Arbeitszeugnis schreiben – aber mit Wohlwollen bitte!

Gemäß § 109 Absatz 1 der Gewerbeordnung steht jedem abwandernden Mitarbeiter ein Arbeitszeugnis zu:

"Der Arbeitnehmer hat bei Beendigung eines Arbeitsverhältnisses Anspruch auf ein schriftliches Zeugnis. Das Zeugnis muss mindestens Angaben zu Art und Dauer der Tätigkeit (einfaches Zeugnis) enthalten. Der Arbeitnehmer kann verlangen, dass sich die Angaben darüber hinaus auf Leistung und Verhalten im Arbeitsverhältnis (qualifiziertes Zeugnis) erstrecken."

Hierbei sind zwei Aspekte entscheidend: Das Arbeitszeugnis muss wahrheitsgemäß und zugleich wohlwollend formuliert sein. Ansonsten hat der scheidende Kollege ein Recht darauf, positive Formulierungen einzuklagen, berichtet das Arbeiter-Magazin "careerbuilder". Hintergrund: 86,8 Prozent der ausgestellten Arbeitszeugnisse enthalten – in Code-Sprache – eine "gute" Einschätzung. Dies geht aus einer im Jahre 2010 veröffentlichten Personalstudie der Personalmanagement Service GmbH hervor. Bewerten Sie Ihren Angestellten nur mit "befriedigend", stehen Sie in der Beweispflicht. Andererseits sollten Sie Leistungen auch nicht positiv verfälschen.

Selbstverständlichkeiten gehören nicht ins Arbeitszeugnis

"Wohlwollend" bedeutet außerdem, dass Sie überflüssige Inhalte nicht ins Arbeitszeugnis schreiben. Beispiel: Dass eine Sekretärin besonders sicher im Umgang mit Word ist, wird in der Regel vorausgesetzt. Wird diese Selbstverständlichkeit dennoch im Zeugnis vermerkt, entsteht ein schlechter Eindruck – nach dem Motto: Das kann sie, mehr aber auch nicht.

Elternzeit: ja – Angaben zu Betriebsrat oder Gewerkschaft: nein

Bestimmte Informationen gehören nicht in ein Arbeitszeugnis. Ob ein Angestellter beispielsweise in Betriebsrat oder Gewerkschaft tätig war, darf nur auf ausdrücklichem Wunsch des Arbeitnehmers vermerkt werden. Auch der Verweis auf Krankheitsausfälle ist unrechtmäßig.

Anders verhält es sich, wenn Elternzeit in Anspruch genommen worden ist. Laut Urteil des Landesarbeitsgerichts (LAG) Köln (Az.: 4 Sa 114/12) darf diese vermerkt werden, weil dadurch keine Benachteiligung für den Arbeitnehmer entsteht.

Schlussformel nicht zwangsläufig notwendig

Ein qualifiziertes Arbeitszeugnis muss also nach einem bestimmten Aufbau gegliedert sein. Üblicherweise gestaltet sich dieser wie folgt:  Nach der Überschrift und Einleitung, die über das Eintrittsdatum des Mitarbeiters informiert, folgt die Aufgabenbeschreibung. Darauf schließt der wichtigste Part an: die Leistungsbeurteilung, gefolgt von der  Beurteilung des Sozialverhaltens.

Das Zeugnis schließt in der Regel mit einer Schlussformel, die den Abschied aus dem Beschäftigungsverhältnis begründet sowie Dankes-, Wunsch- und Bedauernsbekundungen enthält, ab. Laut Urteil des Bundesarbeitsgerichts (Az.: 9 AZR 227/11) hat der Arbeitnehmer allerdings keinen Anspruch auf diese Passage. Sie können die Schlussformel also getrost weglassen.

Aber: Grundsätzlich sollten Sie ein stimmiges Zeugnis schreiben. Ein "sehr gutes" Zeugnis, das keine Schlussformel enthält, wirkt schnell unglaubwürdig.

Weiterführende Links:

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