Mit stoischer Gelassenheit verrichtet Esben sein Werk in einer kleinen Berliner Gärtnerei. Das Startup hat sich auf die Aufzucht von Pflanzen ganz ohne Düngemittel in einem geschlossenen System spezialisiert. Menschen haben hier keinen Zutritt. Das ist das ideale Biotop für Esben, den Roboter, der dort als ewiger Gärtner rund um die Uhr werkelt.

Esben ist aber nicht nur eine Maschine, sondern auch Mitarbeiter von Robozän, der weltweit ersten Personalvermittlung und Zeitarbeitsfirma für Roboter. Die Idee ist bestechend: Eigentümer oder Besitzer von Robotern können ihre Maschinen, die sie gerade selbst nicht brauchen oder sie als Geldanlage kaufen, anderen Unternehmen temporär oder auf Dauer zur Verfügung stellen.

Robozän-Gründer Matthias Krinke kam letztes Jahr auf die etwas skurril klingende Idee, da sein Berliner Unternehmen pi4_robotics GmbH Roboter herstellt und 2010 mit dem workerbot den weltweit ersten humanoiden Fabrikarbeiter vorstellte. „Die neue Generation der workerbots kann sehr schnell und flexibel für neue Aufgaben angelernt und je nach Einsatzbereich speziell ausgerüstet werden werden“, sagt er.

Matthias Krinke, Geschäftsführer der pi4_robotics GmbH. Matthias Krinke, Geschäftsführer der pi4_robotics GmbH. (© 2016 pi4_robotics GmbH)

Wer also keinen eigenen Roboter für sein Produktion kaufen will, wie die Berliner Gärtnerei, oder vorübergehend Unterstützung braucht, holt sich einen Leihroboter ins Haus. Die normale Verleihdauer beträgt sechs Monate, danach gilt eine Kündigungsfrist von vier Wochen. Wie bei den Menschen werden die Maschinen auch gerne nach Ablauf des Zeitvertrags fest eingestellt – in dem Fall also gekauft. Ein workerbot kostet ab rund 100.000 Euro.

Bekannter als der Gärtnerroboter Esben dürfte Yolandi sein, die freundliche Roboterdame mit rechteckigem Gesicht, Knopfaugen, Lachmund und angenehmer Stimme, die während der ARD-Themenwoche „Zukunft der Arbeit“ für den Rundfunk Berlin-Brandenburg rbb die Nachrichten vortrug. Namen wie Yolandi sollen die Kommunikation mit den Menschen fördern. „Jeder kann seinem workerbot einen Namen geben und den gibt es nur einmal“, erläutert Krinke das Konzept für die Mensch-Maschine-Annäherung.

Zuvor hatte Yolandi übrigens einen anderen Job, sie war beim Berliner Hightechspezialisten für Endoskope Xion im Einsatz. Für die Qualitätssicherung der Produkte acht Stunden am Tag Stecker ein- und ausstecken oder vordefinierte Tastenkombinationen ständig einzugeben, ist eine für Menschen kaum zumutbare Aufgabe. Hier springen Roboterleiharbeiter ein wie auch bei kurzfristigem Bedarf. In den Sommerferien etwa packte Roboter Frank in einem Automobilunternehmen für eine Sonderproduktion rund um die Uhr Blechteile vom Fließband in eine Gitterbox.

Die pi4_robotics GmbH stellte bereits 2010 den weltweit ersten humanoiden Fabrikarbeiter vor, den Workerbot. Die pi4_robotics GmbH stellte bereits 2010 den weltweit ersten humanoiden Fabrikarbeiter vor, den Workerbot. (© 2016 pi4_robotics GmbH )

Und wie sieht es mit der Bezahlung aus? Die Roboter verdienen 8,50 Euro die Stunde, arbeiten oft drei Schichten am Tag, sieben Tage in der Woche. Das ausleihende Unternehmen bezahlt Robozän 16 Euro pro Stunde inklusive Anlieferung und Anlernen für die entsprechenden Aufgaben. „Ich habe bewusst den Mindeststundenlohn gewählt, weil wir nicht in Konkurrenz zu den Menschen treten und auch nicht Maschine gegen Mensch ausspielen wollen“, sagt Krinke.

Der findige Unternehmer zahlt obendrein so etwas wie eine „Arbeitslosenversicherung“ für seine Maschinen: „Wenn ein Roboter einmal nicht eingesetzt werden, erhalten meine Kunden zumindest ein Prozent Rendite“, sagt er. Als zusätzlichen Service schickt Robozän seinen Kunden am Jahresende eine Abrechnung der Roboter für die Steuererklärung. „Aktuell haben wir offene Stellen als Produktionsmitarbeiter in der kunststoffverarbeitenden Industrie“, erklärt Krinke. Die Aufgabe des Leihroboters besteht darin, Teile vom Fließband zu nehmen, optisch zu kontrollieren und zu verpacken.

Leihroboter im Einsatz

Hier übernehmen Roboter:

  • Fertigung: Kleinere Unternehmen mit geringen Stückzahlen können den flexiblen Roboter an den jeweils erforderlichen Arbeitsplatz rollen. Die Multifunktionsgreifer werden je nach Aufgabenbereich mit entsprechenden Funktionen ausgestattet, wie Drücken von Bedientasten, Transportieren von Material oder Farb- und Bilderkennung.
  • Security und Concierge-Service: Eine Personenerkennungssoftware unterstützt den Roboter bei der Fahndung nach Personen. Er kann Sprengstoffe und Radioaktivität erfassen und melden und selbstständig Kontakt mit einer Alarmzentrale aufnehmen, über die er auch ferngesteuert werden kann. In den Versionen Security, Concierge und AAL (Ambient Assisted Living) ist eine Avatar-Funktion integriert.
  • Catering: Der Roboter hat einen Greifer für Flüssigkeitsbehälter und einen Füllstandsensor für Getränke.
  • Pflegebereich: Mit Avatar-Funktion ausgestattete workerbots bringen Menschen etwa die Getränke und Mahlzeiten.

Weiterführende Links zum Thema

Robozän, der weltweit ersten Personalvermittlung und Zeitarbeitsfirma für Roboter

Homepage pi4_robotics GmbH

Deutsche Telekom: Industrie 4.0