Zum Ausbildungsbetrieb werden: Nutzeffekte für KMU

Wann lohnen sich Azubis für KMU? Ganz einfach, (fast) immer. Ihr gesamtes Unternehmen kann profitieren, wenn Sie zum Ausbildungsbetrieb werden und den Nachwuchs fördern. Denn: Die Frischlinge reifen zu motivierten und qualifizierten Beschäftigten heran. Dabei nehmen Sie dem bösen Wort Fachkräftemangel jeglichen Schrecken, indem Sie Arbeitskräfte genau so formen, dass sie passgenau in Ihren Betrieb passen.

Sie sind noch nicht überzeugt? Dann kommen hier noch mehr Gründe, warum Ihr KMU zu einem Ausbildungsbetrieb werden sollte:

  • Azubis sind günstig.
  • Ein Azubi trägt schon während seiner Ausbildung zum Umsatz Ihres Unternehmens bei.
  • Mit einem Azubi vermeiden Sie auf lange Sicht gesehen Fehlbesetzungen, da Sie ihm zwei bis drei Jahre lang ganz genau auf die Finger schauen können.
  • Übernehmen Sie Ihren Azubi nach Abschluss seiner Ausbildung, können Sie im Vergleich zu einer Neueinstellung ordentlich Einarbeitungskosten sparen.

Doch damit nicht genug, denn wenn Sie Ausbildungsbetrieb werden, bedeutet auch, dass …

  • Sie Ihr Unternehmen automatisch verjüngen,
  • Sie sich frischen Wind in Ihr Unternehmen holen und
  • Sie einen Imagegewinn verbuchen.

So weit also zu den Vorteilen, von denen Sie als Ausbildungsbetrieb profitieren. Dabei sollten wir aber nicht aus den Augen verlieren, dass eine vernünftige Kalkulation trotzdem dringend notwendig ist, damit sich Ihr Azubi auch wirklich bezahlt macht.

Gut kalkulieren: Aufwände einer Ausbildung

Denn soll Ihr KMU zu einem Ausbildungsbetrieb werden, verursacht das natürlich zusätzliche Personalkosten: Gehälter, Sozialversicherungsbeiträge, Sozialleistungen und Ausbildungsvergütung wollen bezahlt werden und machen zusammen mehr als 85 Prozent der Ausbildungskosten aus.

So sollten Sie besser ganz genau rechnen, ob Sie sich Azubis leisten können. In Ihrer Kalkulation sollten auch die sogenannten Anlagen- und Sachkosten auftauchen. Schließlich müssen KMU für einen Azubi …

  • einen Arbeitsplatz beziehungsweise die nötige Ausstattung,
  • unter Umständen eine Lehrwerkstatt oder Übungsräume,
  • externe Lehrgänge und sogenannte überbetriebliche Ausbildungen sowie
  • Lehrmaterialien bezahlen.

Darüber hinaus steht am Ende der Ausbildung noch die Prüfung an. Während diese für den Azubi kostenfrei ist, tragen Sie als Ausbildungsbetrieb die Gebühren der jeweiligen Industrie- und Handelskammer. Wie hoch diese Kosten ausfallen, ist sehr unterschiedlich und sollte bei der zuständigen Stelle erfragt werden.

Sie sollten also im Kopf behalten, dass von Ihnen und Ihrem KMU Einsatz verlangt wird, wenn Sie Ausbildungsbetrieb werden und einen Azubi formen möchten. Und das in mehrerlei Hinsicht: Der junge Beschäftigte kostet Geld, Zeit und nicht zuletzt Geduld.

Denn Sie sollten bedenken, dass es am Anfang schon etwas dauern kann, bis Ihr Azubi die Arbeit nach Ihren Vorstellungen verrichtet. Hier sollten Sie aber nachsichtig sein: Das Vorrecht der Jugend ist nämlich letztlich, Fehler machen zu dürfen.

Die Eignung feststellen: Voraussetzungen für Azubis

Die Entscheidung, dass Sie Ausbildungsbetrieb werden, liegt aber nicht komplett in Ihrer Macht. Einige Voraussetzungen sind zum Beispiel im Berufsbildungsgesetz (BbiG) festgeschrieben. So müssen Sie etwa die betriebliche Eignung erfüllen ...

Das heißt, Fertigkeiten und Kenntnisse eines bestimmten Berufsbildes sollten in Ihrem Betrieb vermittelbar sein. Wie das in der Praxis aussehen sollte, hängt von Art und Umfang der Dienstleistung, des Sortiments und der Produktion ab, die es in Ihrem Unternehmen gibt, erläutert die IHK Nord Westfalen.

Darüber hinaus sollte die fachliche Eignung in KMU gegeben sein: Die Definition dafür ist im BbiG Paragraf 30 festgeschrieben. Grundsätzlich sollte der Ausbilder "die berufs- und arbeitspädagogischen Fertigkeiten, Kenntnisse und Fähigkeiten [besitzen], die für die Vermittlung der Ausbildungsinhalte erforderlich sind". Klingt sehr allgemein und sollte daher immer im Einzelfall geprüft werden.

Dann gibt es noch ganz spezielle Voraussetzungen in Handwerksbetrieben, die in der Handwerksordnung (HwO) verankert sind. Meister dürfen beispielsweise nur in dem Handwerk ausbilden, in dem sie ihre Meisterprüfung bestanden haben, beziehungsweise in einem mit diesem verwandten Handwerk.

Schließlich gibt es noch eine Faustregel zum Verhältnis zwischen Beschäftigten und Azubis. Firmen, die zu Ausbildungsbetrieben werden wollen, sollten in etwa vom Folgenden ausgehen:

  • Ein bis zwei Beschäftigte – ein Azubi
  • Drei bis fünf Beschäftigte – zwei Azubis
  • Sechs bis acht Beschäftigte – drei Azubis
  • Je drei weitere Beschäftigte – je ein Azubi mehr

In der Regel haben aber die zuständigen Stellen das letzte Wort.

Weiterführende Links:

  • Lesen Sie bei der Bundesagentur für Arbeit nach, welche Voraussetzungen Ihr Unternehmen erfüllen muss, wenn Sie Ausbildungsbetrieb werden und eine duale Ausbildung anbieten möchten.
  • Wenn Sie einen näheren Blick auf das Berufsbildungsgesetz (BbiG) werfen wollen, dann werden Sie hier fündig.