Bereits im Koalitionsvertrag hatten sich die Regierungsparteien darauf geeinigt, die Entgeltgleichheit zwischen Männern und Frauen zu fördern. Dafür sollte ein „individueller Auskunftsanspruch“ für Arbeitnehmer festgelegt werden.

Dem Wortlaut entsprechend sollten nur Unternehmen mit mehr als 500 Beschäftigten von der zukünftigen Regelung betroffen sein. Doch nun will Manuela Schwesig mehr und plant ein Gesetz, welches die Lohnzahlung für möglichst alle Angestellten transparent machen soll – auch in kleinen und mittleren Unternehmen.

Was genau soll das Gesetz bewirken?

  • Angestellte sollen sich über das Gehalt von Kollegen mit gleicher Tätigkeit informieren können.
  • Anstatt einzelner Gehälter soll der Gehaltsbereich einer vergleichbaren Gruppe in Erfahrung gebracht werden können.
  • Entsprechend sollen die Gehaltsstrukturen transparent gemacht werden.

Der eigentliche Zweck des Gesetzesvorhabens von Manuela Schwesig besteht darin, die Lohnzahlung für Männer und Frauen angleichen zu lassen. Je offensichtlicher das Lohngefälle zwischen den Geschlechtern, desto leichter die Angleichung, so die Annahme. Ob die Koalition ihr Ziel mit dieser Holzhammermethode erreicht, bleibt abzuwarten.

Wirtschaftsverbände gehen auf die Barrikaden

Die Wirtschaftsverbände gehen mit den Plänen von Manuela Schwesig jedoch hart ins Gericht. Kritik hagelte es vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag, dem Bundesverband der Deutschen Industrie, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände und auch dem Zentralverband des Deutschen Handwerks, so der Spiegel. Denn eine transparente Lohnzahlung könnte die Kollegialität in Unternehmen auf eine harte Probe stellen. Den Verbänden zufolge könnte eine solche gesetzliche Regelung…

  • ein Klima des Misstrauens und der Ausforschung schaffen,
  • starke Unruhe bewirken und
  • Unfrieden stiften.

Die geplante Ausweitung der Regelung auf KMU birgt zudem datenschutzrechtliche Gefahren: Wie kleinere Unternehmen mit wenigen Angestellten in vergleichbaren Gruppen die Anonymität der Daten gewährleisten sollen, darauf hat Ministerin Manuela Schwesig noch keine Antwort.

Zeichen der Zeit erkennen

Die großen Meinungsmacher wie zum Beispiel der Spiegel oder der Stern zählen momentan die möglichen Vorteile transparenter Gehälter auf. So könnte die vergleichbare Lohnzahlung und eine klare Gehaltsstruktur…

  • das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen stärken,
  • Angestellte motivieren, indem sie sehen, was möglich ist, und
  • die ungleiche Bezahlung von Frauen und Männern reduzieren.

Der Stein, den Manuela Schwesig ins Rollen gebracht hat, wird kaum mehr aufzuhalten sein. Schon im Juni will die Familienministerin gemeinsam mit den Gewerkschaften einen Referentenentwurf des Gesetzes erstellt haben. Unternehmer haben nun die Chance, sich als Vorreiter zu profilieren. Wer schon jetzt transparente Gehaltsbereiche schafft und Lohnzahlungen vergleichbarer Arbeitnehmergruppen auf Nachfrage bekanntgibt, ist der Zeit voraus und stärkt sein Image als moderne und innovative Arbeitgebermarke.

Weiterführende Links:

  • Lesen Sie hier, was CDU und SPD im Koalitionsvertrag zur Offenlegung der Lohnzahlungen vereinbart haben.
  • Wie transparente Lohnzahlungen das Vertrauen der Mitarbeiter in das Unternehmen stärken können, lesen Sie im Spiegel.