Wie ein Arbeitsunfall definiert ist

Wenn Beschäftigte bei der Ausübung ihres Jobs verunglücken, dann erleiden sie einen Arbeitsunfall. Das gilt auch für ähnliche Missgeschicke auf einer Dienstreise, beim Betriebssport oder bei Betriebsausflügen und -feiern. Davon zu unterscheiden ist der Wegeunfall. Der passiert nur auf direktem Weg zur oder von der Arbeit. Für beide Varianten haftet die gesetzliche Unfallversicherung.

Und das ziemlich oft. Allein im Jahr 2014 ereigneten sich mehr als 860.000 meldepflichtige Malheure mit Verletzungsfolge bei der Arbeit. Diese Zahl meldet die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV). Die weitaus häufigste Ursache für körperliche Verletzungen am Arbeitsplatz: Ein Kollege stolpert, rutscht aus oder stürzt. Andere Unglücksraben bedienen Maschinen falsch oder verheben sich an schweren Gegenständen.

Mitarbeiter richtig schützen

Anders als die Kranken- und Rentenversicherung fällt die gesetzliche Unfallversicherung in Ihren Aufgabenbereich. Bestimmt haben Sie Ihren Betrieb pflichtbewusst bei einer Berufsgenossenschaft oder einem anderen zuständigen Unfallversicherungsträger angemeldet. Damit Arbeitsunfälle möglichst selten vorkommen, müssen Sie außerdem ein Mindestmaß an Vorkehrungen treffen – so will es das Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG).

Wer nach einem Arbeitsunfall hilft

Was aber tun, wenn Kollege Schmidt im Lager gerade von der Leiter gekippt ist? Erste Anlaufstelle sind die ausgebildeten Ersthelfenden im Betrieb: Bei mehr als 20 Versicherten müssen mindestens fünf Prozent der Belegschaft einen Erste-Hilfe-Lehrgang besucht haben. Die Teilnahme an derartigen Fortbildungen ist in der Regel freiwillig. Ist die Situation besonders schlimm, rufen Sie natürlich einen Krankenwagen.

Was ist bei mittelschweren oder leichten Fällen zu tun? Gehen Sie auf Nummer sicher und schicken Sie den Unglücksraben zum Durchgangsarzt. Damit das reibungslos funktioniert, hängen Sie an einer gut sichtbaren Stelle aus, wo der Mediziner zu finden ist.

Was kann solch ein Spezialist? Er oder sie ist ein Facharzt der Chirurgie oder Orthopädie und verfügt über eine unfallmedizinische Ausbildung. Der Fachmann beziehungsweise die Fachfrau ist zudem zuständig:

  • Wenn abzusehen ist, dass die Arbeitsunfähigkeit über den Unfall hinausführt. Der Pechvogel muss dann nach der ersten Notfallbehandlung ein weiteres Mal zum entsprechenden Durchgangsarzt.
  • Wenn die notwendige ärztliche Behandlung voraussichtlich länger als eine Woche dauert oder Heil- und Hilfsmittel zu verschreiben sind.

Nicht vergessen: Halten Sie Erste-Hilfe-Leistungen schriftlich fest – beispielsweise in einem Verbandbuch oder einer Kartei. Die Dokumentation dient als Nachweis, dass der Arbeitsunfall während einer versicherten Tätigkeit geschah. Laut der gesetzlichen Unfallversicherung VBG gehören in der Aufzeichnung folgende Punkte:

  • Ort, Zeit und Hergang des Unfalls
  • Art und Umfang der Verletzung
  • Angewandten Erste-Hilfe-Maßnahmen, sowie die Namen der Ersthelfenden
  • Name des Verletzten beziehungsweise Erkrankten
  • Namen von Zeugen

Wissenswertes rund um die Unfallanzeige

Ist die Verletzung so gravierend, dass der Betroffene mehr als drei Tage arbeitsunfähig ist, müssen Sie den Arbeitsunfall dem Unfallversicherungsträger melden. Dazu füllen Sie in aller Regel ein Formular aus, die sogenannte Unfallanzeige. Womöglich geht das bei Ihrer Berufsgenossenschaft oder Unfallkasse auch online. Ansonsten senden Sie ein Exemplar des Fragebogens per Post an den zuständigen Unfallversicherungsträger.

Eine Kopie davon behalten Sie zur Dokumentation in Ihrem Unternehmen. Und sofern vorhanden, bekommt noch der Betriebsrat eine Ausfertigung. Darüber hinaus hat auch der verunglückte Mitarbeiter das Recht auf ein Duplikat der Unfallanzeige, wie der DGUV informiert. Als Chef sind Sie dazu verpflichtet, Ihren Untergebenen auf den Anspruch hinzuweisen.

Versicherungsfall: ja oder nein?

Im nächsten Schritt prüft die Unfallversicherung, ob Versicherungsschutz besteht und wenn ja, in welchem Umfang dieser gewährleistet werden kann. Nicht immer ist ein Arbeitsunfall automatisch ein Versicherungsfall.

Ein Beispiel: Hat Ihr verletzter Mitarbeiter nicht die vorgeschriebene Schutzkleidung getragen, so muss er wahrscheinlich selbst für die finanziellen Folgen seines gesundheitlichen Schadens aufkommen. Das Gleiche gilt übrigens für Unfälle, die Ihrem Beschäftigten bei privaten Tätigkeiten während der Arbeitszeit widerfahren.

Auch in puncto Wegeunfall haftet nicht immer die gesetzliche Unfallversicherung: Ein Antrag auf Kostenübernahme kann abgelehnt werden, wenn Ihr Mitarbeiter auf der Fahrt zur Arbeit oder auf der Heimreise einen Umweg gemacht hat. Dafür genügt schon ein kurzer Abstecher ins nächste Kaufhaus.

Rufen Sie daher Ihre Belegschaft unbedingt zur Beachtung innerbetrieblicher Schutzanweisungen auf und machen Sie ihr grundsätzliche Sicherungsmaßnahmen klar.

Weiterführende Links:

  • Ein Arbeitsunfall kann sie das Leben kosten: Deshalb ist ein Sicherheitstraining für Höhenarbeiter Pflicht. Viele Arbeitnehmer und Arbeitgeber missachten die Gesetze jedoch…
  • Was tun, wenn der Chef krank ist? Vier Tipps fürs Succession Planing.