Neuorientierung kann erfolgreicher machen

Die berufliche Neuorientierung eines Managers ist oft erzwungen, weil der Arbeitgeber unzufrieden mit der Leistung ist oder einfach generell Arbeitsplätze abbaut. Andere Führungskräfte gehen aus freien Stücken, beispielsweise weil die Position sie nicht mehr ausfüllt oder zu stark in Anspruch nimmt.

Viele bekannte Persönlichkeiten haben entsprechende Erfahrungen gemacht. Bill Gates erstes Unternehmen für den Verkauf eines selbst entwickelten Geräts für Autoverkehr-Auswertungen scheiterte. Der Neuanfang mit Microsoft klappte bekanntermaßen. Walt Disney wurde erst wegen mangelnder Kreativität aus seiner Stellung bei einer Zeitung entlassen und ging dann mit einem Cartoon-Filmstudio pleite. Erst die Erfindung vom Micky Maus legte den Grundstein für eines der weltgrößten Entertainment-Unternehmen.

Wegfall der Arbeitsstruktur erfordert besseres Selbstmanagement

Beide Beispiele haben eines gemeinsam: Die Betroffenen haben nie resigniert und den Mut und die Kraft gehabt, eine berufliche Neuorientierung anzugehen. Das ist generell wichtig, um diesen Schritt erfolgreich zu gehen.  Wer sich mit der beruflichen Neuorientierung befasst, sollte sich zunächst klarmachen: Wenn der gewohnte Posten weg ist, ändert sich vieles. Manager sind stark in feste Strukturen eingebunden. Volle Terminkalender und wichtige Besprechungen und Entscheidungen bestimmen den Tagesablauf. Der Job bringt ein Netzwerk an Kontakten mit, um die sich gekümmert werden muss. Für weniger wichtige Dinge stehen Assistenten und Chefbüros zur Verfügung.

Der Arbeitsalltag eines Managers ist stark durchgeplant. Fallen diese Strukturen mit dem Jobverlust weg, müssen aktiv neue aufgebaut werden. (© 2017 Shutterstock / Rehan Qureshi)

Netzwerke müssen oft neu aufgebaut werden

Der Tagesablauf ohne Job setzt dem früheren Manager völlig andere Schwerpunkte und ist deutlich weniger fremdbestimmt. Statt Vollgas bei der Arbeit gibt es für den Ex-Entscheider zunächst Ruhe, gefühlte Leere und viel Zeit zu Hause. Jetzt heißt es, nicht in Passivität zu verfallen, sondern sich aktiv selbst um anfallende Dinge zu kümmern. Wichtig ist beispielsweise eine angepasste Tagesstruktur und die Abstimmung des neuen Lebensrhythmus mit dem (familiären) Umfeld.

Die Neuorientierung bedeutet oft auch, neue Netzwerke und Kontakte zu knüpfen: Die Vernetzung von Managern hängt in vielen Fällen stark am Job – wer geht, lässt sie zurück. Dann empfiehlt es sich, die Kontakte zu überprüfen und aussichtsreiche Kandidaten eigeninitiativ zu kontaktieren. Das kann speziell bei lange ungenutzten Beziehungen Überwindung und Vorbereitung erfordern.

Mit der richtigen Strategie können auch ältere Manager eine erfolgreiche berufliche Neuorientierung starten. (© 2017 Shutterstock / Juice Images Ltd)

Planung und Durchsetzungskraft

Mut und Willen sind ebenfalls nötig bei den konkreten Bemühungen um eine neue Position. Dafür braucht es einen zielgerichteten Plan, der auf der Analyse der eigenen Stärken und Schwächen beruht. Gespräche und Diskussionen mit Gleichgesinnten oder professionelles Coaching durch einen Berater können dafür wertvolle Impulse liefern. Bei vielen Managern stellt sich mit 40, 50 oder 50+ Jahren die Frage des beruflichen Neuanfangs. Das wird vielfach in der Wirtschaft als schwieriges Alter empfunden.

Tatsächlich kann das ein Vorteil sein. Umfangreiches Know-how, viel Erfahrung auch mit kritischen Situationen und eine geringere familiäre Beanspruchung sind beispielsweise gute Argumente. Wer das authentisch vermittelt, hat realistische Chancen auch als Quereinsteiger. Eine Idee, was man machen will, gutes Selbstmanagement, ein realisierbarer Plan und der Willen zur Umsetzung: So werden die Weichen für die berufliche Neuorientierung gestellt.

Checkliste: So gelingt die berufliche Neuorientierung

  • Die eigenen Stärken und Schwächen analysieren
  • Das neue Ziel bestimmen
  • Vorbereiten und Planen (zum Beispiel Kontaktpflege/-aufbau, Coaching/Fortbildung, Abstimmung mit Familie)
  • Den Plan konsequent durchführen