Wirtschaftswachstum in China: Die fetten Jahre sind vorbei

Chinas Wirtschaft ist im Wandel: Angesichts steigender Schulden und beispielloser Überproduktion fährt der Staat seine Investitionen zurück. Das hat Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum: Im ersten Quartal 2015 ist das Bruttoinlandsprodukt gegenüber dem Vorjahr lediglich um 7,0 Prozent gestiegen. Zum Vergleich: 2010 waren es noch 10,5 Prozent.

Europäische Unternehmen in China: Wachstum im Minus

Die schlechte Konjunktur macht auch europäischen Unternehmern zu schaffen. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnen sie ein Wachstumsminus von zehn Prozentpunkten, so das Ergebnis der Umfrage der EU-Handelskammer über das Geschäftsklima in China. Bei der Frage, was die Zukunft bringt, zeigen sich die Europäer gespalten: Mehr als die Hälfte schätzen die  Wachstumsaussichten optimistisch ein. Ein Viertel der Befragten befürchtet hingegen Einbußen bei der Profitabilität. Zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt eine Studie von Bain and Company. Zu den Aussichten für EU-Unternehmen heißt es darin:

"Optimismus über Wachstum und Profitabilität sind auf den bisher tiefsten Stand gefallen. Während sie gewöhnlich ein halb volles Glas sahen, sehen sie es jetzt halb leer."

Was den Unternehmen Sorgen macht

Der Pessimismus der EU-Unternehmer ist nicht unbegründet. Was macht den Investoren am meisten Sorgen?

  • 44 Prozent beklagen das langsame Wirtschaftswachstum.
  • 24 Prozent sorgen sich um die wachsenden Personalkosten, 
  • 23 Prozent sind mit den Marktbarrieren und Investitionsbeschränkungen für ausländische Unternehmen unzufrieden.

Statt Investieren ist Sparen angesagt: 39 Prozent wollen die Kosten senken, überwiegend durch Personalabbau.

Einer der Hintergründe: China will in der Wertschöpfungskette aufsteigen – weg von der Billigproduktion fürs Ausland, hin zu Innovation und Forschung.

Doch nicht alle EU-Unternehmen wollen diesen Weg mitgehen: Zwei Drittel der Europäer, die in Forschung und Entwicklung aktiv sind, tun dies nicht in China. Aus Angst vor Importsubstitution belassen die Europäer ihre innovativen Geschäftsfelder lieber in der Heimat.

Ein weiteres Hemmnis sind die diffusen Eigentumsrechte: Wer in China neue Technologien entwickelt, kann sich gegen Kopisten kaum zur Wehr setzen.

Mehr Rechtssicherheit – mehr Wirtschaftswachstum?

Nach Einschätzung der EU-Handelskammer ist die Verbesserung des Rechtssystems der Schlüssel zu mehr Wirtschaftswachstum. Zwar hatte China Reformen auf diesem Gebiet angekündigt, spürbare Veränderungen lassen jedoch auf sich warten. EU-Unternehmen klagen über ...

  • unberechenbare Rechtssprechung,
  • Schwierigkeiten mit den Behörden und
  • Willkür bei der Durchsetzung von Vorschriften.

China ist im Wandel – wohin dieser führt, ist noch offen:

„Viele Unternehmen warten zurzeit ab, was der Umbau der chinesischen Wirtschaft in der Praxis bedeutet“,

so Armin Schmiedeberg von Bain and Company gegenüber dem "Handelsblatt".

Weiterführende Links:

  • Mit dem zunehmenden Wohlstand in China verlieren ausländische Investoren zwar billige Arbeitskräfte, dafür erschließt sich mit dem neuen Mittelstand auch ein völlig neuer Absatzmarkt. Wie deutsche Unternehmer davon profitieren, lesen Sie im Artikel "Studie: Chinas Provinzen locken den Mittelstand".
  • Die Urbanisierung stellt China vor neue Herausforderungen: In den Großstädten mangelt es an allem: sauberer Luft, Wasser und Wohnraum. Um diese Probleme zu lösen, sind nachhaltige Technologien gefragt. Daraus erwachsen Chancen für deutsche Unternehmen.