Aus welchem Holz ist so ein Digital Native? Auch Phillipp Riederle ist so einer: Mit 13 startete er eine eigene Podcast-Reihe („Mein iPhone und ich“) und erklärte damals (2008) frischgebackenen iPhone-Besitzern, was man alles mit dem Gerät machen konnte. Die Rote Karte für kleingeschriebene Kauderwelsch-Manuels und gleichzeitig Kick-off für den Jung-Publizisten und seine erstaunliche Beraterlaufbahn. Heute coacht der Jungunternehmer Firmen- und Konzernchefs, hilft ihnen die digitale Welt zu verstehen. Und erklärt, wie Digital Natives ticken.

„Wir Digital Natives verändern die Welt.“

Auf seinem YouTube-Kanal hängen tausende Follower an seinen Lippen. Verschlingen Thesen wie: „Wir Digital Natives verändern die Welt.“ Unternehmen reißen sich um die Besten der Generation Y auf Mitarbeiter-Ebene. Glücklich schätzen sich diejenigen Inhaber, deren Kinder – Digital Natives – jetzt in die Unternehmensführung nachrücken bzw. das Unternehmen übernehmen. Und das Familienunternehmen an die Wettbewerbs-Trends des digitalen Zeitalters heranführen.

Die Digitalisierung im EUROPA-PARK

Wie das funktioniert – darüber sprach mittelstand DIE MACHER mit Michael Mack, selber Jahrgang 1978 und Sohn von Roland Mack, Co-Erfinder, Mitbegründer und geschäftsführender Gesellschafter des EUROPA-PARKS in Rust. Der Europa-Park ist mit 95 Hektar (130 Fußballfelder!) Deutschlands größter Freizeitpark,  feiert dieses Jahr seinen 40. Geburtstag. Der Europa-Park ist ein stetig wachsender - internationaler - Publikums-Magnet: Erstmals haben ihn in der letzten Saison über 5 Millionen Menschen besucht.

Betriebswirt Michael Mack ist seit 2005 in geschäftsleitender Funktion im Familienunternehmen tätig und verantwortet seit 2007 u. a. die strategische Geschäftsentwicklung, Entertainment, Operations und Services im EUROPA-Park.
mittelstand DIE MACHER: Welche Rolle spielt das Thema ‚Digitalisierung‘ in der aktuellen oder künftigen Steuerung der strategischen Geschäftsentwicklung? Welche Bedeutung messen Sie der Digitalisierung Ihrem Unternehmen generell bei?

Michael Mack: „Das Thema "Digitalisierung" spielt schon seit geraumer Zeit eine wichtige Rolle in unserem Unternehmen. Insbesondere für mich als Geschäftsführer von MackMedia, wo digitale und multimediale Inhalte das Fundament allen Schaffens darstellen, ist Digitalisierung omnipräsent.
Die Entwicklung von mittlerweile zwei 4D-Filmen, die Entwicklung des ersten Casual Games für PC und Smartphone mit Ed Euromaus und seinen Freunden, die Europa-Park App, die dem Besucher topaktuelle Informationen beispielsweise zu Show- oder Anstehzeiten liefert, das Virtual Reality Ride Angebot, das wir zeitnah der breiten Öffentlichkeit in unserer Achterbahn anbieten werden, seien hier genannt - nicht zu vergessen das Spektrum an Social Media Angeboten.
Aber am Beispiel des Smarthpone-Games mit Ed Euromaus lässt sich zeigen, wie man das Geschäft konkret digital weiter entwickeln kann: Mit diesem Produkt spielen die Kinder oder Erwachsenen im Auto weiter, beschäftigen sich die Menschen also weiter mit unserem Park, auch wenn sie ihn schon wieder verlassen haben. Das Spiel macht Features des Parks ubiquitär nutzbar, ‚verlängert’ unser Geschäft von offline Richtung online.
Wir wollen, dass unsere Besucher in unserem Park einen unvergesslich schönen Aufenthalt genießen und ihn mit diesen genannten Digitalisierungstools individuell so lange ausdehnen, wie sie möchten und uns, den Europa-Park, mit zu sich nach Hause nehmen. Wir möchten sozusagen für unsere Gäste einen Mehrwert über das Parkerlebnis hinaus durch Digitalisierung schaffen.“

Haben Sie die Geschäfts-Prozesse in Ihrem Unternehmen in der Vergangenheit zunehmend digitalisiert (Operations, Services, Entertainment)? Oder werden sie dies künftig fokussieren?

Michael Mack: „Mit der Entwicklung zu Europas zweitgrößtem Freizeitpark muss natürlich auch hinter den Kulissen eine entsprechende Infrastruktur geschaffen werden. Wir haben ein geniales IT-Team hier bei uns im Haus, was für viele Prozesse im Unternehmen maßgeschneiderte Lösungen erarbeitet hat. Aber wir sind hier in einer laufenden Entwicklung und versuchen jeden Tag mehr mit sinnvollen Ansätzen die Arbeitsabläufe zu optimieren.“

Hat die digitale Transformation auch Einfluss auf Ihre externe Kommunikation? Haben Sie Ihre Marketing-Aktivitäten (Media) stark digitalisiert oder planen Sie dies für die Zukunft?

Michael Mack: „Neben klassischen Pressemitteilungen an Redaktionen haben wir natürlich durch Social Media Kanäle die Möglichkeit weitere und vor allem andere Zielgruppen mit unseren Angeboten und Neuigkeiten zu begeistern und zu sensibilisieren. Mit unserem eigenen Drehteam können wir dazu das Ganze auch multimedial begleiten und gleich auf den entsprechenden Kanälen online stellen. Das zeigt sich in der Reichweite: so haben wir mehr als 650.000 Facebook-Fans und sind der Ort in Deutschland mit den meisten Check-Ins auf Facebook. Wir planen aber auch hier unser Angebot noch weiter zu ergänzen.“
Hat sich Ihre interne Kommunikation verändert (social tools o.ä.).

Michael Mack: „Über das Intranet haben unsere Mitarbeiter täglich die Möglichkeit sich über Neuigkeiten im Europa-Park zu informieren. Da arbeiten wir derzeit an einer Neuauflage. Gleichzeitig haben wir aber auch die Vision eines Firmen-Wiki, wo wir derzeit erste sehr erfolgreiche Tests durchführen.“

Ist das Thema Digitalisierung eine Domäne der ‚nächsten Generation‘? Macht es einen Unterschied in der Geschäftsführung, ‚Digital Native‘ zu sein oder nicht?

Michael Mack: „Natürlich ist es so, dass die jüngere Generation einen leichteren Zugang zu dem Thema hat. Mein Vater hat mit meinem Großvater den Europa-Park gegründet und ihn mit wahnsinnig viel Einsatz, gemeinsam mit seinem Bruder, zum weltweit größten saisonalen Freizeitpark entwickelt. Auch das Hotel-Resort ist hier zu nennen; immerhin ist mein Vater als gelernter Maschinenbau-Ingenieur Hotelier des Jahres in Deutschland gewesen. Und da sieht er dann schon völlig verständlich uns in der achten Generation in der Pflicht, was die Aufgabe der Digitalisierung angeht.
Ich persönlich war schon immer sehr technikinteressiert und bin aufgrund meines noch jungen Alters mit Games und Konsolen groß geworden. Mich hat die Entwicklung in diesem Bereich stets interessiert und somit ist und war es für mich immer logisch diese Leidenschaft und technischen Möglichkeiten in den Europa-Park für unsere Gäste aber auch hinter den Kulissen einzubinden. Das ist ein laufender Prozess und wir haben viele spannende Visionen, was wir hier im Park noch alles umsetzen wollen. Aus der Ingenieurskunst heraus und mit den Benefits der Digitalisierung bin ich mir sicher, dass die digitale Veredelung zukünftiger Projekte gelingen kann.

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