Goldman Sachs schickt All-Nighter ins Bett

Durcharbeiten bis sechs Uhr morgens – für Praktikanten ein probates Mittel, um sich in der Investmentbanking-Szene einen Namen zu machen. Geht es nach Goldman Sachs, soll mit Nachtschichten nun aber Schluss sein: Nach 17 Stunden Arbeit wird der Nachwuchs ins Bett geschickt – zwischen 00.00 und 07.00 Uhr morgens herrscht bei dem Finanzdienstleister Nachtruhe, so ein Sprecher zur Nachrichtenagentur "Reuters".

Die neue Work-Life-Policy von Goldman Sachs kommt pünktlich zum Praktikumsstart: Auch diesen Sommer treten wieder 3.000 junge Menschen an, um für den Finanzdienstleister zu arbeiten. Reich werden dabei nicht alle. Doch diejenigen, die im Anschluss an das Praktikum eine der begehrten Anstellungen bekommen, haben praktisch ausgesorgt.

Karōshi: Wie junge Investmentbanker sich totarbeiten

Für den Topf voll Gold ist manch ein Nachwuchsbanker bereit, alles zu geben – im wahrsten Sinne des Wortes. So auch Moritz Erhard: Der Praktikant bei der Bank of America Merrill Lynch arbeitete sich im Sommer 2013 vermutlich zu Tode. Drei Tage hintereinander soll der ehrgeizige Jüngling bis sechs Uhr morgens durchgearbeitet haben. Am Tag vier wurde er morgens tot in der Dusche aufgefunden, so der "Spiegel".  Merrill Lynch hat aus dem tragischen Vorfall Konsequenzen gezogen: Praktikanten sind dazu angehalten, an mindestens vier Wochenendtagen im Monat frei zu nehmen.

Tod durch Arbeit. Was in Europa für Entsetzen sorgt, gehört in Japan fast zum Alltag. Karōshi wird das Phänomen genannt, dem im fernen Osten jährlich hunderte Menschen zum Opfer fallen. Meist sind es Männer zwischen 30 und 40 Jahren, die infolge von Überarbeitung einen Herz- oder Hirninfarkt erleiden oder sich das Leben nehmen, so die "taz". Das Übermaß an Arbeit ist nur zum Teil strukturell bedingt. Zwar hat Japan nach Korea die höchste Anzahl an Überstunden und den geringsten Jahresurlaub. Oftmals verzichten die Angestellten jedoch freiwillig auf die Hälfte ihres Jahresurlaubs.

Weiterführende Links:

  • Karōshi ist in Deutschland zum Glück kein Thema. Aber Burnout. Wie Führungskräfte sich davor schützen können, lesen Sie bei mDM.
  • 17-Stunden-Tage? Nein danke. Der Trend geht zur Wahlarbeitszeit. Welche flexiblen Arbeitszeitmodelle es gibt, lesen Sie hier.