Schon zehn Millionen Deutsche haben ein Produkt gekauft, mit dem sie in den eigenen vier Wänden das Wohnen smarter, intelligenter, machen. Smart Home steht für die Vernetzung der Geräte und Anlagen (Heizung, Energiekreislauf, Rolläden, Schlösser, usw.) zuhause via Internet oder anderer IT-Systematiken (Funklösungen, Stromleitungen). Sie werden durch Sensoren oder computergestützte Automatisierung gesteuert. Die Unternehmensberatung Deloitte versteht unter Smart Home „... die intelligente Vernetzung einzelner Komponenten innerhalb des Hauses (Hardware und Services) und deren zentrale Steuerung und Überwachung über Endgeräte. Der eigentliche Mehrwert von Smart Home liegt dabei im intelligenten Zusammenspiel der Komponenten und nicht in der Ansteuerung der einzelnen Hardware.“

Wird Deutschland der europäische Leitmarkt für Smart Home-Produkte und –Dienstleistungen? Immerhin soll das Internet der Dinge bis 2020 weltweit rund 50 Milliarden Geräte miteinander vernetzen – diese gigantische Entwicklung wird mutmaßlich vor der Vernetzung von Geräten und Funktionalitäten im Haushalt nicht haltmachen: eine Art Einbahnstraße in Richtung Smart Home.

Erkenntnisse aus der Studie:

• Jeder Zweite (51 %) kennt den Begriff und das Thema Smart Home
• Die meisten glauben, dass sich Smart Home durchsetzt (82%)
• Jeder Siebte verwendet Smart Home-Lösungen zuhause (14%)
• Die, die 'smart' leben, möchten nicht darauf verzichten (78 %)

Diese Zahlen sprechen dafür, dass es hier nicht um eine Modeerscheinung geht, sondern um einen wachsenden Markt.

Diejenigen, die Smart Home jetzt schon nutzen,

• lassen Bekannte oder Paketboten ferngesteuert ins eigene Haus
• erhalten Warnungen, wenn bei ihrer Abwesenheit Geräte noch angeschaltet sind
• automatisieren das Ein- und Ausschalten von Geräten oder Alarmfunktionen, wenn sie ihr Heim verlassen oder wieder betreten

mittelstand DIE MACHER sprach mit Dr. Gunther Wagner, Smart Home-Experte und Director Technology Advisory bei Deloitte Consulting . Sein Fokus: Strategie und IT.

Ist das Smart Home-Segment nach der Smartphone-Explosion und der Liberalisierung des Strommarktes der nächste aufgehende Multi-Milliardenmarkt? Wie groß ist das Marktpotenzial?

Dr. Gunther Wagner: „Davon ist auszugehen. So erfreulich, wie sich der Smart Home-Markt in Deutschland derzeit entwickelt, dürften wir bereits 2018 die Zahl von einer Million vollständig vernetzter Haushalte erreichen. Hinzu kommen die zunehmend beliebten Smart Home-Einzellösungen, beispielsweise per App steuerbare Beleuchtungssysteme. Insgesamt rechnet Deloitte 2018 mit einem Gerätebestand von 16 Millionen vernetzter Smart Home-Komponenten. Da darf man dann gewiss von einem Multi-Milliardenmarkt sprechen.“

Sind die Themen nur interessant für Konzerne? Oder wie viel Musik steckt da für mittelständische Unternehmen drin?

Dr. Gunter Wagner: „Der Mittelstand kann sogar stark vom Smart Home-Boom profitieren. Ich sehe insbesondere Potenzial für die zahlreichen mittelständischen Akteure im Bereich der Haus- und Gebäudetechnik. Durch deren bereits vorhandenes Know-how befinden sie sich in einer durchaus attraktiven Ausgansposition. Wenn sie dies konsequent nutzen, können sie mit Sicherheit auch großen Konzernen die Stirn bieten. Schließlich befindet sich der Smart Home-Markt nach wie vor in der Entwicklungsphase, und Kunden sind bei Smart Home-Komponenten primär an Innovationen, weniger an etablierten Marken, interessiert.“

Was ist den Deutschen besonders wichtig? Erst Komfort, dann Sicherheit, dann Energiemanagement? Wo setzt der Deutsche in Zukunft noch auf smarte Lösungen: z.B. Senioren-Assistenzen?

Dr. Gunther Wagner: „Dazu haben wir im Sommer 1000 Konsumenten in Deutschland befragt. Der Zugewinn an Komfort steht für sie an erster Stelle, gefolgt vom Versprechen zusätzlicher Sicherheit. Der Wunsch nach sinkenden Strom- und Heizkosten folgt bereits mit deutlichem Abstand. Und tatsächlich kann eine intelligente Vernetzung des Haushaltes auch dabei helfen, gerade der steigenden Zahl älterer Menschen ein längeres Leben im eigenen Zuhause zu ermöglichen. An entsprechenden Lösungen wird intensiv gearbeitet. Ich sehe allerdings derzeit eher Komfort und Sicherheit als die wesentlichen Smart Home-Markttreiber.“

Ist Smart Home gleich Smart Home?

Dr. Gunther Wagner: „Wir differenzieren bewusst zwischen dem vollständig vernetzten Smart Home und den unterschiedlichen Einzellösungen. Diese werden aber immer beliebter und stellen häufig einen Einstieg in die smarte Vernetzung des eigenen Haushaltes dar. Daher sind offene Plattformen auch für die weitere Entwicklung des Marktes so wichtig. Diese ermöglichen im Idealfall die Integration verschiedener Einzellösungen zu einem mehr oder weniger vollständig vernetzten Smart Home.“

Was können denkbare retardierende Momente für eine Marktdurchdringung sein? Scheu vor teuren Installationen oder die Sorge vor zuviel Daten-Preisgabe?

Dr. Gunther Wagner: „Die Deutschen sind in der Tat zurückhaltend, was die Weitergabe ihrer Smart Home-Nutzungsdaten angeht. Auch das hat unsere Befragung gezeigt. Lediglich 12% würden Smart Home-Daten grundsätzlich teilen. Die Mehrzahl würde Daten nur bestimmten Anbietern zur Verfügung stellen. Die gute Nachricht für deutsche Unternehmen: Zwei Drittel der Befragten würde einheimische Unternehmen vorziehen. Diese können also gezielt mit dem Thema Datenschutz und Datensicherheit punkten.“

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