80 Tage reichten den beiden Gründern Benedikt Franke und Philip Huffmann, um aus ihrem Business-Modell ein dynamisch wachsendes Unternehmen zu formen und an den Start zu gehen.
Im April 2014 startete der Online-Service Helpling („Mission to clean“) in Deutschland und expandierte schon wenige Monate später nach Österreich, Frankreich, Schweden und in den Niederlanden. Heute ist Helpling u. a. in Australien, Brasilien, Singapur und Dubai , insgesamt in über 200 Städten buchbar. Damit gehört Helpling zu den am verbreitetsten Online-Plattformen zur Vermittlung von geprüften Reinigungskräften.

mittelstand DIE MACHER sprach mit Co-Gründer Benedikt Franke. Der erfahrene Start-up-Gründer war zuvor auch schon COO bei MyCityDeals, HR-CHEF für Rocket Internet und Boston Consulting Group-Berater.

„Helpling“ ist ein famoser Name: sympathisch, erzählerisch, programmatisch. Selbst erfunden? Und wenn ja, wie?

Wir haben nach einem Namen gesucht, der zwar direkten Bezug auf unser Produkt nimmt, aber nicht ausschließlich auf die Tätigkeit Putzen fokussiert ist. Unsere Vision ist es, haushaltsnahe Dienstleistungen online zugänglich zu machen. Nach ausgiebigem Brainstorming sind wir dann auf den Namen Helpling gekommen. Übersetzt ist das natürlich an “Helfen” angelehnt. Und so verstehen wir auch unsere Online-Plattform: Wir stellen eine Technologie zur Verfügung, welche den Reinigungskräften und Kunden dabei “hilft”, zusammenzufinden und ihre (selbstständige) Beziehung zu managen. Wir wollen den Alltag der Menschen ein Stück einfacher machen, indem wir geprüfte Reinigungskräfte mit denjenigen zusammenbringen, die sich Hilfe bei ihrer Hausarbeit wünschen.

Nur 80 Tage haben Sie gebraucht von der Idee bis zum Marktstart: Wie geht solche Geschwindigkeit in Deutschland?

Anfang 2014 haben wir uns das erste Mal mit Rocket Internet zu unserem Geschäftsmodell ausgetauscht. Dass es ein riesiges Potential gibt, war schnell klar und durch die Plattform Rocket Internet stand uns von Beginn an ein erfahrenes Team von Entwicklern zur Seite. Bereits an Tag 1 haben wir damit begonnen, mit 10 Programmierern die Plattform zu entwickeln. Parallel haben wir an dem Aufbau unseres Teams gearbeitet und konnten schnell hervorragende Mitarbeiter gewinnen. Ende März sind wir dann online gegangen und haben in Berlin bereits die erste Reinigung durchgeführt.

Doch die Geschwindigkeit hat bei Tag 81 nicht aufgehört - es ging dann quasi erst richtig los. Wir sind als Unternehmen auch sehr schnell erwachsen und von der Rocket Internet Plattform unabhängig geworden. Ein besonders bedeutender Moment war auf Grund des schnellen Wachstums der Einzug in das eigene Headquarter in Berlin-Mitte. Das brachte unglaublich gute Stimmung und Zusammenhalt, und war somit der Grundstein unserer Kultur. Zudem haben wir bereits in der frühen Phase ein eigenes IT & Produkt Team aufgebaut. Heute besteht die Zusammenarbeit mit Rocket Internet vor allem im Erfahrungsaustausch mit den Experten (z.B. in den Funktionen Finance und Marketing) und anderen Unternehmen aus diesem Umfeld. Wir schätzen diesen Austausch sehr, da wir so einen sehr kompetenten Sparringspartner haben.

Marktlücke: Putzmuffel! Wie ahnt man und wann weiß man, auf das richtige Pferd zu setzen?

Wir, mein Mitgründer Philipp Huffmann und ich, haben uns gefragt, warum man eigentlich keine Haushaltshilfen einfach und unkompliziert online buchen kann. Dann haben wir uns an die Entwicklung bei Zalando erinnert: Vor zehn Jahren hätte sich auch niemand vorstellen können, Schuhe online zu kaufen. An einem ganz ähnlichen Punkt standen die haushaltsnahen Dienstleistungen. Dann kam noch die rasende Verbreitung der Taxi-Apps und von Airbnb hinzu. Wir haben hiervon gelernt, dass die Menschen lokale Dienstleistungen online buchen wollen und auch ein privater Raum, wie die eigene Wohnung, kein Tabu mehr dafür ist. Wir haben uns dann für den Markt der Wohnungsreinigungen entschieden, da wir in diesem Bereich den größten Mehrwert schaffen können. Hier herrscht bei den wichtigsten Themen völlige Intransparenz: z.B. beim Preis, der Sicherheit und der Qualität. Das liegt u.a. auch daran, dass der Reinigungsmarkt in Deutschland weiterhin zu 90% “schwarz” funktioniert - und das stellt für Dienstleister und ihre Kunden erhebliche rechtliche und finanzielle Risiken dar. Helpling professionalisiert und legalisiert diesen kaputten und intransparenten Markt. Wir ermöglichen wir es, eine geprüfte und versicherte Reinigungskraft online in 60 Sekunden zu buchen.

Sie haben top Konzerne wie Henkel und vileda als Kooperationspartner gewonnen. Fliegen einem solche Partner als natürliche Verbündete zu bzw. – wie hart mussten Sie für so eine win-win-Konstellation argumentieren?

Partnerschaften sind Teil unserer Wachstumsstrategie und hier muss der passende Partner mit für ihn passenden Argumenten gewonnen werden. Henkel und Vileda repräsentieren sehr naheliegende Partner. Wir haben u.a. auch schon mit den globalen Marken wie Unilever, Paypal und UBER zusammengearbeitet. Dies macht uns als sehr junges Unternehmen natürlich unglaublich stolz!

Viele der großen Firmen sind tatsächlich auf uns zugekommen. Wir haben einen sehr direkten Zugang zu einer sehr interessanten, internetaffinen Zielgruppe - schließen erhalten wir Zugang zu ihrem persönlichsten Ort, dem Zuhause. Die Win-Win-Situation besteht darin, dass wir als innovatives Internetkonzept ein modernes und junges Image haben, während die großen Marken andere Ressourcen-Möglichkeiten und Reichweiten einbringen können.

Was raten Sie Start-up-Kollegen: Wie macht man sich für mittelständische Unternehmen oder Konzerne besonders attraktiv? Das wichtigste Do, das wichtigste Don´t?

Einige große Marken wollen gerne kooperieren. Damit gemeinsame Aktionen möglichst zügig zustande kommen, ist es wichtig, bereits im ersten Meeting unterschiedlichste, aber sehr konkrete Ideen vorzuschlagen: Von der gemeinsamen Promotion-Aktion bis hin zu einem gemeinsamen PR-Event. Genauso wichtig ist es zu demonstrieren, dass man als Startup gemeinsame Aktionen professionell und zuverlässig exekutieren kann.

Ihre härteste Erfahrung, die Sie in diesem Gründungsprozess haben wegstecken müssen…

Als Gründer macht man gerade in den Anfangsmonaten viele verschiedene Erfahrungen, die nicht immer positiv sind, einen aber extrem in zukünftigen Prozessen weiter bringen und somit auch notwendig sind. Gerade am Anfang haben wir beispielsweise im Marketing sehr viel ausprobiert. So konnten wir für uns sehr gut testen, was funktioniert und was nicht. Das wichtigste Credo: Fehler nur einmal zu machen und aus ihnen lernen.

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