Prezi gilt als innovativ und stellt eine neue Form der Präsentation dar. Worin liegt der Unterschied zu herkömmlichen Programmen – etwa PowerPoint?

Prezi funktioniert ganz anders, als wir es bisher aus der Welt der Folien kennen. PowerPoint zum Beispiel stammt noch aus der Zeit, als es Dia-Vorführungen gab. Die meisten Präsentationen sind also linear aufgebaut, eine Folie folgt der anderen. Prezi verwendet dagegen einen Raum, um Geschichten zu erzählen. Jede Prezi ist also eine virtuelle Leinwand, in dem räumliche Metaphern und Bilder verwendet werden können.

Das heißt, wir sehen keine Folien und endlose Bullet-Points mehr?
Genau. Prezis Arbeitsfläche ist zunächst eine Fläche, in die der Nutzer in Bilder eintauchen und weiter schwenken kann, um die Unterhaltung zu vertiefen. Um Komplexität zu verstehen, muss man erst einen Schritt zurücktreten, um buchstäblich das große Ganze zu erkennen. Dann kann man in Bilddetails hineinzoomen, um mehr Infos zu bekommen. Das wirkt ähnlich wie ein Flug bei Google Earth: Erst hineinzoomen, dann dreht sich die Fläche so, dass das neue Objekt ausgerichtet ist, und wird schließlich auf die passende Größe gebracht. Das lineare Nacheinander von Folien ist damit passé. So ist das Ganze für den Zuschauer viel spannender.

"Werden Sie zum Geschichtenerzähler!" Prezi funktioniert anders als alle Präsentationssoftware, die der Markt bisher kennt. Hinter jedem Button verbirgt sich eine weitere Präsentation, dahinter meist noch eine. Der Zuschauer erhält die Informationen nicht linear, sondern räumlich. Vorteil: Die Präsentation folgt der Struktur des menschlichen Gehirns. (© 2015 Prezi)

Ist das nicht eher verwirrend, also inhaltlich weniger logisch?
Im Gegenteil! Die Verwendung von Räumlichkeit hilft dem Publikum, sich an die Inhalte besser zu erinnern. Wir wissen, das Hirn strukturiert die Welt in Bildern, und Prezi ist in erster Linie eine visuelle Anwendung. Fragt man zum Beispiel eine Person, welche Küchengeräte sie besitzt, stellt man sich die Küche im Kopf vor und zählt auf, was vor dem geistigen Auge erscheint. Man stellt sich aber keine Liste vor.

Räumlichkeit hilft dem Publikum, sich an die Inhalte besser zu erinnern.

Peter Arvai Prezi-Mitgründer

 

Mag sein, aber gilt das auch für Präsentationen, die umfangreicher und komplexer sind?
Ja, ein einziges Bild kann eine ganze Geschichte erzählen und Präsentationen sollen nicht nur informieren, sondern auch unterhalten. Visuelles bleibt länger haften als reiner Text oder Aufzählungen. Mit der räumlichen und bildhaften Prezi-Arbeitsfläche, kann man seine Zuschauer auf eine interessante Entdeckungsreise schicken.

 

"Werden Sie zum Geschichtenerzähler!" Der gelbe Button ist Teil eines ganzen Kreises. Er erklärt, wie wir denken und wie wir Wissen erfassen. Bilder sind einfacher zu merken als Listen, daher sind Aufzählungen mit Bullet-Points in einer Prezi-Präsentation verpönt. (© 2015 Prezi)

 

Wie ist die Idee für Prezi überhaupt entstanden?
Die Software wurde 2007 von Adam Somlai-Fischer und Peter Halacsy in Budapest entwickelt. Sie war ursprünglich als Präsentationsprogramm für Architekturfirmen gedacht. 2008 haben die beiden mich angesprochen, und wir trafen uns in einem Café. Der neue Ansatz hat mich begeistert und ich war sofort dabei. Wir haben Prezi ein Jahr später auf Englisch herausgebracht und gleich ein zweites Büro in San Francisco aufgemacht. Als Investoren konnten wir ACCEL Partners, Sunstone Capital und die TED Conferences gewinnen.

Wie genau funktioniert das Modell für die Anwender?

Wer hat's erfunden?Die innovative Präsentationssoftware Prezi wurde 2007 von dem ungarischen Künstler Adam Somlai-Fischer und dem Informatiker Péter Halácsy entwickelt. 2008 stieß der schwedisch-ungarische Jungunternehmer Peter Arvai als Firmenchef dazu. Im März 2009 stellte die junge Firma das Programm Prezi der Öffentlichkeit vor. Inzwischen gilt sie nicht mehr nur als Geheimtipp für gelungene Präsentationen: sie werden regelmäßig etwa bei TED-Konferenzen eingesetzt sowie für Keynotes bei großen Konferenzen. Der Hauptsitz befindet sich in San Francisco. Die über 230 Mitarbeiter stammen aus 26 Nationen. Weitere Informationen finden Sie hier.

Das Geschäftsmodell ist einfach: Jeder Nutzer kann das Tool gratis verwenden, solange er zustimmt, dass seine Präsentationen öffentlich sichtbar werden. Wer an Präsentationen arbeitet, die nicht für die Öffentlichkeit sind, muss ein jährliches Abonnement abschließen. Heruntergebrochen sind das je nach Komfortlevel zwischen fünf und 13 Dollar im Monat. Das funktioniert gut: Bislang gibt es über 45 Millionen registrierte Nutzer, mit weit über 100 Millionen veröffentlichten Prezis.

Wieviele Prezi-Fans gibt es in Deutschland?
Bis heute haben sich rund vier Millionen Nutzer registriert. Weltweit registrieren sich knapp 55.000 Anwender jeden Tag, und Deutschland gehört zu den Top-10-Prezi-Ländern. Seit September gibt es auch eine eigene deutsche Version.

Wie geht es weiter?
Ein wesentlicher Erfolgsschlüssel ist der plattformübergreifende Ansatz. Das heißt, Prezi erscheint auch als Anwendung für die Cloud, für den Desktop sowie für iPad und iPhone. Außerdem arbeiten wir daran, die Vernetzung und Zusammenarbeit zu verbessern. Wir werden noch mehr Collaboration-Tools für Gruppen, Teams und Unternehmen anbieten. Das Ziel soll sein, als Team an einem gemeinsamen Prezi-Projekt zu arbeiten.

"Werden Sie zum Geschichtenerzähler!" Räumlich Denken ist das tägliche Geschäft der Prezi-Mitarbeiter. Hunderte Prezi-aner tüfteln wie hier in ihrem Großraumbüro in Budapest an der Software, um sie zu verbessern. (© 2014 Prezi)

 

Was liegt Ihnen bei Prezi am Herzen?
Es ist die Vision, dass wir Ideen weitergeben und teilen können. Damit können wir die Welt dramatisch verändern. Mit einer einzigen guten Idee lassen sich Millionen Menschen berühren und Großes in Bewegung setzen. Ob es eine bahnbrechende Erfindung ist oder die Bedeutung der Menschenrechte, wenn wir uns vernetzen und Ideen austauschen, sind wir glücklicher und haben mehr Empathie für andere. Ich persönlich genieße es, an einem Produkt zu arbeiten, das so viele Menschen inspiriert.

Verraten Sie uns Ihren wichtigsten Prezi-Tipp?
Werden Sie zum Geschichtenerzähler! Die besten Vortragenden sind großartige Geschichtenerzähler. Sie reichern ihren Vortrag mit bildhaften und glaubwürdigen Beispielen an. Begeistern Sie Ihre Zuhörer und nehmen Sie sie mit auf eine Reise.
Was bedeutet eigentlich Prezi?

Das Wort Prezi stammt lautmalerisch aus dem ungarischen für "Präsentationen". Anders als bei herkömmlichen Programmen wie PowerPoint oder Keynote, arbeitet Prezi nicht mit Folien, die nacheinander aufgerufen werden. Inhalte werden stattdessen in einem einzigen Bild beliebiger Größe angeordnet – so gleicht Prezi einer Pinnwand ohne Grenzen. Präsentationen funktionieren wie Kamerafahrten mit beliebigen Schwenks und Zooms.

Weil Prezi vorwiegend bildlich und räumlich arbeitet, lassen sich schnell verblüffend lebendige Vorträge umsetzen. Die Software ist cloud-basiert und funktioniert daher auf vielen verschiedenen Geräten. Neben den Versionen in Deutsch und Englisch ist Prezi inzwischen auch auf Japanisch, Koreanisch, Französisch, Portugiesisch und Spanisch verfügbar. Bereits seit dem ersten Geschäftsjahr steht Prezi finanziell auf eigenen Beinen, ohne auf die Investorengelder zurückgreifen zu müssen.