Alle großen und klingenden Namen in der Mobilfunkbranche versammeln sich Ende Februar in der spanischen Metropole Barcelona: Samsung und LG aus Korea, Huawei, Lenovo und Oppo aus China, HTC aus Taiwan, Sony aus Japan und sogar der ehemalige Weltmarktführer Nokia aus Finnland. Wobei die Formulierung „alle“ eigentlich nicht stimmt, denn der Zweitplatzierte im internationalen Smartphone-Geschäft, die Firma Apple, fehlt. Der US-Hersteller ist übrigens noch nie als Aussteller aufgetreten, sondern setzt lieber auf eigene Events in Kalifornien, wo sie ohne Ablenkung der Konkurrenz ihre Neuheiten zelebrieren kann.

Durch den Verzicht von Apple fällt dem Hauptkonkurrent Samsung automatisch eine besondere Rolle auf dem Mobile World Congress zu. Die Nummer 1 auf dem Weltmarkt nutzte seine Chance in den letzten Jahren konsequent und präsentierte stets die neuen Topmodelle der Galaxy S-Serie.

Kein Galaxy S8 in Barcelona

In diesem Jahr ist das allerdings etwas anders: Die Koreaner haben ihre Smartphone-Superstars erstmals nicht im Messegepäck dabei; die geplante Vorstellung des Galaxy S8 und Galaxy S8 Plus findet erst Ende März statt. Der Hintergund: Die Koreaner wollen ihre Neuheiten besonders ausgiebig testen, um ein ähnliches Fiasko wie beim Vorjahres-Topmodell der Galaxy-Serie, dem Galaxy Note 7, zu verhindern. Samsung musste 2016 das Note 7 aufgrund akuter Brandgefahr beim Akku unmittelbar nach seinen Verkaufsstart im Herbst zurückrufen und nahm schließlich im Oktober das Tablet sogar ganz vom Markt.

Jetzt will Samsung zumindest zwei andere Business-Tablets vorstellen: das Android-Tablet Galaxy Tab S3 mit 9,6-Zoll-Display und schnellem Achtkern-Prozessor, das mit einem Zubehörpaket aus Stylus, Tastatur und Schutzhülle angeboten werden soll. Sowie das Galaxy TabPro S2, das als Alternative zum Microsoft Surface Pro 4 gehandelt wird. Es besitzt einen Intel Core i5-Prozessor der neusten Generation, 12-Zoll-Display, 128 GB SSD, Windows 10 und ein Tastatur-Cover. So interessant beide Modelle auch sind, ihnen fehlt jedoch die Ausstrahlung und der Glamour eines Samsung Highend-Smartphones mit seinem Edeldesign und den innvoativen Features.

LG und sein Topmodell G6

Zu gerne würde der koreanische Konkurrent LG die Glamourrolle von Samsung übernehmen. Entsprechend fleißig streute das Unternehmen, das weltweit auf Rang sechs bei den Smartphone-Herstellern rangiert, noch vor Messebeginn Details zum Flaggschiff G6. Das Topmodel kommt mit Großdisplay (5,7 Zoll), ungewöhnliches Bildschirmformat (18:9), wasserdichtes Gehäuse und eine Dualkamera auf der Rückseite auf dem Markt. Das klingt vielversprechend, aber reicht das, um bei den anspruchsvollen Käufer zu punkten? Anders als früher, kann man beim G6 nichts mehr austauschen. Nicht mal den Akku sollen die Benutzer wechseln können.

Wie interessant ist das Huawei P10 Plus?

Vielleicht kann die Nummer drei auf dem Weltmarkt die Show stehlen. Huawei bringt gleich zwei Topmodelle, das P10 und das P10 Plus, nach Barcelona. Vor allem das P10 Plus könnte ein echtes Messehighlight werden, sofern die Gerüchte stimmen. Sein scharfes Großdisplay (5,5 Zoll) soll nämlich wie beim Samsung Galaxy S8 und beim kommenden iPhone 8 an den Seiten gebogen sein. Die üblichen Top-Features wie schneller Achtkern-Prozessor, viel Arbeitsspeicher, scharfe Dualkamera (mit Leica-Technik) sind beim P10 Plus des chinesischen Herstellers ohnehin vorhanden, ebenso wie ein hochauflösender Bildschirm.

Ex-Champion Nokia kommt wieder

Auf einen Messeauftritt wartet das Publikum besonders: Die Handy-Kultmarke Nokia kommt erstmals nach vielen Jahren wieder nach Barcelona. Hinter der Marke stehen heute das finnische Unternehmen HMD Global und sein Produktionspartner Foxconn, der für Apple auch die iPhones produziert. Mit seinem Smartphone Nokia 6, erstmals mit Android-System, kehrt Nokia im Januar zurück auf den Markt – vorerst allerdings nur in China. Branchenbeobachter erwarten jetzt eine internationale Version des Mittelklasse-Modells. Die Kultmarke weckt Begehrlichkeiten und die Erwartungen sind groß. Nokias Portfolio verspricht eine wahre Wundertüte zu werden. Es soll zum Beispiel eine abgespeckte Version des Sechsers als Nokia 5 geben sowie ein Nokia 3, das in der Ausstattung eher rudimentär sein soll und den 150-Euro-Marktsegment bedienen wird – also etwa für den billigen Massenmarkt.

Immerhin soll es zwei weitere spektakuläre Neuheiten aus Finnland geben: Ein Topmodell, genannt Nokia 8 vom Typ iPhone-Killer, sowie der Handy-Klassiker Nokia 3310. Das 3110 soll in einer modernen Feature-Phone-Version auferstehen, wobei die Ausstattung vermutlich nicht beeindruckend sein wird. Stattdessen soll es zurück kehren zu den Werten, die viele als wirklich wichtig ansehen: Top-Ausdauer, Top-Zuverlässigkeit und Top-Unkompliziertheit.

Und was gibt es sonst noch?

Der Mobile World Congress bietet mehr als nur eine gigantische Branchen- Ausstellung. Es ist – wie der Name bereits sagt - auch ein Kongress, der viele Themen rund um mobile Technik aufgreift. In diesem Jahr sind es: Mobile Identität, Internet der Dinge und das künftige G5-Mobilfunknetz.

Namhafte Unternehmens-Chefs wollen in ihren Keynotes ihre Sicht der Dinge darlegen. Eric Xu (Deputy Chairman of the Board von Huawei) zum Beispiel thematisiert in seinem Vortrag Contentstrategien und die Bedeutung von mobilen Endgeräten für die Nutzung von Medieninhalten. Bei der Keynote von Reed Hastings, Gründer und CEO von Neflix, geht es ebenfalls um Content. Hastings spricht über die sich verändernde Rolle von Medieninhalten am Beispiel von Netflix.

Die Vierte industrielle Revolution und die damit verbunden nachhaltigen Veränderungen greift Nokia-CEO Rajeev Suri in seinem Vortrag auf. Eugene Kaspersky, CEO von Kaspersky Lab, stellt vernetzte Fahrzeuge und die Herausforderungen des autonomen Fahrens in den Mittelpunkt seiner Ausführungen.

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