1. Stichtagsinventur

Zählen, Messen, Wiegen: Eine Bestandsaufnahme starten Sie am besten so früh wie möglich. Es gibt zwar unterschiedliche Inventurarten und die Übersicht zeigt eine gewisse Flexibilität bei der Zeitplanung. Weil das Unterfangen aber immer viel Arbeit macht, bringen Sie es besser jetzt hinter sich.

Eine klassische Erfassung ist die Stichtagsinventur:

  • Es gibt eine feste Deadline. In der Regel ist es der 31. Dezember oder der Bilanzstichtag.
  • Sie müssen eine volle Bestandsaufnahme anfertigen – etwas verklausuliert heißt es, erfassen Sie Ihre Bestände mengenmäßig.
  • Dokumentieren Sie die Arbeit in einer Inventurliste – die Papiere müssen in allen Fällen mindestens zehn Jahre aufgehoben werden.

Das Finanzamt lässt Ihnen bei dem Stichtag allerdings etwas Bewegungsfreiheit. Sie dürfen zeitversetzt innerhalb von zehn Tagen vor und innerhalb von zehn Tagen nach der Deadline alles Wesentliche erfassen. Sofern alle Veränderungen der Bestände zwischen der Inventur und dem ursprünglichen Stichtag ordentlich dokumentiert sind. Übrigens: Diese spezielle Unterkategorie wird auch zeitnahe Stichtagsinventur genannt.

2. Verlegte Inventur

Was gibt es noch für Inventurarten? In der Übersicht zeigen wir als nächstes die sogenannte verlegte Inventur. Der Rahmen ist im Handelsgesetzbuch (HGB) Paragraf 241, Absatz drei festgelegt.

Was bedeutet der Begriff verlegt?

  • Die Inventur findet innerhalb der letzten Monate vor dem Bilanzstichtag statt
  • oder innerhalb der ersten zwei Monate nach dem Termin.
  • Eine verlegte Inventur ist nur möglich, wenn Sie die Stichtagsinventur nicht durchführen können.

Zusätzlich gilt: Zum Ende des Geschäftsjahres müssen Sie trotzdem durch zulässige Rechenverfahren die Werte Ihres Unternehmens bestimmen. Nehmen wir ein Beispiel. Sie führen im Sommer eine verlegte Inventur durch. Für den Jahresabschluss am 31. Dezember müssen Sie die Veränderungen zwar nun nicht mehr zählen, messen oder wiegen, dafür aber ausrechnen.

Eine verlegte Inventur ist nicht zulässig wenn:

  • Die inventarisierten Werte aus Vorräten bestehen, die verbraucht werden – denn dann funktionieren die Rechenverfahren zum Ende des Geschäftsjahres nicht mehr.
  • Bei sehr wertvollen Gegenständen ist diese Erfassungsart ebenfalls nicht erlaubt.
  • Haben die Waren einen großen Schwund, verderben und zerbrechen sie leicht, dürfen Sie ebenfalls keine verlegte Inventur durchführen.

3. Permanente Inventur

Der nächste Punkt in unserer Inventurarten-Übersicht ist die permanente Inventur. Sie dokumentieren einmal im Jahr jeden entsprechenden Artikel in Ihrem Unternehmen. Den Zeitpunkt wählen Sie.

Wie kann so etwas aussehen? Zum Beispiel dokumentieren Sie im Januar eine Ware, im Februar eine andere und im März eine dritte. Die Inventur findet etappenweise statt.

4. Stichprobeninventur

Zum Schluss fehlt in unsere Inventurarten-Übersicht noch die Stichprobeninventur. Zu dieser heißt es im HGB:

"Bei der Aufstellung des Inventars darf der Bestand der Vermögensgegenstände nach Art, Menge und Wert auch mithilfe anerkannter mathematisch-statistischer Methoden aufgrund von Stichproben ermittelt werden."

Solch eine Erfassung der Werte findet häufig in großen Unternehmen statt – und muss vom Finanzamt erst genehmigt werden. Wann ist sie erlaubt?

  • Sobald 20 Prozent Ihrer Waren 80 Prozent des Wertes ausmachen,
  • Wenn Ihre Lagerbuchhaltung elektronisch ist und
  • in Ihrem Lager mehr als 1.000 Positionen zu finden sind.

Wie wird vorgegangen? Dem Restbestand – das heißt alles außer die wertvollen 20 Prozent – werden Stichproben entnommen. Und das völlig zufällig. Der gesamte Bestand wird daraus nun errechnet.

Abschließend noch ein Tipp zur gesamten Inventurarten-Übersicht: Sie machen beim Fiskus eine besonders gute Figur, wenn Sie zu jeder Bestandsaufnahme Ihren Steuerberater einladen. Dieser überprüft Teile Ihre Ergebnisse und verleiht Ihrer Dokumentation dadurch größeres Gewicht.

Weiterführende Links:

  • Bei "Lexware" erhalten Sie noch mehr Infos zum Thema Inventur und Inventurarten.
  • Frischen Sie Ihr betriebswirtschaftliches Wissen auf: "Haufe" erklärt den Unterschied zwischen Handels- und Steuerbilanz.