Lassen Sie Ihre Bonität prüfen, stärkt das Ihre Verhandlungsposition

Die eigene Bonität prüfen zu lassen zielt ab auf eine gute Bewertung der unternehmerischen, finanziellen Solidität. Und letztlich auf ein gutes Rating. Das ist natürlich auch für den Mittelstand interessant. Eine gute Bewertung impliziert nämlich auch: Ich zahle meine Schulden pünktlich auf Heller und Pfennig zurück. So können Sie günstigere Kreditkonditionen aushandeln, weil das Verlustrisiko für Ihren Geldgeber gering ist. Außerdem singnalisieren Sie gegenüber Ihren bestehenden und zukünftigen Geschäftspartnern Sicherheit und Stabilität. Wir zeigen Ihnen, was ein solcher Test bringt, woran es dabei oft noch hapert – und wo ein Rating nichts kostet.

Die zertifizierte Bonität erleichtert Ihnen günstige Kapitalbeschaffung abseits von Banken. Experten gehen davon aus, dass sie in Zukunft immer mehr an Bedeutung gewinnen wird, da Kreditinstitute aufgrund der Basel-II/III-Verpflichtungen höhere Anforderungen an die Kreditvergabe stellen.

Rating für Unternehmen und Anleihen

Unterschieden wird zwischen dem Unternehmens- und dem Anleihe-Rating. Bei beiden geht es darum, die Bonität zu prüfen. Zu den bekanntesten Ratingagenturen, die auch Mittelständler bewerten, gehören:

Darüber hinaus führen auch Banken Ratings durch. Beide – Banken und Agenturen – orientieren sich an den mehrstufigen Noten der drei Branchengrößen Standard & Poor’s, Fitch und Moodys, die sich nur unwesentlich unterscheiden.

  • sehr gute bis gute Bonität (AAA bis A-)
  • gute bis zufriedenstellende Bonität (BBB+ bis BBB-)
  • durchschnittliche bis schlechte Bonität (BB+ bis B-)
  • erhöhtes Ausfallrisiko (CCC+ bis C)
  • Zahlungsausfall (D)

Doch keine Regel ohne Ausnahme: So teilen die Volksbanken Ihr Unternehmen in vier Klassen ein, die jeweils aus vier Unterklassen bestehen. Die Note, von 0a, 0b, 0c usw. bis 4e, gibt die prozentuale Ausfallwahrscheinlichkeit Ihres Kredits an.

So verbessern Sie Ihr eigenes Rating bei der Bank

Allerdings gibt es einen erheblichen Pferdefuß: Jede Bank setzt ihre eigene Ratingmethode ein. Also müssen Sie in Erfahrung bringen, welche Aspekte Ihre Hausbank wie gewichtet und bewertet. Um eine positive Bonitätsbewertung zu erhalten, sollten Sie zudem auf folgende Punkte achten:

  • Halten Sie die Bank über Ihre Geschäftslage stets auf dem Laufenden.
  • Aktualisieren Sie hierzu regelmäßig Ihre betriebswirtschaftlichen Auswertungen.
  • Demonstrieren Sie im Gespräch mit der Bank die Stärken Ihres Unternehmens.
  • Achten Sie auf die Vollständigkeit Ihrer Unterlagen.
  • Treten Sie im Termin mit der Bank authentisch auf.

Besonders wichtig sind die Zukunftsaussichten Ihres Unternehmens. Erfolge in der Vergangenheit sind für Banken lediglich ein Anhalt, bestenfalls die Basis für die Kreditvergabe. Aktuelle Zahlen, Vorhersagen und Planungszahlen nehmen bei Kreditinstituten einen höheren Stellenwert ein als alte Bilanzen. Hierzu gehört auch die Präsentation von Branchentrends. Daher kann es nicht schaden, externe Meinungen zum Beispiel von Analysten einzuholen.

Rating ist nicht gleich Rating

Das Problem unterschiedlicher Ratingsysteme gilt nicht nur für Banken. So zieht die Agentur Scope zum Prüfen ausschließlich Informationen aus den jeweiligen Geschäftsberichten zum Beispiel zur Vermögens- oder Ertragslage heran (Financial Strength Rating). Über ein dynamisches Scoring-Modell ergänzt Scope die Daten mit denen aus früheren Geschäftsberichten.

Andere Prüfer hingegen nutzten für ihre Ratings zusätzlich qualitative Faktoren wie Planrechnungen oder Geschäftsabschlüsse. Die Wirtschaftsauskunftei Creditreform verwendet für ihre Bewertung zum Beispiel Checklisten und befragt das Management.

Teure Ratings – außer bei der Bundesbank

Die unterschiedliche Herangehensweise zeigt sich auch in ebensolchen Preisen. Eines ist ihnen aber gemeinsam: Die Kosten für das Prüfen sind nicht unerheblich. Ein Mittelständler mit einer Bilanzsumme zwischen 600 und 900 Millionen Euro bezahlt für ein Erst-Emittentenrating zwischen 40.000 und 100.000 Euro. Hinzu kommen laufende Kosten für die Pflege und das Monitoring des Ratings – schätzungsweise zwischen 30.000 und 60.000 Euro pro Jahr. Der Aufwand für die regelmäßigen Updates und Meetings mit der Agentur ist in der Regel jedoch geringer als die Kontaktpflege zur Bank.

Umsonst führt lediglich die Deutsche Bundesbank Ratings zur Bonität von Mittelständlern durch. Hierzu müssen Unternehmen Informationen über die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage einreichen. Häufig reicht es aus, die beiden letzten Jahresabschlüsse sowie Angaben zum aktuellen Geschäftsjahr vorzulegen. Neben der Bonitätseinstufung erhalten Sie von der Bundesbank auch einen Vergleich Ihres Unternehmens mit der Branche.

Zu gute Bewertungen für Mittelstandsanleihen

Etliche Pleiten in den letzten Jahren haben dafür gesorgt, dass Investoren zunehmend Abstand von Mittelstandsanleihen nehmen. Den Schwarzen Peter will sich niemand der Beteiligten in die Schuhe schieben lassen. Fakt ist aber, dass die Ratingagenturen nicht wenigen Mittelständlern eine sehr gute bis gute Bonität (Investment Grade) attestierten und damit gehörig daneben lagen.

Das Problem sieht das Beratungsunternehmen M. M. Warburg unter anderem in den unterschiedlichen Systematiken, die die deutschen Ratingagenturen anwenden. Diese sollten hinterfragt und standardisiert werden. Die Ratingagenturen haben die Zeichen der Zeit erkannt und sind um mehr Transparenz bemüht. So veröffentlichte Euler Hermes Ende letzten Jahres eine überarbeitete Rating-Methodik zum Prüfen für Mittelstandsanleihen.

Auch Scope präsentierte seine Bewertungskriterien, für die die Ratingagentur sogar die Kommentare von Marktteilnehmer berücksichtigte. Feri Eurorating hingegen gibt sich bislang zugeknöpft.

Auch wenn Ratings für Mittelstandsanleihen mit einem Makel behaftet sind, können Sie durchaus von der externen Unternehmensbewertung profitieren: Aber natürlich nur, wenn Ihnen eine gute Bonität attestiert wird.

Weiterführende Links:

  • Informationen zur kostenlosen Bonitätsprüfung der Deutschen Bundesbank gibt es hier.
  • Sie möchten Ihre Bonität prüfen lassen? Der Leitfaden des Bankenverbands und des DIHK zum Thema Rating steht hier zum Download bereit.