Was ist eine Berufskrankheit?

Langes Sitzen im Büro verursacht bei Vielen Rückenschmerzen. Doch darf man dann gleich von einer Berufskrankheit (BK) sprechen? Nein. Laut der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) trifft das ausschließlich für ein Leiden zu, das nach den Erkenntnissen der medizinischen Wissenschaft durch besondere Einwirkungen verursacht wurde. Und diesen müssen bestimmte Personengruppen durch ihre Arbeit in erheblich höherem Grade als die übrige Bevölkerung ausgesetzt sein. Eine Volkskrankheit wie Rückenbeschwerden ist somit nicht automatisch eine Berufskrankheit.

Die Berufskrankheiten-Liste

Welche Leiden dazu zählen, hat die Bundesregierung in der Berufskrankheiten-Verordnung (BKV) klar definiert. Demnach sind das beispielsweise gesundheitliche Schäden, die auf bestimmte Chemikalien, das Tragen schwerer Lasten oder physikalische Einwirkungen wie Vibrationen zurückgehen. Die BK-Liste umfasst derzeit 77 anerkannte Erkrankungen.

Und was, wenn eine Krankheit nicht in der Liste steht? Dann gibt es immer noch die Möglichkeit, in Einzelfällen ein Leiden "wie eine Berufskrankheit" anzuerkennen, erklärt die DGUV. Allerdings sind dafür allgemeine neue medizinische Erkenntnisse notwendig, die die Ursachenzusammenhänge zwischen Erkrankung und Beruf erklären.

Ihre Pflicht als Arbeitgeber

Sobald Sie als Chef vermuten, dass ein Mitarbeiter an einer Berufskrankheit leidet, müssen Sie eine Berufskrankheiten-Verdachtsanzeige beim entsprechenden Unfallversicherungsträger machen. Das amtliche Muster dafür finden Sie hier. Darüber hinaus sind auch Ärzte und Krankenkassen dazu aufgefordert, entsprechende Hinweise weiterzuleiten. Sie sind selbst der Geschädigte? Dann können Sie auch Ihre eigene Erkrankung melden – dafür reicht ein formloses Schreiben an den jeweiligen Unfallversicherungsträger aus.

Apropos Unfallversicherungsträger: Wer zuständig ist, richtet sich nach der Branche, in der der Betroffene tätig ist oder war. Folgende Träger gibt es:

  • die Unfallversicherungsträger der öffentlichen Hand (für Mitarbeiter von Bund, Ländern und Gemeinden)
  • die gewerblichen Berufsgenossenschaften (für Mitarbeiter in privaten Unternehmen)
  • die landwirtschaftliche Berufsgenossenschaft (für Beschäftigte und Selbstständige in der Land- und Forstwirtschaft)

Wie läuft das Verfahren ab?

Nach der Verdachtsmeldung, nimmt der Unfallversicherungsträger Kontakt mit dem Betroffenen auf und macht sich ein genaueres Bild von dem Sachverhalt. Dafür durchleuchtet er üblicherweise die Krankengeschichte und die Arbeitsvorgeschichte. Vielleicht besichtigt er sogar den Arbeitsplatz des Leidenden und misst dort beispielsweise Belastungen.

Im nächsten Schritt prüft der Unfallversicherungsträger, ob das Gebrechen tatsächlich mit der beruflichen Tätigkeit in Zusammenhang steht. Um das herauszufinden, muss gegebenenfalls ein medizinischer Gutachter hinzugezogen werden. In der Regel schlägt der Unfallversicherungsträger drei verschiedene unabhängige Prüfer vor, von denen der Erkrankte einen auswählen darf. Er kann jedoch auch selbst eine medizinische Fachkraft vorschlagen.

Außerdem ist am Verfahren der Gewerbearzt des jeweiligen Bundeslandes beteiligt.

Je nach Aufwand der Ermittlungen nimmt das Feststellungsverfahren mehr oder weniger Zeit in Anspruch. Wurde eine Berufskrankheit seitens des Unfallversicherungsträgers festgestellt, dann stehen dem Geschädigten je nach Fall verschiedene Leistungen zu, um die Folgen der Berufskrankheit zu mildern.

Zeigen die eingeleiteten Maßnahmen keine Wirkung und der Erkrankte bleibt körperlich beeinträchtigt, so kann eine Rentenzahlung in Betracht kommen. Darüber entscheidet der Rentenausschuss des Unfallversicherungsträgers.

Im Falle eines negativen Bescheids

Wenn der Unfallversicherungsträger den Antrag ablehnt, können Betroffene binnen eines Monats Widerspruch dagegen einlegen. Bringt auch dieser nichts, so bleibt immer noch der Klageweg vor das Sozialgericht.

Übrigens: Wenn eine Erkrankung nicht als Berufskrankheit anerkannt wird, können Versicherte trotzdem Leistungen beziehen – nur ist dann die Krankenversicherung zuständig.

Weiterführende Links:

  • Nicht nur bei einer Berufskrankheit, sondern auch bei einem Arbeitsunfall gilt es, bestimmte Vorschriften zu berücksichtigen. Welche das sind und was im Falle eines Malheurs zu tun ist, verrät Ihnen mDM.
  • Weitere Fragen rund um das Thema Berufskrankheit beantwortet das Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf seiner Website.