Digitale Wunschzettel: Trend macht das Verschenken einfach – und langweilig?

Der digitale Wunschzettel soll Enttäuschungen unterm Weihnachtsbaum verhindern. Die Beschenkten bekommen, was sie sich wünschen und den Schenkern bleibt das Suchen nach dem passenden Präsent erspart – eine simple Formel, die aber nicht für jedermann aufgeht. Denn Vorfreude und Überraschung bleiben bei dem Konzept auf der Strecke. Sogar das Verpacken übernimmt der Versandhändler– inklusive der Weihnachtskarte, die im Auftrag des Kunden geschrieben wird.

Die Vorhersehbarkeit als Nachteil des Konzepts war auch dem Onlinehandel bewusst. Platzhirsch Amazon hat sich deshalb etwas Besonderes einfallen lassen. Wer beim Versandhandelsriesen einen digitalen Wunschzettel anlegt, kann auch gleich die Option "Verderben Sie nicht meine Überraschung" einstellen: Wenn der Schenker ein Produkt des Wunschzettels bestellt, wird der Beschenkte nicht darüber informiert. Einzige Ausnahme: Er ordert den Artikel selbst. Dann bekommt er einen Hinweis. Wie ein Amazon-Sprecher verrät, laufen digitale Wunschzettel, die man mit Familie und Freunden teilen kann, insbesondere zu Weihnachten gut, heißt es auf "Futurezone.at".

Ein weiterer Onlinehändler der digitale Wunschzettel nutzt, ist Otto. Wie ein Sprecher des Unternehmens sagte, gewann Otto allein in diesem Jahr rund eine Million User für seine Bestell-App hinzu. Beim Anlegen des Wunschzettels wird ein Link generiert, den Interessierte in sozialen Netzwerken teilen oder per Mail verschicken können.

Wunschzettel erreichen Post auch weiterhin schriftlich

Wolfgang Adlwarth von der Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung sieht den Trend als logische Konsequenz des Online-Booms. Verbraucher machen es sich heute gerne einfach. Dem nahe kommt das bereits seit Jahren beliebte Verschenken von Gutscheinen. Auch hierbei geht es darum, den weihnachtlichen Trubel der Städte zu meiden.

Dem traditionellen Wunschzettel aus Papier tut der digitale Trend allerdings keinen Abbruch: In den bundesweit sieben Weihnachtspostfilialen der Deutschen Post gingen 2015 rund 605.000 Briefe mit Wunschzetteln ein – viele davon handschriftlich verfasst und mit liebevollen Basteleien und Zeichnungen versehen.

Weiterführende Links:

  • Wünsche zur Weihnachtszeit: Mitarbeiter wollen für Ihre Arbeit im vergangenen Jahr belohnt werden. Doch die Angestellten haben andere Dinge auf dem Wunschzettel als ihre Chefs.
  • Sie sind der digitale Albtraum des Online-Handels: Kaufabbrecher! Warum sie den Shop verlassen, und wie clevere Mittelständler sie doch noch vom Kaufabschluss überzeugen.