Der Geschäftsbereich Telekom Security wird offiziell am 1. Januar 2017 gestartet, aber schon jetzt haben Sie in Frankfurt a.M. einen Cybersecurity-Kongress veranstaltet. Warum die Eile?

Dirk Backofen: Das klingt ja fast so, als würde die Telekom beim Thema Security bei „Null“ starten. Das möchte ich erst klarstellen, bevor ich Ihre Frage beantworte. Das ist natürlich nicht so. Mit Telekom Security bündeln wir unser großes Know-How, um unsere Schlagkraft noch zu erhöhen. Und das haben wir auch auf dem Fachkongress für Cybersecurity demonstriert. Warum also die Eile? Abwarten und Tee trinken ist die absolut falsche Herangehensweise, für die Opfer, aber auch für die Anbieter von Sicherheitslösungen. Jeder Tag zählt. Türen und Fenster baut man ja auch schon ein bevor man das Haus bezieht, dekoriert wird erst danach.

Was macht Cybercrime so gefährlich?

Dirk Backofen: Cybercrime wird von vielen immer noch unterschätzt. Es steckt eine regelrechte Industrie dahinter, die nicht nur sehr schnell wächst, sondern auch immer professioneller wird. Der Aufwand und die Risiken sind für Cyber-Kriminelle sehr gering, dafür aber der Erfolg sehr groß. Das heißt gleichzeitig, dass der Markt der Sicherheitsanbieter wächst. Wir wollen und können einen wesentlichen Beitrag zu Cybersecurity leisten und natürlich auch am Wachstum teilhaben

Laut CSIS rangiert Cybercrime mit einer Schadenssumme von 0,8 Prozent im Verhältnis zum Welt-Bruttoinlandsprodukt bereits auf Platz fünf der „teuersten“ Verbrechensarten nach Raub (1,5 Prozent des Welt-Bruttoinlandprodukts), internationalen  Verbrechen (1,2 Prozent), Drogenhandel (0,9 Prozent) und Fälschung/Piraterie (0,89 Prozent). In Deutschland macht der Schaden sogar schon 1,6 Prozent Bruttoinlandsproduktes aus. Warum tun sich dennoch  viele Unternehmen schwer, sich effektiv gegen Cybercrime zu schützen?

Dirk Backofen: Der entscheidende Faktor ist, dass sich Cybercrime für die meisten Unternehmen im nicht sichtbaren oder nicht erkennbaren Umfeld abspielt. Gegen konventionelle Gefahren haben sie in den vergangenen Jahrzehnten probate Abwehrmechanismen entwickelt. Cybercrime ist im Vergleich neu, es gibt nicht genug Expertise, und Cybercrime entwickelt sich rasant und sehr professionell. Damit sind Unternehmen, gerade auch der Mittelstand, in Deutschland im Einzelnen unterlegen.

Ist Cybercrime also der Preis des Fortschritts oder der fortschreitenden Digitalisierung?

Dirk Backofen: Kriminalität gibt es immer dort, wo es lukrativ ist. Das ist ja kein Phänomen der Digitalisierung. Aber Cybercrime verzögert das Tempo der globalen Innovationen, denn es verursacht enorme finanzielle und wirtschaftliche Schäden. Es gibt eine Vielzahl von Untersuchungen, die einen weltweiten Schaden von 200 bis 400 Mrd. US-Dollar nennen und sagen, dass dadurch geschätzt 150.000 Jobs vernichtet werden. Das sind Gelder, die für die Investition in Innovationen fehlen. Sich vor Cybercrime zu schützen kostet im Vergleich dazu nur einen Bruchteil.

Was sind denn die typischen Angriffs-Szenarien?

Dirk Backofen: Neben Diebstahl von Geschäftsgeheimnissen sind Finanzverbrechen der zweithäufigste Grund für finanzielle Verluste durch Cybercrime. Aber auch „social engineering“ – also die Ausforschung des Opferumfeldes und das Ausnutzen von Programmier- und Implementationsfehlern bei IT-Systemen bieten Angreifern leichte Angriffsfläche, weil beides geringen materiellen und technischen Aufwand bedarf.

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