Die letzte Meile entscheidet

B51, kurz nach halb vier nachmittags, irgendwo zwischen Prüm und Bitburg in der Eifel. Letzter Termin für den Fahrer des Lkw von IDS, eines Transportunternehmens. Seine Fracht: ein Kühlschrank. Sein Ziel: ein Kunde im Örtchen Lünebach. Der weiß, aufgrund einer E-Mail, die er am Abend zuvor auf sein Smartphone bekam: Die Bestellung, die er am Vortag online in Auftrag gegeben hatte, wird gegen 16 Uhr geliefert. Kurz vor vier fährt der Transporter dann auch vor. Der Fahrer scannt den Barcode auf der Sendung, der Kunde quittiert den Empfang der Ware. Als er sich gerade auf den Heimweg machen will, erhält der Fahrer über die App auf seinem Scanner einen neuen Auftrag. Weil der IDS-Disponent dank GPS den aktuellen Standort des Fahrers kennt, soll er wenige Kilometer südlich von Lünebach noch rasch eine letzte Sendung abholen, die am nächsten Tag in Leverkusen sein muss.

„Unsere Privatkunden sind anspruchsvoll“, sagt IDS-Geschäftsführer Michael Bargl, der seit 30 Jahren in der Logistikbranche arbeitet.

IDS-Chef Michael Bargl IDS-Chef Michael Bargl (© 2017 Jörg Ladwig Telekom )
„Wer heute bestellt, erwartet die Lieferung am nächsten Tag. Zudem wollen die Kunden jederzeit wissen, wo sich ihre bestellte Ware befindet und wann genau wir sie zustellen werden.“

Der Kunde will mehr

Schnell, pünktlich, transparent: Die Erwartungshaltung der Onlineshopper ist hoch, das Privatkundengeschäft hält die Logistiker auf Trab. Besonders im Fokus, bei Kunden wie Wettbewerbern: Die Zustellung auf der „letzten Meile“, also auf dem letzten Abschnitt bis zum Empfänger. Wer bestehen will, muss zuverlässig sein und mit besonderen Services punkten. Dafür benötigen Transportunternehmen digitale Helfer, die schnellen Datenaustausch garantieren.

Spediteure mit einer komplett digitalisierten Flotte können Wettbewerbsposition und Profitabilität deutlich verbessern: Weil sie jederzeit wissen, wo sich Fahrzeuge und Waren befinden, reduzieren sie die Zahl ihrer Leerfahrten und können ihre Kunden besser bedienen.

Denn der Onlinehandel boomt, das Sendungsvolumen wird allen Prognosen zufolge weiter zunehmen. Einerseits. Andererseits ist der Markt heiß umkämpft und der Wettbewerb hart. Neben den etablierten Unternehmen drängen neue Anbieter mit disruptiven Geschäftsideen in den Markt, wie etwa Start-ups, die sich auf kundenzentrierte Servicedienstleistungen konzentrieren.

Doch wegen des hohen Preisdrucks bleiben technologische Innovationen oft auf der Strecke. Nicht so bei IDS Logistik, einem Zusammenschluss aus sechs mittelständischen Spediteuren und zwei Logistikkonzernen, die deutschlandweit 44 moderne Speditionsterminals betreiben. Mit knapp 1.500 Trägerfahrzeugen und Lkw sowie über 3.000 Nahverkehrsfahrzeugen liefern die Fahrer von IDS Logistik jährlich mehr als zehn Millionen Sendungen aus.

IDS Logistik betreibt 44 Speditionsterminals in Deutschland. IDS Logistik betreibt 44 Speditionsterminals in Deutschland. (© 2017 Jörg Ladwig Telekom )

Digitale Helfer für schnellen Datenaustausch

Um einen 24-Stunden-Lieferservice zu ermöglichen, müssen Fahrer und Fahrzeuge ständig Daten über eine zentral betriebene Logistik-Software austauschen und digital vernetzt sein. „Nur so können wir unsere Kunden – ob Privat- oder Geschäftskunde – kontinuierlich über Ort und Status der Lieferung auf dem Laufenden halten und die gesamte Transportkette lückenlos digital erfassen“, sagt Bargl.

Was in der Vergangenheit oft nicht so funktionierte, wie der IDS-Chef sich das wünschte: „Die Ausfallrate der Logistikplattform war zu hoch, die Verfügbarkeit der mobilen Scanner und damit die Datenübertragung zu gering.“ So lag die Erreichbarkeit der Fahrer bei nur 75 Prozent. Auch die Information darüber, ob eine Sendung beim Empfänger angekommen war, ließ auf sich warten. Denn die Kunden quittierten den Erhalt auf einem Lieferschein aus Papier, den die Fahrer erst Stunden später am Ende ihrer Touren im Depot abgaben.

Heute sind alle Fahrer von IDS mit mobilen elektronischen Scannern auf Achse. Sie erfassen sämtliche Daten der Ware per Barcode und senden sie über das nahezu flächendeckende deutsche LTE-Netz der Telekom und eine verschlüsselte IP-VPN-Mobilfunkverbindung in die Cloud – direkt an die Logistikplattform von IDS. „Das funktioniert selbst auf dem Land. Wir können den Fahrern auch neue Aufträge jederzeit direkt ins Fahrzeug überspielen“, sagt Bargl. „Kommt ein neuer Auftrag rein, sehen wir dank GPS, welcher Transporter dem Abholungsort am nächsten ist und schicken ihn direkt da hin.“

Logistikplattform in der Cloud

Die Logistikplattform betreibt die Telekom in einem ihrer sicheren und hoch verfügbaren Rechenzentren in Deutschland. Sie ist die Datendrehscheibe für sämtliche Standorte, Disponenten und Fahrer. „Alle Mitglieder eines Liefernetzwerkes sollen auf die gleichen Daten zugreifen können“, erklärt PwC-Experte Prümm und empfiehlt den Einsatz von Cloud-Services: „Damit können Logistikunternehmen geografisch verteilte Partner in ihre IT-Landschaft einbeziehen.“

Die 44 Standorte von IDS in Deutschland sind über ein Weitverkehrsnetz (WAN) der Telekom auf Basis von IntraSelect an das Rechenzentrum angebunden. IntraSelect bietet eine hohe Datensicherheit durch ein privates, vom Internet getrenntes Geschäftskundennetz. Spezifizierte Standards – wie beispielsweise MPLS (Multiprotocol Label Switching) mit Datenpriorisierung in unterschiedlichen Qualitätsklassen – garantieren hohe Verfügbarkeit und Minimierung von Delay und Datenverlust.

„Die fortschreitende Digitalisierung und Echtzeitkommunikation eröffnen ganz neue Möglichkeiten einer schnellen und flexiblen Lieferung und führen zu weitgreifenden Veränderungen in der Lieferkette.“

Dietmar Prümm
Leiter Transport & Logistik PwCt

Den neuen Auftrag hat der Fahrer inzwischen abgeholt. Er bringt die Sendung auf dem Rückweg in eines der Umschlagzentren und übergibt sein Fahrzeug an einen Aushilfsfahrer. Der ist vor allem in High-Season-Zeiten für IDS unterwegs – aber technisch ebenso ausgestattet wie die festangestellten Kollegen. Er ist stets bereit für den nächsten Auftrag, weil er dieselbe App nutzt wie die mobilen Scanner – nur auf seinem eigenen Smartphone.

 

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