Deutscher Mittelstand weckt branchenübergreifend Begehrlichkeiten

Nicht nur deutsche KMU aus einem bestimmten Geschäftsbereich werden aufs Korn genommen: Branchenübergreifend wittern ausländische Anleger fette Beute und kaufen kleinere und mittlere deutsche Firmen auf. Diese hohe Attraktivität deutscher KMU sieht Wirtschaftsprofessor Hermann Simon im Gespräch mit der "Welt"  darin begründet, dass deutscher Mittelstand ...

  • in seiner Struktur gefestigt,
  • innovativ und
  • stark globalisiert ist.

Dabei könnte seiner Meinung nach der derzeit geschwächte Euro ausländische Investoren animieren, im europäischen Bestand zu wildern. Vor allem Unternehmen aus den USA und aus der Schweiz, die von der Aufwertung ihrer jeweiligen Währung profitieren, sieht er als potenzielle Großwildjäger auf dem europäischen Markt.

Internationale Investoren drängen auf den europäischen Markt

Daneben strecken auch Unternehmen aus Kanada, Japan und vor allem China ihre Fühler nach deutschen KMU aus. Dabei ist die Zahl der Firmenkäufe, der Mergers & Acquisitions (M&A), weltweit gestiegen: Nachdem 2013 vor allem der US-amerikanische Markt betroffen war, ist seit 2014 auch in Europa ein Anstieg der M&A zu beobachten.

Laut einer Studie der Investmentbank Lazard & Co hat die Anzahl der Firmenkäufe 2014 in Europa gegenüber dem Vorjahr um 14 Prozent zugenommen. So haben allein chinesische Investoren 2014 insgesamt 36 deutsche Unternehmen aufgekauft, während diese Zahl 2013 noch bei 28 lag. Dabei standen nach einer Studie des Beratungsunternehmens EY vor allem Unternehmen aus der Industrie- und Autobranche sowie Technologiefirmen auf der chinesischen Einkaufsliste.

Gründe für die zunehmende internationale Investitionsfreude benennt M&A-Berater Stefan Götzen im Gespräch mit der "Welt". Demnach wollen internationale Unternehmen ihre Geldreserven weltweit investieren und zwar ...

  • in die Eroberung neuer Märkte und
  • in zukunftsorientierte Technologie.

Ein Anforderungsprofil, das vor allem auch deutsche KMU erfüllen.

Die schwache Position des Euros spielt nach Götzens Meinung dagegen eher die zweite Geige. Kommt es allerdings zu einem Bieter-Wettkampf, könnten Währungseffekte zugunsten eines der Bieter das Zünglein an der Waage sein.

Deutscher Mittelstand muss sich nicht sorgen

Grund zur Sorge besteht nach Hermann Simons Ansicht allerdings nicht. Denn der schwache Euro hat auch einen gegenteiligen Effekt, der ...

  • deutsche Exporte weiter in Schwung bringt,
  • dadurch für höhere Gewinne sorgt und
  • zur Erhöhung des Wertes deutscher KMU beiträgt.

Dadurch müssten ausländische Investoren für den Aufkauf deutscher KMU deutlich tiefer in die Tasche greifen, was eine „feindliche Übernahme“ für sie schwieriger macht. Darüber hinaus geht ohne Einwilligung der Geschäftsführer im deutschen Mittelstand sowieso nicht viel.

Und diese nehmen bei entsprechendem finanziellen Bedarf ihr Schicksal meist selbst in die Hand und bemühen sich um ausländische Investoren, um beispielsweise im internationalen Wettbewerb angreifen zu können.

Weiterführende Links:

  • Wie ein Kampf um die Übernahme eines deutschen mittelständischen Unternehmens aussehen kann, lesen Sie in der "Süddeutschen Zeitung".