Namhafte Unternehmen unter den Aufsichtsrat-Abstinenzlern

Dies geht aus einer Studie des Juraprofessors Walter Bayer von der Universität Jena hervor, wie die "FAZ" berichtet. Laut "Drittbeteiligungsgesetz" müssen in dem vorgeschriebenen Gremium Arbeitnehmervertreter ein Drittel der Sitze innehaben. Das Gesetz gilt für verschiedene Rechtsformen: AGs, GmbHs, KGaA und Genossenschaften. Zu den Gesetzesbrechern zählen keine Geringeren als beispielsweise Media-Saturn Deutschland oder Alltours Flugreisen. Die Studie zeigt, dass vor allem der Handels- und Dienstleistungssektor keinen Aufsichtsrat besitzt. Hier mangelt es 67 Prozent der Unternehmen an dem Kontrollorgan. Im Industriebereich sind es 37 Prozent.

Gründe für das Fehlen des Aufsichtsrats

Doch wie kommt es überhaupt dazu, dass bei so vielen Mittelständlern der Aufsichtsrat fehlt? Walter geht davon aus, dass die Unkenntnis der rechtlichen Situation eine Rolle dabei spielt. Viele KMUs wissen zum Beispiel nicht, dass ein Kontrollgremium beim Überschreiten der Schwellenwerte auch für Tochter- und Enkelgesellschaften notwendig ist – also selbst dann, wenn die Muttergesellschaft einer GmbH bereits über einen Aufsichtsrat verfügt.

Dass es an Sanktionsregeln mangelt, ist mitunter ein weiterer Grund, weswegen Mittelständler vor einem Gesetzesverstoß nicht zurückschrecken. Walter rät allen geschäftsführenden Abstinenzlern, eiligst bei Gericht ein Statusverfahren einzuleiten, damit ein Kontrollorgan nachträglich installiert werden kann. Dadurch würde zwar ein Rechtsverstoß in der Vergangenheit aufgedeckt werden, doch steht für ihn das Recht über der Pflichtverletzung.

Weiterführende Links:

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