Das selbstfahrende Auto, das schnelle Live-Streaming, der Roboter in der Fabrikhalle. Sie alle sollen künftig von 5G profitieren. Mit dem neuen Mobilfunkstandard verbinden sich große Hoffnungen. „Aber 5G ist nicht die Allzweckwaffe für alles“, sagte Telekom-Technologie-Vorstand Claudia Nemat, auf dem Telekom-Digitalisierungsgipfel DIGITAL2018. Der neue Kommunikationsstandard sei vor allem dafür da, zuverlässig hohe Kapazitäten und geringe Reaktionszeiten bis zu einer Millisekunde zur Verfügung zu stellen. Aber wer braucht solch geringe Latenzzeiten? Das Internet of Things – also vor allem große Industrieplattformen, die etwa riesige Chemieanlagen steuern. Auch große Verkehrsknotenpunkte profitieren vom hohen Tempo von 5G. Dem normalen Smartphone-Nutzer dagegen wird auch künftig der heute gebräuchliche LTE-Standard vollauf genügen.

Was 5G leistet

5G ist der Kommunikationsstandard für eine Welt, in der sich die Dinge und wir untereinander in Echtzeit verbinden. 5G liefert eine effektive, sichere und skalierbare Technologie. Eine entscheidende Voraussetzung, wenn 2020 geschätzte 20 Milliarden Dinge miteinander vernetzt sind.

„Heutige Netze sind dumm“

Mit 5G sind Übertragungsbandbreiten von theoretisch zehn Gigabit/s möglich. Aber 5G-Netze sind nicht nur schneller, sondern vor allem intelligenter als ihre Vorgänger. „Heutige Netze“, sagt Nemat, „sind dumm“. Schlau heißt etwa: 5G-Netze berücksichtigen, dass nicht jede zu transportierende Information gleich wichtig ist, die gleiche, hohe Bandbreite benötigt oder nicht alles gleich schnell angesprochen werden muss. Steuert ein Roboter eine Maschine, braucht er dafür eine geringere Reaktionszeit, als wenn die Tochter über Whatsapp mitteilt, dass sie abends später heimkommt. Dieses so genannte Network Slicing funktioniert ausschließlich in 5G-Netzen: Eine Netzschicht stellt dann etwa viel Bandbreite zum Streamen von Videos bereit, eine andere ist besonders reaktionsschnell und lässt sich zur Vernetzung von Autos einsetzen.

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5G-Mythen und der Faktencheck

Auch Telekom-Chef Timotheus Höttges stellte auf der DIGITAL2018 fest, dass „5G in einer Art und Weise gehypt wird, die mit den wirklichen Leistungen des neuen Mobilfunkstandards in keinem Verhältnis steht.“ Höchste Zeit also, um mit den immer wieder auftauchenden 5G-Mythen aufzuräumen.

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1. 5G ist die Voraussetzung für das autonome Fahren

Acht-Punkte-Plan für 5G

Mit einem Acht-Punkte-Plan will die Telekom die Digitalisierung in Deutschland voranbringen. Wichtiger Bestandteil: eine leistungsfähige Mobilfunkinfrastruktur. Bis 2020 will die Telekom 99 Prozent der Bevölkerung mit 50 Mbit/s ausrüsten und bis Ende 2022 die Leistung auf 100 Mbit/s verdoppeln. Bis 2025 möchte der Konzern zudem 99 Prozent der Bevölkerung und rund 90 Prozent der Fläche mit 5G versorgen. Die Telekom-Netze sind schon bereit für 5G. Der Konzern besitzt mit 500.000 Kilometer Länge das größte Glasfasernetz in Deutschland; jedes Jahr verlegt er weitere 60.000 Kilometer Glasfaser. Rund 22.000 Mobilfunkstationen sind an das Breitband-Netz angeschlossen und damit 5G-fähig.

 „Bremst das Auto wirklich nur, wenn es vorher die Cloud gefragt hat? Oder heißt das Auto autonom, weil es autonom ist?“, fragte Höttges seine Zuhörer auf der DIGITAL2018. Eine rhetorische Frage: Kein Wagen beschleunigt oder stoppt, nur weil ein 5G-Netz vorhanden ist. Solche Vorgänge werden auch künftig im Wagen selbst gesteuert. Autonomes Fahren braucht breitbandige Mobilfunk-Technologien wie LTE und 5G, die zentimetergenaue Positionsbestimmungen ermöglichen und geringe Latenzzeiten bieten. 5G ist aber nicht die einzige Basistechnologie für das autonome Fahren. Auch schmalbandige Funktechnologien wie Narrowband sind unerlässlich.

2. 5G stopft die Funklöcher

Schön wäre es. Aber dafür ist die Ultrakurzwelle leider nicht geeignet. Damit Mobilfunkverbindungen auch unterwegs nicht abbrechen, baut die Telekom jedes Jahr mehr als 2.000 neue Mobilfunk-Standorte. Heißt: insgesamt 20.000 Antennen mehr für Deutschland.

3. Mit 5G werden die älteren Mobilfunkstandards abgeschaltet

Nein, die Vorläufertechnologien bleiben erhalten. Telekommunikationsunternehmen wie die Telekom setzen auf einen Technologiemix. Bedeutet: Die Qualität von 5G hängt sogar entscheidend von 4G ab. Denn 4G (LTE) entlastet 5G. Für viele Anwendungen reicht LTE nämlich völlig aus – zum Beispiel für die Multimedia-Nutzung, für den Internet-Zugriff oder die Messaging/E-Mail-Kommunikation. 4G-Netze können sich zudem schrittweise in Richtung 5G weiterentwickeln – schon heute gibt es schnelle 4G-Ausbaustufen wie „LTE Advanced“.

4. 5G ist vom Glasfaserausbau unabhängig

Die Cloud – Basis für 5G

Ohne IT aus Rechenzentren kommerzieller Anbieter kein 5G: Die Cloud gilt nicht umsonst als unverzichtbare Basis der Digitalisierung. Mit der Open Telekom Cloud bietet die Telekom flexible Rechen- und Speicherressourcen aus mehrfach zertifizierten Rechenzentren, die der Provider selbst in Sachsen-Anhalt betreibt.

Die Funkradien des 5G-Netzes sind kleiner als die derzeit bestehender Netze. Deshalb müssen die Telekommunikationsunternehmen sehr viele Funkzellen errichten. Nur dann können die Nutzer das volle Potenzial von 5G wirklich ausschöpfen. Hier übernimmt das Glasfasernetz eine wichtige Funktion: Denn das Breitband verbindet die 5G-Basisstationen miteinander. Nur so kann das 5G-Netz verlässlich funktionieren.

5. 5G ist gleichbedeutend mit Digitalisierung

Natürlich ist 5G eine wichtige Grundlage für die Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und als Basis für das Internet of Things oder für Virtual- und Augmented-Reality-Anwendungen von großem Wert. Klar kann mit 5G die Digitalisierung der Unternehmen also weiter Fahrt aufnehmen – aber die Initiative dazu muss von den Betrieben selbst kommen. Kreativität, Unternehmertum und digitales Know-how ihrer Mitarbeiter sind weiter gefragt. Denn 5G ist nur so gut wie das, was Wirtschaft und Gesellschaft daraus machen.

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