Dürfen Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit verkürzen?

Ja, gemäß § 8 Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) dürfen Beschäftigte ihre Arbeitszeit verkürzen, wenn sie länger als sechs Monate in einem Unternehmen beschäftigt sind, das mehr als 15 Arbeitnehmer hat – exklusive Auszubildende.

Die Arbeitnehmer müssen die Verringerung der Arbeitszeit spätestens drei Monate vor Beginn der angestrebten Verkürzung anmelden. Vorgesetzte können den Wunsch allerdings ablehnen, wenn betriebliche Gründe dagegen sprechen. Das wäre zum Beispiel so, wenn die verkürzte Arbeitszeit den Arbeitsablauf oder die Sicherheit im Unternehmen wesentlich beeinträchtigen würde.

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Akzeptiert die Geschäftsführung den Antrag, dann muss ein neuer Arbeitsvertrag aufgesetzt werden. Der Arbeitnehmer erhält dann einen Teilzeitvertrag.

Brückenteilzeit ab 2019

Die Umkehrung der Änderung, also eine erneute Vollzeitbeschäftigung, war lange zwar möglich, aber weder einfach noch garantiert. Das ändert sich ab 2019 mit der neuen Brückenteilzeit. Damit steigen unter bestimmten Bedingungen die Chancen für die Rückkehr in eine Vollzeitbeschäftigung – und zwar innerhalb eines Zeitraums zwischen einem und fünf Jahren. Diese Frist muss allerdings vor dem Wechsel in Teilzeit festgelegt werden. Weitere Voraussetzungen:

  • Das Unternehmen hat mehr als 45 Beschäftigte.
  • Das Arbeitsverhältnis der Brückenteilzeitkandidaten muss seit mindestens sechs Monaten bestehen.
  • Der Antrag auf Teilzeit ist spätestens drei Monate vor der gewünschten Umstellung schriftlich (E-Mail möglich) beim Arbeitgeber einzureichen.

Für Unternehmen mit 46 bis zu 200 Mitarbeitern gilt eine Einschränkung. In ihnen muss je 15 Beschäftigte nur jeweils ein Antrag auf befristete Teilzeit genehmigt werden.

Dürfen Arbeitgeber die Arbeitszeit verkürzen?

Die Anzahl der Arbeitsstunden ist im Arbeitsvertrag festgelegt. Daran darf die Unternehmensführung nicht einseitig rütteln. Es sei denn, dass eine flexible Arbeitsstundenzahl vereinbart wurde. Dann ist der Arbeitgeber berechtigt, die Arbeitszeit zu verkürzen. Allerdings nicht nach Belieben. So darf die aktuelle Arbeitszeit nicht um mehr als 20 Prozent reduziert werden. Wenn ein Angestellter also 40 Stunden gearbeitet hat, darf sein Pensum – sofern eine Änderungsklausel im Vertrag besteht – nur auf minimal 32 Stunden verringert werden.

Und auch dann ist nicht klar, ob sich die Arbeitszeitverkürzung durchsetzen lässt, wie ein Beispiel aus der Praxis zeigt: Ein Kundenbetreuer klagte erfolgreich gegen die Kündigung des Arbeitsverhältnisses. Nach der Wiedereinstellung machte der Chef Gebrauch von der Änderungsklausel im individuell vereinbarten Arbeitsvertrag und reduzierte die Arbeitszeit des Angestellten von 40 auf 32 Stunden. Auch dagegen klagte der Arbeitnehmer und bekam abermals Recht.

Das Landesarbeitsgericht (LAG) Berlin-Brandenburg urteilte (Az.: 21 Sa 903/14), dass das Direktionsrecht des Arbeitgebers in diesem Fall keine Anwendung findet, da es nicht nach sogenanntem billigem Ermessen ausgeübt wurde. Das heißt, dass der Arbeitgeber dazu angehalten ist, auch die Interessen seiner Mitarbeiter zu berücksichtigen. In diesem Fall begründete der Chef die Arbeitszeitreduzierung mit einem Rückgang der Aufträge. Er erklärte dabei jedoch nicht, inwieweit sich dieser auf seine weiteren 370 Mitarbeiter auswirkte. Aus Mangel an ersichtlichen Gründen entschieden die Richter also zugunsten des Klägers.

Arbeitszeit verkürzen: Das ist rechtlich möglich Für die Arbeitszeitverkürzung müssen sich Arbeitgeber und Arbeitnehmer einig sein. (© 2018 Shutterstock / Bacho)

Besondere Form der Arbeitszeitverkürzung: Die Altersteilzeit

Bei der Altersteilzeit handelt es sich um eine besondere Form der Teilzeitarbeit im Alter. Die verkürzte Arbeitszeit soll einen gleitenden Übergang vom Erwerbsleben in die Altersrente ermöglichen. Dafür müssen Arbeitnehmer:

  • mindestens 55 Jahre alt sein
  • vor der Altersteilzeit mindestens drei Jahre sozialversicherungspflichtig gearbeitet haben
  • mindestens drei Jahre bis zum Renteneintritt vor sich haben

Allerdings besteht kein gesetzlicher Rechtsanspruch darauf. Arbeitnehmer und Arbeitgeber müssen sich darauf einigen. Es gibt unterschiedliche Modelle, die die Altersteilzeit regeln:

  • Beim Blockmodell wird in der ersten Hälfte der Altersteilzeit wie vor der Regelung weitergearbeitet. In der zweiten Hälfte erfolgt dann die Freistellung von der Arbeit. Das Modell hat sich in der Praxis durchgesetzt.
  • Bei der sogenannten "gleichmäßigen Reduzierung", wird über den gesamten Zeitraum der Altersteilzeit die Arbeitszeit halbiert.

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Die gesetzliche Grundlage für die Altersteilzeit bildet insbesondere das Altersteilzeitgesetz vom 23. Juli 1996.

Der Fünf-Stunden-Tag: Ein Zukunftsmodell?

Es geht aber auch anders: Der Unternehmer Stephan Aarstol hat den Fünf-Stunden-Tag eingeführt. Seine einzige Bedingung: Seine Mitarbeiter müssen dieselbe Arbeit in weniger Zeit erledigen – dafür gibt es das gleiche Gehalt. Die Rechnung ging tatsächlich auf. Seine Firma "Tower Paddle Boards" in San Diego musste keinen Umsatz einbüßen.

Damit befindet er sich Einklang mit der Wissenschaft: Forscher der Universität Melbourne fanden heraus, dass eine 25-Stunden-Woche für Erwerbstätige optimal ist.