Bossing: Der Chef mobbt in der Hälfte der Fälle mit

Der Chef, der seine Mitarbeiter mobbt – mag zwar absurd klingen, ist aber keine Seltenheit. Laut Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAUA) sind in 40 Prozent der Mobbing-Fälle die Vorgesetzten die Auslöser. In weiteren zehn Prozent mobben Chefs und Mitarbeiter einen Kollegen gemeinsam. Die IG Metall kommt auf ein ähnliches Ergebnis (44 Prozent Vorgesetzte, dazu 10 Prozent Kollegen und Vorgesetzte gemeinsam). Einige Experten sehen sogar in 70 Prozent der Mobbing-Meldungen den Chef als Schuldigen.

Der englische Begriff Bossing leitet sich von boss und mobbing ab und bezeichnet dieses Phänomen. Experten sprechen hier auch von downward bullying, also Schikane, die von oben nach unten gerichtet ist. Dem gegenüber steht das Staffing, das upward Bullying.

Wie drückt sich Bossing am Arbeitsplatz aus?

Die Symptome des Bossings sind denen des Mobbings nicht unähnlich. Auf sozialer Ebene beinhalten Sie zum Beispiel Lästern, das Ignorieren der Person, Anspielungen, Ausgrenzung oder Verleumdung. Bossing am Arbeitsplatz entsteht durch die Weisungsbefugnis des Vorgesetzten. Zum Ausdruck kommt dieses Verhalten beispielsweise durch die Anordnung von sinnlosen oder überfordernden Tätigkeiten, unsachliche Kritik, Entzug von Privilegien (wie z.B. Urlaubstagen) oder Unterschlagung von Arbeitsergebnissen. Besonders kritisch ist die Schikane in Anwesenheit anderer Mitarbeiter, denn diese könnten sogar auf den Mobbing-Zug aufspringen.

Wodurch wird Bossing am Arbeitsplatz ausgelöst?

Die Gründe für Bossing am Arbeitsplatz können vielfältig sein. Meist liegen sie gar nicht beim Mitarbeiter, sondern beim Vorgesetzten selbst:

  • Fehlende Kompetenzen sind der häufigste Grund. Soziale Führungsskills sind gerade bei unerfahrenen Führungskräften zu wenig ausgeprägt.
  • Zudem kann der Chef eigene Führungsfehler auf den Mitarbeiter übertragen und diesen zum Mobbing-Opfer degradieren.
  • Auch wirtschaftliche Gründe können dahinter stecken: So kann der Chef eine Kündigung des Opfers provozieren.
  • Sogar banale Gründe wie Langeweile oder der eigene Frust können Auslöser sein.
  • Außerdem kann der Vorgesetzte sich auch selbst bedroht sehen, wenn der Mitarbeiter ihm beispielsweise Konkurrenz macht. Angst und Missgunst machen sich dann breit. Nicht zuletzt ist das der Grund, warum einige Chefs sicher lieber mit devoten Mitarbeitern umgeben, die nicht zur eigenen Bedrohung werden können.

Welche Auswirkungen hat Bossing am Arbeitsplatz auf den Mitarbeiter?

Bossing am Arbeitsplatz hat ähnliche Effekte wie Mobbing: Das Opfer wird psychisch demontiert und verunsichert. Das führt zu einem Abbau von Selbstbewusstsein. Schlussendlich kann Bossing am Arbeitsplatz zu Depressionen, Burn-out und sogar Suizidgedanken führen.

Kontakt aufbauen: So helfen Sie Bossing-Opfern

Was tun gegen Bossing am Arbeitsplatz? Leidet ein Mitarbeiter unter der Schikane, ist es gut möglich, dass er sich zur Wehr setzen möchte. Doch das ist meist gar nicht so einfach, denn der Täter ist gleichzeitig der Ansprechpartner. Auch beim Ansprechen des nächsthöheren Vorgesetzten besteht eine gewisse Hemmschwelle.

Sollten Sie deshalb Bossing innerhalb Ihres Personals feststellen, kann es für das Opfer äußerst hilfreich sein, wenn Sie den ersten Schritt gehen. Bleibt ein Bossing-Opfer hilflos, schleicht sich schnell eine innere Kündigung ein. Oft ziehen die Mitarbeiter auch die Konsequenzen und wechseln den Arbeitgeber. Auch weitere Konflikte wie arbeitsrechtliche Auseinandersetzungen sind möglich und für Ihr Unternehmen schädlich.

Konstruktive Maßnahmen: So gehen Sie gegen Bossing am Arbeitsplatz vor

Als Vorgesetzter eines Bossing-Täters sollten Sie Ihre Entscheidung überlegt treffen. Zunächst gilt es, umfangreiche Informationen zu sammeln. Zeugen, Fotos und der E-Mail-Verkehr der Betroffenen können in erster Instanz hilfreich sein. Holen Sie am besten auch die Meinungen von anderen Mitarbeitern und Führungskräften ein. So kann ein realistischer Ist-Zustand aufgezeichnet werden. Anschließend gilt es, folgende Punkte umzusetzen:

  • Suchen Sie als alle erstes das direkte Gespräch. Sie können zunächst mit dem vermeintlichen Täter sprechen oder auch gleich eine Unterhaltung unter sechs Augen mit dem Bossing-Opfer arrangieren.
  • Helfen Sie dem Mobbing-Opfer gezielt: Entspannungstechniken wie autogenes Training oder der Einsatz eines Lebensberaters sind hilfreiche Maßnahmen. Dadurch geben Sie ein positives Signal und retten die Motivation des Mitarbeiters.
  • Je nach Situation bietet sich auch ein Dialog mit dem Betriebsrat an.

Letzte Auswege beim Bossing am Arbeitsplatz

Hilft das konstruktive Gespräch nichts, so gilt es, einschneidendere Maßnahmen zu ergreifen. Dabei gibt es zwei mögliche Wege:

  • Eine Versetzung kann ein Ausweg sein. So können Sie zum einen das Bossing-Opfer andernorts im Unternehmen einsetzen, zum anderen aber auch den Täter. Das bietet sich gerade in den Fällen an, in denen der Vorgesetzte gleich mehrere Mitarbeiter schikaniert.
  • Möchten Sie dies vermeiden, gilt es eine Abmahnung gegen den Mobber auszusprechen. Endet das Bossing am Arbeitsplatz dennoch nicht, so steht am Ende nur noch die Kündigung als Ultima Ratio da.
  • Alternativ können Sie auch eine berufliche Neuorientierung (Outplacement) des Opfers in Erwägung ziehen. Die Methode ist generell wenig konstruktiv und nur im speziellen Einzelfall geeignet.

Weiterführende Links:

  • Weitere Informationen zum Thema Bossing am Arbeitsplatz gibt es bei der Hochschule Darmstadt.
  • Wenn Mitarbeiter den Chef mobben: Alles zum Thema Staffing erfahren Sie in diesem DM-Ratgeber.
  • Mobbing: So gehen Chefs gegen Mitarbeiterschikane vor.