Arbeitgeber-Bewertung: Nicht mehr wegzudenken

Arbeitgeber-Bewertungsportale wie Kununu, Glassdoor, Meinchef, Jobvoting oder Bizzwatch sind bei Unternehmen oft nicht gerade beliebt, aber aus dem Geschäftsleben genauso wenig wegzudenken wie die Bewertung von Urlaubshotels oder Onlineshops. Immer mehr Mitarbeiter nutzen diese Möglichkeit zur Benotung ihres Chefs oder Betriebs. Und auch Mittelständler finden sich mehr und mehr bei den bewerteten Unternehmen.

Oft sind die geposteten Beiträge negativ und können für die Beurteilten sogar ruf- oder geschäftsschädigend sein. Das ist ein großes  Problem. Wie also damit umgehen? Einfach ignorieren? Den Eintrag kommentieren? Einen Anwalt einschalten?

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Zunächst einmal: Kein Unternehmen kann  verhindern, auf einer Plattform mit Arbeitgeber-Bewertungen aufzutauchen. Die dort veröffentlichten Beiträge sind durch die Meinungsfreiheit geschützt. Sofern sie sachlich richtig sind, muss ein Arbeitgeber sie dulden. Aber er kann die Plattformen auch für sich nutzen.

1. Gut informiert ist halb gewonnen

Jedes Unternehmen sollte wissen, ob überhaupt Arbeitgeber-Bewertungen zu ihm existieren und die Inhalte gegebenenfalls kennen. Empfehlenswert ist daher, die bekanntesten Arbeitgeber-Bewertungsportale regelmäßig zu überprüfen oder – falls möglich – sich bei neuen Bewertungen automatisch informieren lassen. Ein Arbeitgeber sollte solche Einschätzungen nicht unterschätzen, gerade auch im Hinblick auf den zunehmenden Kampf um Fachkräfte. Potenzielle Bewerber nutzen nämlich auch Arbeitgeber-Bewertungen zur Information – und lassen sich davon beeinflussen.

2. Möglichkeit zu Kommentaren nutzen

Auf vielen einschlägigen Plattformen kann das aufgeführte Unternehmen die Arbeitgeber-Bewertung kommentieren. Der Aufwand lohnt sich, wenn damit ein schlechter Eindruck neutralisiert oder sogar in einen positiven umgemünzt wird. Wie das geht? Zum Beispiel, indem angesprochene Kritik aufgenommen, eventuell richtiggestellt und eine mögliche Lösung vorgestellt wird. Das Unternehmen vermittelt damit seine Kultur nach außen: So gehen wir mit sachlicher Kritik um.

3. Für positive Einträge sorgen

Arbeitgeber-Bewertungen fallen häufig kritisch aus, auch weil zufriedene Arbeitnehmer oft gar nicht auf die Idee kommen, eine Bewertungs-Plattform zu nutzen. Es kann sich daher lohnen, Mitarbeiter und Bewerber bei passender Gelegenheit auf diese Möglichkeit hinzuweisen und so den negativen Einträgen nicht das Feld zu überlassen.

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4. Gegen falsche oder beleidigende Einträge vorgehen

Eine falsche oder beleidigende Arbeitgeber-Bewertung ist nicht mehr durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Das Unternehmen kann sich dagegen wehren, indem es den Urheber abmahnt und Unterlassung fordert. Erschwert wird dies allerdings dadurch, dass viele Einträge anonym erfolgen. In diesem Fall muss zunächst der Portalbetreiber mit Hinweis auf die Rechtswidrigkeit aufgefordert werden, die falsche Arbeitgeber-Bewertung zu entfernen. Löscht er nach diesem Hinweis den Eintrag nicht, haftet er nun selbst und kann abgemahnt werden.

Passiert danach noch immer nichts, bleiben die einstweilige Verfügung und die Klage. Da jedoch eine Klage viel zu lange dauern würde, ist die einstweilige Verfügung die bessere Wahl. Sie wird im Beschlusswege erlassen, häufig schon innerhalb eines Tages. Kommt das Portal der Aufforderung zur Löschung der Arbeitgeber-Bewertung weiterhin nicht nach, wird ein Ordnungsgeld erhoben.

Arbeitgeber-Bewertung: fünf Tipps für den Umgang Nicht immer fallen die Bewertungen so positiv für einen Arbeitgeber aus. Aber gegen falsche negative Behauptungen lässt sich etwas tun. (© 2018 Shutterstock / Black Salmon)

Es empfiehlt sich allerdings genau zu prüfen, ob der Inhalt der Arbeitgeber-Bewertung den Einsatz dieser Mittel rechtfertigt. In weniger gravierenden Fällen kann es durchaus ratsam sein, den Eintrag zu ignorieren und nicht weiter aufzubauschen.

5. Mitarbeitergespräch suchen

Hat ein aktiver Mitarbeiter einen falschen Bewertungseintrag geschrieben, kann der Arbeitgeber ihn theoretisch zur Rechenschaft ziehen. Theoretisch deswegen, weil die Beweislage in der Praxis häufig schwierig ist. Was ist durch das Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt? Wo ist die Grenze zur Schmähkritik überschritten?

Fachleute raten in solchen Fällen daher zu einem persönlichen Gespräch mit dem Mitarbeiter. Vielleicht erfolgte der Eintrag ja spontan aus einem akuten Ärger heraus und der Urheber bereut den Schritt bereits? Dann kann der Eintrag gelöscht werden und einer weiteren Zusammenarbeit steht nichts im Wege. Andernfalls hilft oft nur die Trennung – per Kündigung oder Aufhebungsvertrag.

Checkliste: Mit Arbeitgeber-Bewertungen richtig umgehen

  • Arbeitgeber-Bewertungsportale auf Einträge zum eigenen Unternehmen prüfen.
  • Einträge kommentieren und Darstellungsmöglichkeit nutzen.
  • Mitarbeiter zu positiven Einträgen motivieren.
  • Falsche oder beleidigende Aussagen löschen lassen.
  • Mit unzufriedenen Mitarbeitern reden.