Geoblocking: Webseiten nicht zugänglich

Der grenzüberschreitende Onlinehandel in Europa ist empfindlich eingeschränkt. Schuld daran sind unter anderem unterschiedliche Rechtsvorschriften in den EU-Mitgliedsstaaten und das sogenannte Geoblocking. Dadurch können Videos, Musik, aber auch Webseiten teils nur in bestimmten EU-Ländern aufgerufen werden.

Die für Wettbewerbspolitik zuständige EU-Kommissarin Margrethe Vestager will nun die Barrieren im Onlinehandel beseitigen und dafür das Wettbewerbsrecht reformieren. Vestager sagte im Rahmen der Internationalen Kartellkonferenz in Berlin:

"Es ist höchste Zeit, die verbleibenden Hindernisse für den elektronischen Handel aus dem Weg zu räumen, denn dieser ist ein wichtiger Teil des digitalen Binnenmarktes."

Derzeit kaufen laut EU-Kommission nur 15 Prozent der Verbraucher online Waren aus anderen EU-Staaten. Hohe Versandkosten und nationale Schranken sind die Ursache, weshalb dieser Anteil nicht höher ist. Zum Vergleich: 44 Prozent nutzen den Onlinehandel in ihrem Heimatland. Das Ziel der EU ist klar: Das Einkaufen im Internet soll dank einer neuen Wettbewerbspolitik über Ländergrenzen hinweg einfacher gestaltet werden.

Vestager will bei der Ausarbeitung des neuen Wettbewerbsrechts auch die Erfahrungen der Onlinehändler, Rundfunkanstalten und Onlinepreisvergleichsportale berücksichtigen. Sie sollen schon bald einen Fragebogen zugeschickt bekommen. Die EU-Kommissarin erwartet Mitte 2016 erste Ergebnisse der Befragung.

Wettbewerbsrecht: Big Player aus den USA profitieren

Viele Teilnehmer der Kartellkonferenz in Berlin waren sich zudem einig, dass das bestehende Wettbewerbsrecht eine Monopolbildung auf den digitalen Märkten nicht verhindern konnte. Internetriesen wie Amazon, Google & Co. dominieren die jeweiligen Sparten und lassen für andere nur Brosamen übrig.

Mathias Döpfner, Vorstandsvorsitzender von Axel Springer, forderte in diesem Zusammenhang, dass für US-Amerikaner und Europäer bei Firmenübernahmen dieselben Wettbewerbsregeln gelten müssten.  Mit der Übernahme von WhatsApp baut Facebook laut Döpfner ein Social-Media-Monopol auf. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC hatte den Kauf im vergangenen Jahr ohne Auflagen genehmigt.

Erschwerend hinzu kommt, dass Big Player wie Amazon weniger Steuern bezahlten als deutsche Onlinehändler.

Big Data entscheidend für Unternehmenserfolg

Darüber hinaus ist die Erhebung und Auswertung großer Datenmengen für den Onlinehandel entscheidend, um die zukünftigen Bedürfnisse der Märkte und Kunden zu kennen.  Auch hier haben die US-Amerikaner die Nase vorn: In Europa gibt es noch vergleichsweise wenig erfolgreiche Unternehmen, die Big Data für ihre Zwecke nutzen. Zudem gibt es in der EU deutlich schärfere Datenschutzregelungen als in den USA. Auch das sollte sich durch ein reformiertes Wettbewerbsrecht im digitalen Binnenmarkt ändern.

 

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