Die Idee ist rund und genial einfach: Man bestücke einen kleinen Ball mit ganz vielen Linsen, die gleichmäßig in der Kugel verteilt werden, strecke den Ball in die Höhe, löse aus – und erhalte ein Panoramabild. Ein digitaler Rundumblick, das gab's noch nie. Obwohl die Idee von 360-Grad-Panorama-Aufnahmen so alt ist wie die Fotografie selbst, fehlte es bisher an der geeigneten Technik, mit einem einzigen Klick, ein 360-Grad-Foto zu erzeugen. Panono löst das Problem. Mit seiner Form – und einen raffinierten Trick.

Für den Rundum-Blick, der dem Menschen verwehrt ist, sorgen die 36 Mini-Kameras im Innern des Balls. Wer hat schon hinten Augen? Doch die Kugel kann noch mehr, als gleichzeitig in alle Richtungen zu linsen. Sie weiß, wann sie bewegt wird. „Wir haben in die Ballkamera einen Sensor eingebaut“, erklärt Mitgründer Björn Bollensdorff. „Der erkennt, ob und mit welcher Wucht die Kugel hochgeworfen wird. Am höchsten Punkt löst Panono selbstständig aus“, sagt er. Heißt: Der Fotograf wirft hoch, Panono knipst, der Fotograf fängt auf – und erhält ein Foto von Himmel und Erde. Und sich selbst. „Dass man selbst auch auf der Aufnahme ist, lässt sich nicht vermeiden“, weiß Bollensdorff.
Klar, denn die Kamera knipst ja auch nach unten.

Erfunden hatte die  "Ich-seh-alles-Kamera" der Informatikstudent Jonas Pfeil. Dem Tüftler war es schlicht zu viel, sich stets um sich selbst kreisen zu müssen, als er vor ein paar Jahren im Urlaub auf Tonga eine Panorama-Aufnahme schießen wollte.

Der große Wurf Der große Wurf (© 2015 Christian Wyrwa)

 

Das Geld für Panono holten wir aus dem Internet.

Björn Bollensdorff

Wie mühsam. Und dann auch noch die umständliche elektronische Aneinanderreihung der Einzelbilder zu einer flächendeckenden Rundum-Sicht.

"Jonas wollte es einfacher haben", schildert Bollensdorff die Geburtsstunde der Ballkamera. Der Auslösepunkt muss optimalerweise an einem erhöhten Punkt sein, das war schnell klar. Den Rest erarbeitete sich der Student in seiner Abschlussarbeit im Fachgebiet Computer Graphics der Technischen Universität Berlin. Der sperrige Titel: »Throwable Camera Array for Capturing Spherical Panoramas«.

Nie wurde über Indiegogo in Deutschland mehr Geld gesammelt

Fehlte nur noch eines, um aus der Idee eine runde Sache zu machen: Geld. "Das holen wir uns aus dem Internet", schlägt Bollensdorff vor. Erfinder Jonas Pfeil und die beiden Panono-Mitgründer Björn Bollensdorff und Qian Qin wenden sich 2012 an die größte Gemeinschaft der Erde, um sich finanzieren zu lassen: die Netzgemeinde.

Der große Wurf Panono hat seine Augen überall. Die Ballkamera sieht nach unten, oben, nach rechts und links. Das abgebildete Foto zeigt nicht, wie realistisch der Rundumblick in der zugehörigen Panono-App wirkt: Dort steht der Betracher in der Mitte eines Fotos und hat sowohl horizontal wie auch vertikal eine 360-Sicht. (© 2015 Panono)

 

Gigantische 900.000 US-Dollar müssen die Panono-Macher zusammenbekommen, um den Prototypen bauen zu lassen. "Das war das Minimum, sonst hätte sich die Kamera nicht rentiert", sagt Bollensdorff.

Wie viel dann letztlich über die Crowdfundingplattform Indiegogo tatsächlich in die Kasse gespült wurde, hat jedoch selbst die Gründer überrascht: 1.250.028 US-Dollar haben Internetnutzer spendiert, um Panono wirklich fliegen zu sehen. Zwei Monate hatten die User Zeit, das Geld zu überweisen, dann war Schluss, denn wie jede Crowdfunding-Sammelaktion war auch Panono zeitlich begrenzt. Ein echter Rekord. "Das hat bisher keine deutsche Kampagne auf Indiegogo geschafft", sagt Bollensdorff. Dabei zählt das Crowdfunding-Portal nicht zu den Kleinen der Branche: Immerhin mehr als 200.000 Kampagnen hat die Fördermaschine schon auf den Weg gebracht. Rund 7.000 Projekte buhlen derzeit um das Geld der Webgemeinde.

 


Ein Blick hinter die Kamera:

Der große Wurf Der große Wurf (© 2015 )

Panono besteht aus einem schlagfesten Kunststoffgehäuse, das mit einem 3D-Drucker gebaut wurde. Ein grüner Schaumstoffüberzug soll die Technik im Innern schützen. Eingebaut sind 36 Fix-Point-Kameras mit je drei Megapixeln, die gleichzeitig in alle Richtungen auslösen. Die 36 Einzelbilder werden automatisch in der Cloud zusammengesetzt, das fertige Foto kommt auf eine Größe von 108 Megapixel. Eine Vorschau des Panoramafotos ist sofort auf der Panono-eigenen App für Android oder iOs zu sehen. Zudem enthält die Kugel einen Flash-Speicher für etwa 400 Panoramafotos sowie einen Akku, der sich über USB laden lässt.

Panono ist ein Über-Flieger

Seit ihrem ersten Web-Auftritt ist die Kugel mit dem Rundumblick ein wahrer Über-Flieger. Mehr als drei Millionen Zuschauer klickten sich in das erste Youtube-Video ein, die kleine Kamerakugel begeisterte die Menschen. Fast ein Jahr lang beantwortete Pfeil Fragen wie, „Wie viel kosten 20 Kameras, wenn sie ins Ausland versendet wird? Wo kann ich die Wurf-Kamera kaufen?", bis der Student entschied: Der Ball wird gebaut.

Im September sollen die ersten Kameras erscheinen, so ist der Plan. Für knapp 550 Euro ist die Kugel mit den 36 Augen zu haben. Noch gilt der Vorzugspreis, der spätere Marktpreis liegt bei 600 Euro. Wer also alles um sich herum im Blick haben will, sollte am Ball bleiben.

 

Panono im Detail:

(© 2015 Deutsche Messe AG)

 

  • Plastikball mit 11 cm Durchmesser
  • Gewicht: 300 Gramm,
  • 36 Fixkameras mit je 3 Megapixel,
  • WLAN zur Übertragung auf App
  • Auslöser per App oder Werfen
  • Einführungspreis: 549 Euro.

Weitere Informationen finden Sie unter: panono.com