Barrierefreie Website: Überschaubarer Aufwand – viele Vorteile

Die Zahl der Internetnutzer steigt kontinuierlich. Das bedeutet, dass Webseiten zunehmend auch von Menschen genutzt werden, die in der einen oder anderen Form mit Einschränkungen leben. Online und offline werden diese Menschen bei der Nutzung von Angeboten behindert und bleiben nicht selten außen vor.

Doch warum sollte man Menschen mit Einschränkungen nicht mitnehmen? Eine barrierefreie Website erweitert Ihr Angebot für einen größeren Nutzerkreis. Außerdem helfen Sie mit barrierefreien Seiten auch der Suchmaschine. Sie schlagen also sprichwörtlich zwei Fliegen mit einer Klappe.

Barrieren, die einschränken

Diejenigen Einschränkungen, die Menschen im Alltag vor Herausforderungen stellen, führen auch zu Schwierigkeiten bei der Nutzung von Online-Angeboten. Barrierefreies Webdesign sollte auf verschiedene Arten von Behinderungen eingehen:

  • Blindheit und Sehbehinderung
  • Schwerhörigkeit und Gehörlosigkeit
  • Motorische Einschränkung
  • Lernbehinderung

Ein paar Beispiele: Blinde und sehbehinderte Menschen können Webseiten ohne entsprechende Einstellungen so gut wie gar nicht nutzen. Für Gehörlose sind Audioinhalte, von denen es keine Textversion gibt, unbrauchbar. Menschen mit motorischen Einschränkungen verzweifeln an unstrukturierten Seiten, Personen mit Lernbehinderung an unnötig komplizierten Artikeln und Beschreibungen.

Wahrnehmbar, bedienbar, verständlich

Eine barrierefreie Website zu erstellen, ist kein Hexenwerk. Zwei Eigenschaften erleichtern den Weg dorthin allerdings ungemein: Empathie und technisches Verständnis. Wenn Sie sich in Menschen mit Einschränkungen hineinversetzen können, entwickeln Sie praxistaugliche Lösungen. Und technisches Know-how hilft Ihnen beim Umsetzen Ihrer Ideen.

Bei der Lösungssuche müssen Sie selbstverständlich nicht bei null anfangen. Orientieren Sie sich an den Web Content Accessibility Guidelines (kurz WCAG, deutsch „Richtlinien für barrierefreie Webinhalte“).

Die zuletzt 2008 überarbeiteten Empfehlungen der Web Accessibility Initiative (WAI) und des World Wide Web Consortium (W3C) sind logisch aufgebaut und bestehen aus vier Ebenen:

  • 4 Prinzipien
  • 12 Richtlinien
  • 61 Erfolgskriterien
  • unzählige Techniken

Die vier Prinzipien der Guidelines sind Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, Verständlichkeit und Robustheit. Doch was bedeuten diese Prinzipien konkret? Die Anforderungen an Barrierefreiheit lassen sich am besten an Beispielen verdeutlichen.

Sehbehinderte und blinde Menschen benötigen etwa kontrastreiches Design und Bilder mit Alternativtext. Beschreiben Sie möglichst präzise und zugleich kurz und knapp, was auf einem Bild oder in einer Grafik zu sehen ist.

Menschen mit Hörproblemen freuen sich, wenn Sie Audioinhalte auch in einer Textvariante anbieten. Fügen Sie Ihren Videos Untertitel hinzu. Das gilt für alle Kanäle Ihrer Kommunikation, egal ob Website oder YouTube-Channel.

Menschen mit motorischen Einschränkungen bedienen ihren Computer häufig nur über eine Tastatur. Hier hilft eine klare Struktur der gesamten Website wie auch jeder einzelnen Seite. Zeichnen Sie Navigation, Seitenkopf, Hauptspalte und Fußbereich eindeutig aus. Auf Unterseiten sollte jede Überschrift, jeder Absatz, jede Tabelle eindeutig als solche definiert sein. Auf diese Weise kann Software eingeschränkte Nutzer unterstützen.

Eine gute Struktur ist aber nur die halbe Miete. Verständliche Inhalte sind ebenso wichtig. Niemand liest gerne komplizierte Texte, Menschen mit kognitiven Einschränkungen erreichen Sie mit schlecht formulierten Texten gar nicht. Je nach Zielgruppe ist es angebracht, die Website oder Teile davon in Leichter Sprache anzubieten.

Auch Suchmaschinen sind eingeschränkt

Ein guter Zeitpunkt, um die eigene Seite in eine barrierefreie Website umzuwandeln, ist ein anstehender Relaunch. Bei dieser Gelegenheit können Sie auch prüfen, ob Ihr derzeitiges Content Management System (CMS) das Erstellen von barrierefreien Seiten gut unterstützt.

Eine durchgehend barrierefreie Website nutzt nicht nur Menschen mit Einschränkungen, sondern auch Suchmaschinen. Und von einem suchmaschinenoptimierten Angebot profitiert Ihr Geschäft. Eine barrierefreie Website sorgt also für eine Win-Win-Win-Situation.

Von Alternativtexten für Fotos und Grafiken haben nicht nur Sehbehinderte etwas, sondern auch Google. Die Suchmaschine muss den Bildinhalt ja irgendwie auswerten können. Ähnlich verhält es sich mit Videos. Wie soll eine Maschine ein Video anschauen und die darin enthaltenen Informationen verstehen? Helfen Sie der Software mit einem aussagekräftigen Titel, passenden Schlagworten und einer eindeutigen Beschreibung.

Verzichten Sie außerdem Menschen und Suchmaschinen zuliebe auf Spielereien wie Flash-Inhalte. Flash ist nicht barrierefrei und für Google und Co. auch schwer zu erfassen. Anregendes Design ist auch ohne Flash und ähnliche Technologien möglich.

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