Das neue Erbschaftssteuergesetz wird womöglich schon im Dezember, spätestens jedoch Anfang nächsten Jahres in Kraft treten. mDM fragte den Experten für Unternehmens-Nachfolgen Harald Braschoß (Vorsitzender des Vereins für Nachfolgeexperten e.V.), ob die Gesetzes-Novelle auch den Verkauf von Unternehmen steuerlich beeinflusst? Harald Braschoß ist Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und geschäftsführender Gesellschafter der Steuerberatungsgesellschaft BWLC. Er schildert, wie ein Verkauf ideal geplant und strukturiert werden kann.

Macht die Erbschaftsteuer-Novelle auch den Verkauf von Familienunternehmen teurer?
Harald Braschoß: „Die Erbschaftsteuer und damit auch die Erbschaftsteuer-Novelle ist grundsätzlich nur anwendbar, wenn ein Unternehmen unentgeltlich im Rahmen der Familie oder auf Dritte übertragen wird. Hieraus folgt, dass der Verkauf eines Unternehmens, egal, ob es sich um ein Familienunternehmen oder ein Unternehmen sonstiger Art handelt, laut Definition nicht unter das Erbschaftsteuergesetz fällt. Grundsatz ist immer: Ein Verkauf führt nur in Höhe des Betrages zu einer Schenkung- bzw. Erbschaftsteuer, der unterhalb des tatsächlichen Wertes des Unternehmens liegt.“

Wie taxiert der Eigentümer den realistischen Wert seines Unternehmens?

„Grundsätzlich tendiert jeder Unternehmer im Rahmen eines Unternehmensverkaufs dazu, den tatsächlichen Wert seines Unternehmens zu überschätzen. Hiervon ausgehend machen viele Unternehmer den Fehler, auf Grundlage einer viel zu hohen Preisvorstellung in die Verkaufsverhandlungen zu gehen. Es ist dringendst zu raten, sich von den eigenen Gefühlen zu lösen und den Verkauf auf Grundlage eines realistischen Wertes seines Unternehmens durch eine eigene bzw. von dritter Seite erstellte Unternehmensbewertung von dritter Seite durchführen zu lassen.

Ein überhöhter Kaufpreis führt dazu, dass ein potentieller Erwerber, der die Kaufpreisermittlung nach rein sachlichen Erwägungen vornimmt, von der Preisvorstellung des Verkäufers abgeschreckt wird, da die Differenz zwischen objektivem, sprich: realistischem Wert und dem subjektiven Wert des Verkäufers zu groß ist.

Im Falle einer objektiven Unternehmensbewertung ergibt sich eine fundierte Basis für Kaufpreisverhandlungen mit einem potentiellen Erwerber. Hierbei ist festzustellen, dass eine Kaufpreisvorstellung immer eine Verhandlungsbasis darstellt, da sich die Wertvorstellungen von Verkäufer und Käufer grundsätzlich von nicht völlig decken. Entscheidend ist jedoch, dass die Wertdifferenzen nicht zu groß sind.“

Was macht der Eigentümer, wenn er feststellt, dass sein Unternehmen eigentlich nicht übertragbar ist?

„Die Frage, ob ein Unternehmen übertragbar ist oder nicht, richtet sich nach verschiedenen Kriterien. In den meisten Fällen ist dies das Problem einer zu geringen Rendite, die dem Erwerber nicht die Möglichkeit eröffnet, neben der Vergütung seiner Tätigkeit als Unternehmer, auch eine Refinanzierung der von ihm aufzuwendenden Zins und Tilgung zur Begleichung des von ihm finanzierten Kaufpreises zu erwirtschaften. Weitere Probleme, die zu einer Nichtübertragbarkeit führen können, können darüber hinaus in der Person des Unternehmers begründet sein, sofern das Unternehmen zu stark von dessen Person und seinen Tätigkeiten abhängig ist. In diesen Fällen führt eine Übertragung auf eine dritte Person dazu, dass eine Fortführung des Unternehmens nicht mehr gewährleistet ist. Dies ist insbesondere bei künstlerischen Tätigkeiten der Fall. Sofern sich herausstellt, dass eine Übertragung eines Unternehmens nicht möglich ist, verbleibt in solchen Fällen lediglich noch die Liquidation, das heißt, die Einstellung des Unternehmens. Dies bedeutet, dass die realisierbaren Einzelvermögenswerte versilbert werden und mit deren Erlös Verbindlichkeiten des Unternehmens beglichen werden. Hauptproblem in diesem Zusammenhang wird immer sein, dass vorhandene Mitarbeiter im Rahmen der gesetzlichen Kündigungsfristen abgefunden werden müssen, da deren Arbeitsverträge gekündigt werden.“

Gibt es ein Ranking von Zielen im Übertragungsprozess?

„Grundsätzlich ergeben sich die Zielsetzungen eines Unternehmens im Rahmen der Übertragung seines Unternehmens aus der persönlichen Situation eines Unternehmers und seinen Vorstellungen, wie eine Unternehmensnachfolge durchgeführt werden soll. Da die persönliche Situation jedes Unternehmens eine individuelle ist, ist die Gewichtung der Ziele von Person zu Person unterschiedlich.
Ziele können z. B. sein:
- Gleichstellung der Kinder (Das setzt voraus, dass mehrere Kinder vorhanden sind);
- Aufrechterhaltung der Versorgung des Unternehmens nach Übertragung (Dies setzt 
voraus, dass durch die Übertragung des Unternehmens die Haupteinkommensquelle 
des Unternehmens auf einen Nachfolger übertragen wird);
- Vermeidung von Erbschaftsteuern / Schenkungsteuer (In vielen Fällen ist diese 
Zielsetzung eine primäre Zielsetzung vieler Unternehmer);
- Vermeidung von Pflichtteilsansprüchen durch Kinder, die durch die Schenkung bzw. Erbschaft nicht berücksichtigt werden (Dies setzt voraus, dass tatsächlich mehrere Kinder oder Erbberechtigte vorhanden sind, die testamentarisch oder schenkungsmäßig nicht bedacht werden);
- Fortführung des Unternehmens in der bisherigen Form (Dies ist aus der Sicht vieler Unternehmer ein wichtiges Kriterium, insbesondere bezüglich der Fortführung von Arbeitsverhältnissen mit den zurzeit bestehenden Mitarbeitern). 
Neben diesen möglichen Zielsetzungen eines Altunternehmers, sind sicherlich noch viele andere Zieloptionen möglich, die im Einzelnen hier nicht aufgelistet werden. Das Ranking dieser Ziele, sprich die Rangfolge nach der Wichtigkeit aus der Sicht des Unternehmers richtet sich somit nach den individuellen Einschätzungen in der Situation, in der sich der Unternehmer zum Zeitpunkt seiner Zielsetzung befindet. Deswegen kann ein absolutes generell gültiges Ranking der Zielsetzungen nicht für alle Unternehmer allgemeingültig definiert werden. An dieser Stelle ist auch zu berücksichtigen, dass Zielsetzungen nicht nur vom abgehenden Unternehmer, sondern auch vom Nachfolger definiert werden. Diese Ziele können z. B. sein
- Erzielung eines möglichst geringen Kaufpreises
- Aufbau einer langfristigen tragfähigen Existenz
- Minimierung des Risikos in Zusammenhang mit der Übernahme des Unternehmens 
(Haftung, Finanzierung)
- Sicherung der Familie
- steuergünstige Gestaltung
- Entscheidungsfreiheit 
Ebenfalls sind gegebenenfalls Ziele des Unternehmens als solchen zu berücksichtigen, die teilweise jedoch nicht realisierbar sind, wie z. B.
- Altinhaber soll weiter tätig bleiben = unrealistisch
- Sicherung der Arbeitsplatze
- der Kaufpreis des Unternehmens soll die Liquidität des Unternehmens nicht 
beeinflussen

Auch hier gilt das oben Angegebene, das heißt, die Zielsetzungen der einzelnen Beteiligten sind grundsätzlich nicht einheitlich hinsichtlich ihrer Wichtigkeit zu beurteilen, sondern hängen vom Einzelfall und des Umständen des jeweils Beteiligten ab.“

Wie sollte der Übertragungsprozess strukturiert sein und wie viel Zeit sollte er beanspruchen?

„Der Übertragungsprozess eines Unternehmens beinhaltet, wie jeder Prozess, der nach betriebswirtschaftlichen Kriterien durchgeführt werden soll, folgende grundsätzlichen Schritte:
1. Entscheidung

"Ohne eine Grundsatzentscheidung des Unternehmers, sein Unternehmen in absehbarer Zeit abzugeben, ist eine Unternehmensnachfolgeregelung nicht durchführbar. In sehr vielen Fällen scheitert die Übertragung an diesem Problem, weil der Unternehmer nicht den Mut, bzw. die innere Stärke besitzt, eine solche Entscheidung konkret zu treffen. Zur Vervollständigung sei an dieser Stell erwähnt, dass nicht nur die innere Entscheidung des Unternehmers hierfür entscheidend ist, sondern auch die Kommunikation der Entscheidung an Dritte, die mit in den Entscheidungsprozess und die Umsetzung einbezogen werden müssen.

Dies betrifft neben den Mitarbeitern auch die Familie, die Banken, den potentiellen Nachfolger (soweit eine familieninterne Nachfolge stattfindet), etc. Hierbei sollte generell kommuniziert werden, dass eine interne Nachfolge stattfindet und in welchem Zeitraum das erfolgen sollte. Vorsicht sollte walten für den Fall, dass das Unternehmen veräußert wird. In diesen Fällen sollte eine Verlautbarung nach Außen möglichst erst dann gegeben werden, wenn eine Vereinbarung mit dem endgültigen Käufer getroffen worden ist.

Generell ist überall da, wo keine Entscheidung getroffen wird, festzustellen, dass eine Unternehmensnachfolge mangels Vorbereitung scheitert oder aber mit enormen Problemen für den Nachfolger verbunden ist, da die Übergabe zwangsläufig erst nach dem Tod des Alt-Unternehmens stattfindet.
Empfehlenswert und meines Erachtens unabdingbar ist es, dass im Hinblick auf eine Strategie die Vorgehensweise nicht nur eine Entscheidung für die Übergabe des Unternehmens, sondern auch bezüglich des privaten Vermögens getroffen wird und dann, wenn sich die Übergabe auf andere potentielle Empfänger (Kinder, Ehefrau) bezieht.

2. Ist-Aufnahme
Nach erfolgter Entscheidung über den Übertragungsprozess müssen das Unternehmen und die privaten Vermögensbereiche bezüglich aller relevanten Gegebenheiten analysiert und aufbereitet werden. Dies erfolgt im Hinblick auf:

o rechtliche Analyse(Verträge)
o steuerliche Analyse
o Analyse der Mitarbeiter,derFührung,derOrganisation
o Analyse der betriebswirtschaftlichen Gegebenheiten(Schwächen,Stärken)
o Analyse des Marktes und desVertriebs desUnternehmens
o Analyse der Technik, der Umwelt
o Analyse der finanziellen Situation des Unternehmens

Von den Ergebnissen ausgehend kann sowohl für den Übergeber (Altunternehmer) als auch für den Übernehmer (Junior / Käufer) festgestellt werden, wo Schwachstellen des Unternehmens liegen. Im Falle eines Verkaufsprozesses kann sich hieraus ein Verkaufsexposé entwickeln. Für den Nachfolger ergibt sich in diesem Falle die Möglichkeit bezüglich der Übernahmefähigkeit der Rendite usw. eine Vorstellung zu entwickeln. Für einen Erwerber ergibt sich die Grundlage für eine Finanzierung seitens der Bank. Ebenfalls sollte insbesondere mit dieser Bestandsaufnahme die Zielsetzungen des Unternehmers dargestellt werden."

3. Konzeption des Übergabeprozesses (Stategieentwicklung)

„Im Rahmen der Konzeption, die auf Grundlage der Bestandsaufnahme unter Berücksichtigung der Zielsetzungen des Unternehmens erfolgen sollte, sind folgende Fragestellungen zu beantworten:
a) Wer soll das Unternehmen / Privatvermögen übernehmen?
b) Was (welche Inhalte) beinhaltet die Unternehmens- und Vermögensübergabe?
c) Wann soll das Unternehmensvermögen übergeben werden?
d) Wie soll das Unternehmen / Private Vermögen übergeben werden?

Zu a)
Wer soll das Unternehmen übernehmen?

Bezüglich des Unternehmens muss definiert werden, wer für die Übernahme der Unternehmensleitung der 'richtige Mann' ist. Generell kann man davon ausgehen, dass diese Fragestellung für eine Unternehmensfortführung die eigentliche Kernfrage darstellt. Hieraus folgt, dass bei der Übertragung auf eine falsche Person der Bestand und die Fortführung des Unternehmens gefährdet ist. Insofern muss diese Frage mit großem Weitblick und mit viel Mut, insbesondere unter Berücksichtigung der Einbeziehung von Kindern beantwortet werden. Häufig ist festzustellen, dass der Sohn bzw. die Tochter nur deshalb zum Nachfolger ernannt wird, weil es der Sohn oder weil es die Tochter ist. Dies ohne Rücksicht darauf, ob derjenige dazu geeignet ist bzw. inwieweit er überhaupt bereit ist, diese Funktion zu übernehmen.
Neben der Frage, wer die Leitung des Unternehmens übernehmen sollte, ist ebenfalls zu klären, wer das Unternehmensvermögen bzw. die Anteile am Unternehmen übernimmt. Dies kann theoretisch eine andere Person sein, als derjenige der die Unternehmensleitung übernimmt. Grundsätzlich sollte jedoch darauf hingewiesen werden, dass die Motivation desjenigen, der die Leitung übernimmt, umso größer ist, je mehr er später in seine eigene Tasche arbeiten kann. Deswegen ist empfehlenswert, sicherzustellen, dass derjenige, der die Unternehmensleitung übernimmt, entweder heute oder morgen auch die Anteile am Unternehmen vermögensmäßig übernehmen kann.

In diesem Zusammenhang ist ebenfalls zu klären, wer das private Vermögen des Unternehmers übernehmen sollte. Diese Fragestellung wird natürlich umso wichtiger, je mehr Nachfolger auf familiärer Ebene vorhanden sind. Unter dem Aspekt Gerechtigkeitsproblem der Verteilung auf die verschiedenen Kinder, muss deshalb in Zusammenhang mit einem vollständigen Konzept auch das private Vermögen einbezogen werden, um zu vermeiden, dass einer alles und die anderen nichts erhalten. Ebenfalls sollte in diesem Zusammenhang berücksichtigt werden, dass die zu übertragenen Werte der einzelnen Vermögensgegenstände wertmäßig nicht ohne weiteres vergleichbar sind. Der Wert eines Unternehmens ist nicht ohne weiteres gleichzusetzen einem zu einem bestimmten Zeitpunkt festgestellten Wert einer Immobilie oder einer Aktie oder eines Geldbestandes auf der Bank.

Vor diesem Hintergrund sollten auch die steuerlichen Probleme in Verbindung mit den Vermögensarten (Betriebsvermögen, Privatvermögen) berücksichtigt werden:
- im Hinblick auf die Frage der Schenkungsteuer
- im Hinblick auf die Ertragsteuer

Schenkungsteuerlich ist die Übertragung eines Unternehmenswertes von 1 Mio. € unter Berücksichtigung der steuerlichen Verschonungen ohne steuerliche Belastung möglich, wohingegen die Übertragung eines privaten Vermögens ebenfalls von 1 Mio. € steuerlich nicht begünstigt ist mit der Folge, dass hier eine steuerliche Belastung für den Beschenkten eintreten kann.
Bei der Übertragung des Unternehmens ist zu berücksichtigen, dass eine spätere Veräußerung eines Unternehmens immer zu einer Besteuerung führen wird, wohingegen eine spätere Veräußerung einer schenkungsfrei übertragenen Immobilie gegebenenfalls steuerfrei gestaltet werden kann.

zu b)
Wann soll eine Übertragung des Unternehmens stattfinden?

Wie oben schon dargestellt, setzt die Regelung des „wann“ der Übertragung voraus, dass eine Grundsatzentscheidung bzgl. einer Nachfolgeregelung getroffen wird. Diesbezüglich muss definiert werden, ob das betriebliche Vermögen oder private Vermögen zu Lebzeiten oder von Todes wegen auf die beabsichtigten Empfänger übergehen sollte.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass eine Übertragung des Vermögens von Todes wegen ohne dass im Vorfeld Regelungen getroffen worden sind, dazu führten, dass zu einem Zeitpunkt das gesamte Vermögen als Ganzes auf alle Erben in Höhe der Erbquote übergeht. Je nach Größenordnung überschreiten dann die übertragenen Vermögenswerte die zu diesem Zeitpunkt gültigen Freibeträge der Empfänger mit der Folge, dass hieraus steuerliche Nachteile entstehen.

Hiervon ausgehend bietet sich in den meisten Fällen unter steuerlichen Aspekten an, im Vorfeld, das heißt zu Lebzeiten Regelungen bezüglich der Vermögensübertragungen zu treffen, um hiermit die im Falle eines Todes drohenden Steuerzahlungen zu reduzieren bzw. zu vermeiden. Dies kann erfolgen dadurch, dass die Möglichkeiten der Freibeträge alle zehn Jahre durch die Übertragungen nach und nach in Anspruch genommen werden. Darüber hinaus kann im Vorfeld eine Ungleichverteilung der Vermögenswerte zwischen den Ehepartnern durch Übertragung oder Verlagerung von Vermögen vom Ehemann zur Ehefrau oder umgekehrt durchgeführt werden, um in der zweiten Stufe Freibetragsregelungen zwischen Mutter, Kindern und Vater und Kindern herbeiführen zu können. Alternativ können in Verbindung mit einer lebzeitigen Übertragung von diesen Vermögenswerten Vorbehaltsnießbrauchs oder Rentenregelungen (Versorgungsrente) vereinbart werden, deren Wert vom Schenkungsbetrag in Abzug gebracht werden können.

zu c)
Was soll übertragen werden?

Bei der Übertragung von Unternehmen muss geklärt werden, inwieweit bei steuerlichen Sonderkonstruktionen (Betriebsverpachtungen / Sonderbilanzen in Zusammenhang mit Personengesellschaften / Betriebsaufspaltungen) der steuerliche Gesamtbetrieb oder aber Teile des Betriebes übergeben werden, ohne die verpachteten Unternehmenswerten wie Immobilien / Patente. Beispiele hierfür sind:

Der Unternehmer vermietet eine ihm gehörige Betriebshalle an die ihm zu 100 % gehörende GmbH, bei der er auch Geschäftsführer ist. 
Hier liegt steuerlich eine Betriebsaufspaltung vor mit der Folge, dass die Immobilie steuerlich als Einzelunternehmen des Unternehmers behandelt wird. Zum steuerlichen Vermögen dieses Einzelunternehmens gehört somit die Immobilie als auch der Anteil an der GmbH. Im Fall einer Übertragung, sei es durch Testament, sei es durch Schenkung auf verschiedene Personen (Immobilie auf Tochter und GmbH-Anteile auf den Sohn) führt dies dazu, dass die stillen Reserven sowohl der Immobilie als auch der Anteile steuerlich aufgedeckt und versteuert werden müssen. Gleiches gilt für den Fall, dass ein Unternehmer seine Immobilie an eine GmbH & Co. KG, in der er als Gesellschafter beteiligt ist, vermietet.

Ein weiterer Fall dieser Anwendung ist der, dass ein Einzelunternehmer sein Unternehmen in einer selbstgenutzten Gewerbeimmobilie betreibt, mit der Folge, dass diese Immobilie Bestandteil seines Einzelunternehmens ist. Im Falle des Verkaufs seines Einzelunternehmens ohne Immobilie an einen Dritten führt diese Vorgehensweise dazu, dass gegebenenfalls die Immobilie ebenfalls ins Privatvermögen entnommen wird, mit der Folge, dass auch die stillen Reserven der Immobilie versteuert werden, ohne das eine Veräußerung der Immobilie stattfindet.

Eine Vermeidung dieser steuerlichen Konsequenzen kann nur dadurch erfolgen, dass im Sinne der Zielsetzung vor dem Hintergrund des „Was übertragen werden soll“ Umstrukturierungen rechtlich / steuerlich durchgeführt werden. Diese setzen im Hinblick auf die steuerliche Akzeptanz jedoch voraus, dass hier Fristen von bis zu drei Jahren zwischen Umstrukturierung einerseits und Übertragungen andererseits eingehalten werden müssen.

zu d)
Wie soll übertragen werden?

Bezüglich der Übertragung der Unternehmensführung innerhalb der Familie muss geklärt werden, wie die Führung auf den Nachfolger übernommen wird. Erfolgt diese schrittweise, ohne Vorbereitung, mit Vorbereitung? Hier muss konzeptionell definiert werden, wie die Führungsübertragung auf den Nachfolger im zeitlichen Ablauf stattfinden soll.

Bezüglich der Übertragung von Privatvermögen und auch Betriebsvermögen innerhalb der Familie ist zu klären, inwieweit die Übertragung auch unter dem Aspekt der Versorgung des Unternehmers unentgeltlich oder gegen Zahlung bei einer Rente oder durch Vereinbarung eines Nießbrauchs für die übertragenen Anteile oder das übertragene Privatvermögen vereinbart werden soll. Ebenfalls können teilentgeltliche Übertragungen vom Unternehmen oder sogar Verkauf von privatem Vermögen an den oder die Nachfolger steuerfrei erfolgen mit der Folge, dass aus dem Verkaufserlös eine Rentenvereinbarung zu einer nachhaltigen Sicherung der Versorgung des Altunternehmers realisiert werden kann.

Für den Fall eines externen Unternehmensverkaufes ist zu klären, inwieweit die Immobilie oder Patente in Zusammenhang mit dem Unternehmen mitübertragen werden bzw. durch Verpachtung oder Lizensierung zurückbehalten werden können. Ebenfalls ist hier zu klären, inwieweit die Übertragung als Asset-Deal oder Share-Deal stattfindet bzw. ob gegebenenfalls im Vorfeld die Änderung der Rechtsform des zu veräußernden Unternehmens geändert wird, um hiervon ausgehend dem Erwerber eine Möglichkeit zu eröffnen, die entsprechenden Kaufpreise auch steuerlich geltend zu machen.

4. Die Umsetzung der Strategie

Auf Grundlage der Konzeption muss in der nächsten Stufe die Umsetzung der Unternehmens- und Privatvermögensnachfolge erfolgen. Dies betrifft sowohl die familieninterne als auch die familienexterne Durchführung einer Unternehmensnachfolge / Vermögensnachfolge.

1. Familieninterne Nachfolge
Bei familieninterner Nachfolge ist generell der Junior auf seine spätere Rolle als Unternehmensleiter nach und nach vorzubereiten. Da ein Unternehmer nicht vom Himmel fällt, sondern durch Erfahrung lernen muss, geht kein Weg daran vorbei, dass man den Junior bzw. die Juniorin systematisch auf diesen Übernahmeprozess schrittweise vorbereitet. Dies kann auf der theoretischen Ebene durch Schulungen und auf der praktischen Eben durch schrittweise Übertragung von Verantwortung erfolgen. Wichtig ist diesem Zusammenhang ist, dass der Senior sich nach und nach zurückzieht und dem Junior bzw. der Juniorin Luft zum Leben lässt. Im Rahmen der Vermögensübertragung von unternehmens- bzw. privatem Vermögen sind vertragliche Regelungen erforderlich, die sich auf der Ebene des Unternehmens auf folgende Bereiche beziehen, darunter
- Anpassung des Gesellschaftsvertrages (insbesondere bei schrittweiser Übertragung der Anteile an einem Unternehmen);
- Sicherstellung durch testamentarische Regelung, dass der Junior bzw. die Juniorin auch das Unternehmensvermögen erhält, sofern dieses nicht in Verbindung mit der Leitungsübergabe mit übergeben wird;
- Schenkungsverträge bezüglich Anteilen;
- Kaufverträge, sofern das Unternehmens- oder Privatvermögen zu Teilentgelt oder zum vollen Entgelt an den Junior oder die Juniorin bzw. die anderen Kinder übertragen werden sollte;
- gegebenenfalls Finanzierungsvorbereitung einschließlich der Problematik, dass zunächst der Senior weiterhin in der Haftung für Verbindlichkeiten verbleibt, die in Verbindung mit den übertragenen Vermögenswerten eingegangen worden sind. Hier ist es erforderlich, eine Haftungsfreistellung bei der Übertragung von Vermögen auf die Kinder in Verbindung mit dem Kreditinstitut herbeizuführen; 
In Verbindung mit dem Verkauf an Dritte müssen Verkaufsvorbereitungen getroffen werden;
- Prospekterstellung;
- Käufersuche;
- Käuferauswahl;
- Kaufvertragsvereinbarung, Due Diligence-Vereinbarung.
Der zeitliche Umfang eines gesamten Übertragungsprozesses kann je nachdem, wie das Unternehmen organisiert und die Aktenlage geordnet ist, zwischen ein bis fünf Jahren dauern. Insbesondere bezüglich der Übertragung der Führung auf einen internen Nachfolger ist davon auszugehen, dass bei vernünftiger Vorgehensweise hier eine Vorbereitungszeit von ca. drei bis fünf Jahren erforderlich ist."

Was sind typische Fehlerquellen?

"Fehlerquellen im Bereich der Unternehmensnachfolge entstehen schwerpunktmäßig wie folgt:
1. Hauptfehlerquelle ist, dass viele Unternehmer eine konkrete Entscheidung hinauszögern, die auf eine Unternehmensnachfolge gerichtet sein muss. In der Konsequenz führt dies dazu, dass entweder gar keine Regelung zu Lebzeiten bzw. eine viel zu späte Regelung in Angriff genommen wird.
2. Ansonsten sind Fehler jeglicher Art im Rahmen des Strukturierungsprozesses (vgl. die Ausführungen zu der vorherigen Fragen) möglich, mit der Folge, dass durch Fehler der Konzeption der Bestandsaufnahme, der Umsetzung die vom Altunternehmen gewünschten Zielsetzungen nicht erfüllt werden können.

Die Folgen können vielfältig sein:
Angefangen von der falschen Person als Nachfolger egal, ob auf der Ebene des Unternehmens oder im Bereich der privaten Vermögen, zu nicht gewollten Steuerzahlungen, bis hin zum schlimmsten Fall, nämlich zum Thema, dass die Unternehmensnachfolge scheitert, was meistens auf die Besetzung mit falschen Personen zurückzuführen ist, können Fehler festgestellt werden.
Welche Haltung oder strategische Denke soll der entscheidende Eigentümer einnehmen, um einen idealen Prozess zu gewährleisten?

Da das Unternehmen in den meisten Fällen für den Unternehmer das Ergebnis seiner lebenslangen Arbeit darstellt, manchmal sogar als des Unternehmers liebstes Kind bezeichnet wird, kann jedem Unternehmer nur geraten werden, die rechtzeitige und planmäßige Übergabe dieses Unternehmens und damit seines „Kindes“ ernsthaft in Betracht in zu ziehen. Dies insbesondere mit dem Ziel, diese Übergabe mit seiner Begleitung, das heißt zu seinen Lebzeiten unter Berücksichtigung seiner Zielsetzungen durchzuführen.

Die Nichteinhaltung der vorgenannten Kriterien (Strategie, usw.) sowie die Verzögerung von Entscheidungen stellt letztlich eine verantwortungslose Handlung gegenüber dem Unternehmen, einschließlich seiner Mitarbeiter und deren Familien sowie letztendlich auch gegenüber seiner Familie und sich selbst gegenüber dar. In der Konsequenz bedeutet dies, dass, wenn der Unternehmer die Übergabe will, dann mit Haut und Haaren. Ansonsten sollte der Unternehmer schweigen und dem Schicksal seinen Lauf lassen."

Gibt es einen idealen Zeitpunkt für die Übertragung?

"Ich glaube, dass ein idealer Zeitpunkt nie gegeben ist. Wenn wir über einen Zeitpunkt reden, dann höchstens über einen möglichst günstigen Zeitpunkt, der in Zusammenhang mit der Übertragung eines Unternehmens immer zu Lebzeiten und zwar rechtzeitig zu Lebzeiten sein sollte. Rechtzeitig im Hinblick darauf, dass ein Nachfolger mit Hilfe des derzeitigen Inhabers gründlich und in einer Art und Weise vorbereitet werden sollte, dass er die Leitung des Unternehmens optimal durchführen kann. Ansonsten ist die Frage des idealen Zeitpunktes nach den Bedürfnissen und den Zielsetzungen des Abgebenden zu beurteilen.

Ein Altunternehmer, der zu früh sein Unternehmen abgibt, das heißt, zu einem Zeitpunkt, zu dem er auf ein Ausscheiden aus seinem Unternehmen nicht vorbereitet ist, wird sicherlich mit sich selbst nicht glücklich werden und wird versuchen, weiterhin im Unternehmen mitzumischen, obwohl dieses schon einen neuen Leiter besitzt. Das bedeutet im Hinblick auf die Frage des idealen Zeitpunktes, dass dieser grundsätzlich erst dann erreicht sein kann, wenn der Unternehmer in seinem Bewusstsein und in seiner Einstellung und in seinen Überzeugungen sicher ist, dass er wirklich eine Übertragung der Unternehmensleitung – und das ist das einzig Entscheidende – beabsichtigt."

Gibt es ein Worst-Case- bzw. Erste-Hilfe-Szenario für den Fall, wenn eigentlich keine Zeit für einen geordneten Prozess bleibt?

"Die Frage ist die nach einem sogenannten Notfallplan, der zur Anwendung kommt, wenn der Ausfall des Unternehmenslenkers erfolgt. Das kann durch unvorhergesehene Krankheit, durch Unfall, durch Demenz oder sonstige nicht vorhersehbare Ereignisse der Fall sein. Entscheidend ist, dass das Unternehmen in einer solchen Situation führungslos wird und mit Hilfe des Notfallplanes Möglichkeiten eingeräumt werden, zu verhindern, dass die Konsequenzen nicht allzu dramatisch werden.

Auch hier ist anzumerken, dass es ein kein Allheilmittel für diese Fälle gibt. In jedem Fall sollte dafür Sorge getragen werden, dass in einem Übergangsstadium die Geschäfte weiter laufen, ohne dass allzu starke Friktionen entstehen. Hierzu ist es zumindest erforderlich, dass entsprechende Vollmachten (Vorsorgevollmacht, Vollmacht bei den Banken, etc.) rechtzeitig an die richtigen Personen erteilt wird.

Ebenfalls müssen Dokumentationen vorliegen, gemäß denen ein übergangsweise einzusetzender Notgeschäftsführer in die Lage versetzt wird, mit Hilfe von Schlüsselpersonen die Geschäfte halbwegs in Gang zu halten. Wie der Name Notfallplan schon aussagt, wird dies auf Dauer nicht dazu führen, dass das Unternehmen bei längerfristigem Ausfall des Unternehmers aufrecht erhalten werden kann, es sei denn, dass kurzfristig ein Nachfolger aus dem familiären Umfeld, aus der Mitarbeiterebene oder von außen gefunden wird. Die Wahrscheinlichkeit hierfür ist jedoch meistens nicht allzu hoch. Deshalb muss für den Worst Case eine Liquidation des Unternehmens bzw. ein Verkauf des Unternehmens (meistens unter dem normalen Preis) mit dem Ziel der Aufrechterhaltung der Arbeitsplätze und der Realisierung der Vermögenswerte für die Familie, in Betracht gezogen werden. Im Hinblick auf die Tatsache, dass viele Unternehmer, insbesondere in jüngeren Jahren, den Aufbau Ihres Unternehmens mit Hilfe von Finanzierungsmitteln vorantreiben müssen, ist vor diesem Hintergrund auch auf der familiären Ebene unbedingt darauf zu achten, dass im Rahmen des Notfallplanes hier entsprechende Vorkehrungen getroffen werden, um hier drohende Insolvenzen auf der privaten Ebene zu Vermeiden."

Wie sollten Eigentümer angesichts der bevorstehenden Erbschaftsteuernovelle mit einer geplanten Übertragung umgehen?

"Auch wenn der Entwurf der Novelle der Erbschaftsteuer aufgrund der derzeit vorliegenden Entwürfe für kleinere Unternehmen (bis 26 Mio. € Unternehmenswert) im Großen und Ganzen die Regelung des bisherigen Erbschaftsteuergesetzes fortführt, kommen auch hier negative Veränderungen bezüglich der Besteuerung des Vermögens zum Tragen. Dies betrifft die Aufrechterhaltung von Mindestlohnsummen nunmehr auch für Unternehmen ab 4 Arbeitnehmern (ursprünglich 20 Arbeitnehmer). Darüber hinaus gibt es steuerliche Verschärfungen bezüglich der Besteuerung von nicht notwendigen Unternehmensvermögen. Nach den noch gültigen steuerlichen Regelungen können diese steuerfrei übertragen werden, wenn deren Wert nicht mehr als 50 % des Gesamtunternehmenswertes überschreitet, wohingegen nach der Novelle nicht produktives Vermögen, das nicht dem Hauptzweck des Unternehmens dient, in vollem Umfang besteuert wird, sofern dessen Wert 10 % des begünstigten Vermögens überschreitet.

Bei der Übertragung von Unternehmensvermögen von mehr als 26 Mio. € werden die zurzeit noch bestehenden Verschonungsregelungen stark reduziert mit der Folge, dass hier von einer steuerlichen Belastung des Empfängers auszugehen ist. Hiervon ausgehend sollten schon jetzt in der Planung befindliche Unternehmensübertragungen möglichst noch zur Vermeidung dieser drohenden Nachteile umgesetzt werden, da das Bundesverfassungsgericht mit seinem Urteil im Jahre 2014 grundsätzlich die Anwendung des alten Rechtes noch so lange für verfassungsgemäß hält, bis das neue Recht zum Tragen kommt.“

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