Täglich treffe ich mittelständische Unternehmer, bei denen der Geschäftserfolg schon heute mit der Digitalisierung korreliert. Das ist kaum erstaunlich – agiert doch der Mittelstand charakteristischerweise auf Geschäftsfeldern, wo Innovation, Flexibilität und eine unbedingte Ausrichtung an den Bedürfnissen der Kunden elementar sind.

Es freut mich auch persönlich, dass diese Einschätzung nach und nach auch die breitere Öffentlichkeit erreicht. Galten kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) lange als Digitalisierungsverweigerer, wandelt sich das Bild gerade.

"Die KMU geben jetzt Gas, um ihr digitales Potential besser auszuschöpfen. Nicht wenige sind längst zum Treiber der technologischen Revolution geworden."

Und immer stärker basieren Produkte und Dienstleistungen inzwischen auf der Idee, dass Maschinen selbständig miteinander kommunizieren und Daten helfen, Prozesse und Produkte effizienter zu machen. Etwa beim Gemüsehändler Novum: Mit Hilfe der Digitalisierung – konkret: einer M2M-Lösung – konnte Novum seine Lieferrouten optimieren, die Gemüsekisten kommen jetzt noch schneller und frischer zum Kunden. Welcher Wagen gerade wo ist, wird online in der Bischofsheimer Zentrale verfolgt.

Der digitale Optimismus des Mittelstands zeigt sich auch an anderer Stelle: Laut einer Studie der Commerzbank vom vergangenen Jahr rechnen 43 Prozent der befragten Mittelständler mit einem steigenden Personalbestand, bedingt durch die Digitalisierung. Nur acht Prozent erwarten negative Beschäftigungseffekte – 2015 waren es noch 40 Prozent. Das ist nur logisch: Sicher, einfache und standardisierte Tätigkeiten werden künftig zunehmend von vernetzten Maschinen erbracht. Doch der Bedarf an kreativen, innovativen, technisch versierten Fachleuten wird weiter steigen.

Hagen Rickmann auf der Auftaktveranstaltung "Unternehmensführung im digitalen Zeitalter" am 22. November 2016 in Koblenz. Hagen Rickmann auf der Auftaktveranstaltung "Unternehmensführung im digitalen Zeitalter" am 22. November 2016 in Koblenz. (© 2017 Deutsche Telekom)

Die Digitalisierung des Mittelstands gelingt nur gemeinsam

Allerdings trübt ein Wermutstropfen das neue Selbstbewusstsein des Mittelstands. Laut einer jüngst veröffentlichten Studie des Digitalverbands Bitkom versuchen viele – zu viele – Unternehmer, die Digitalisierung allein zu bewältigen. Von den befragten Unternehmen mit 20 bis 499 Mitarbeitern haben nur 18 Prozent Beratungsleistungen zur digitalen Transformation in Anspruch genommen, gerade einmal sechs Prozent planen das für die Zukunft. Für drei Viertel der Mittelständler ist das kein Thema. Was für ein Unterschied zu Unternehmen mit 500 oder mehr Mitarbeitern: 49 Prozent haben externe Berater hinzugezogen, jedes Fünfte Unternehmen hat dazu konkrete Pläne.

Es ist eine Sache, die Bedeutung der digitalen Transformation zu erkennen und den Entschluss zu fassen, das eigene Unternehmen digitaler aufzustellen. Und eine ganz andere, diesen Entschluss in die Tat umzusetzen. Denn disruptive Innovationen werden nur selten in der Branche selbst entwickelt – Unterstützung von außen, der Austausch mit Experten, Startups und Forscher sind hier erfolgskritisch. Die Telekom versteht sich als digitaler Ermöglicher und Coach des Mittelstands – und genau deswegen kooperieren wir eng mit Startups wie mit Konzernen. Gegenseitiger Austausch, Beratung und Unterstützung sind der Schlüssel zum Erfolg.

Übersicht: Aktueller Digitalisierungsindex Mittelstand. Übersicht: Aktueller Digitalisierungsindex Mittelstand. (© 2016 Deutsche Telekom/techconsult)

Im Digitalisierungsindex, mit dem die Telekom den Reifegrad der Digitalisierung mittelständischer Unternehmen abgefragt hat, schneidet eine Branche deutlich unterdurchschnittlich ab: Während die Industrie im Schnitt auf 56 von 100 Punkten kommt, erreicht der Handel nur 48. Vielleicht ist es kein Zufall, dass auch in der aktuelle Bitkom-Studie die Handelsbranche auffällt durch ein besonders geringes Interesse an Beratung: 76 Prozent haben hier keine externe Hilfe in Anspruch genommen.

Weiterführende Links zum Thema

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