geschafft hatten?

„Nein, für diesen Moment haben wir fünfzehn Jahre gearbeitet. Ich wusste von Beginn an, wie gut meine Boote waren. Wir machen Handarbeit, Maßarbeit. Aber im Markt, bei der Fachpresse, hat es solange gedauert, bis wir voll anerkannt waren, unser Ruf sich in der Fachwelt durchgesetzt hatte und unsere Marke im Markt etabliert war.“

Zugleich Ihr glücklichster Moment als Unternehmer?

„Nein, das war der Augenblick, als unsere Sailor 22 als „Europa-Yacht des Jahres“ nominiert wurde. Für ihr junges, puristisches Design und ihr Set an Innovationen wie den absenkbaren E-Motor oder die fernbedienbare Mastlegevorrichtung. Das war wirklich der öffentliche Ritterschlag.“

 Ging es immer nur bergauf oder auch mal bergab?

„Die Abhängigkeit von äußeren Umständen ist extrem hoch. Wir hatten von Anfang an viele Aufträge und Folgeaufträge, mussten deswegen viel investieren. Die ersten fünf Jahre haben wir uns selber kein Gehalt ausbezahlt! Alles blieb in der Firma. Wir wuchsen und wuchsen. Aber völlig immun gegen Krisen ist niemand: Die Währungsturbulenzen 2008 und Krise 2008/9 schlugen sofort auf unser Geschäft durch. Da muss man wie in schwerem Wetter weiter segeln und Kurs halten.“

Schlaflose Nächte?

„Ja, die gab es! 2007 – da hatten wir uns in der Branche schon einen guten Ruf erarbeitet – glaubten wir, dass der EU Beitritt Polens nur Vorteile für uns bringt, doch da wurden uns plötzlich die Bootsbauer abgeworben. Die Auftragsbücher waren proppenvoll, aber die Mannschaft z.T. nicht mehr an Bord. Kannst du bestellte Boote ausliefern? Wenn nicht: Kommt dann die ganze Firma ins Schlingern? Kannst du alle Mitarbeiter bezahlen. Oder wenn ein wichtige Zulieferer plötzlich insolvent ist, aufgibt: Das geht an die Substanz, diese Sorgen nimmst du dann abends mit ins Bett. Das sind sehr einsame Momente, die man ziemlich alleine durchstehen muss.“

Werftbesitzer F. Störck: Viele wichtige Verträge schließt er per Handschlag. Werftbesitzer F. Störck: Viele wichtige Verträge schließt er per Handschlag. (© 2015 F. Störck)

 Ihr Unternehmer-Credo: Was macht Mittelständler stark?

„Aus meiner Sicht drei Dinge: Qualität, Zuverlässigkeit und Vertrauen! Qualität heißt für mich, der Kunde bekommt bei mir, was er woanders so nicht bekommt. Zuverlässigkeit: Dass der Kunde genau das bekommt, was vereinbart ist. Wenn es tatsächlich mal irgendwo hakt, muss es der Kunde sofort wissen. Damit kann er umgehen, vor allem, wenn ich sofort eine Lösung vorschlage. Vertrauen ist das wichtigste: Meine wichtigen Geschäftsbeziehungen zu all meinen Lieferanten und Zulieferern schließe ich per Handschlag. Man sieht sich in die Augen, gibt sich die Hand – und jeder hält Wort. Und meine Kunden wissen, dass ich – ganz bewusst – persönlich hafte. Das schafft unglaubliches Vertrauen.“

Mittelständler Frank Störck erfüllt mit seinen Yachten nicht nur Anderen Träume: Auch seinen Traum hat er verwirklicht. Den Lebenstraum, selbständiger Unternehmer zu sein.

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