Sage-Studie: Mittelständische Unternehmen leiden unter Bürokratie

In Auftrag gegeben wurde die Studie Bürokratie im deutschen Mittelstand von der Softwareschmiede Sage Software GmbH unter wissenschaftlicher Begleitung durch das Institut für Mittelstandsforschung (IfM). Die Befragung von 400 Machern deutscher KMUs mit weniger als 500 Mitarbeitern sollte erfassen, …

  • wie die bürokratische Belastung von mittelständischen Unternehmen erlebt wird,
  • ob Maßnahmen zum Bürokratieabbau von Seiten des Gesetzgebers gefruchtet haben und
  • inwieweit Bürokratie mittelständische Unternehmen in ihrem Geschäftsalltag behindert.

In aller Kürze lassen sich diese Fragen mit hoch, nicht wirklich und sehr beantworten. So betrachten nämlich ...

  • 92 Prozent der befragten Unternehmer die Belastung durch Bürokratie als hoch beziehungsweise sehr hoch, während
  • 69 Prozent angaben, dass der Bürokratieaufwand in den letzten zwölf Monaten sogar gestiegen sei.

Ein enttäuschendes Ergebnis für den Gesetzgeber. Rufen wir uns ins Gedächtnis: Noch im Januar dieses Jahres hatte das Statistische Bundesamt einen neuen Tiefstand des Bürokratiekostenindex ausgerufen.

Dabei fanden aber offensichtlich nur die bürokratischen Informationspflichten für mittelständische Unternehmen Berücksichtigung. Sie wissen schon: Die gesetzlichen Vorgaben für das Erheben, Aufbewahren und Bereitstellen von Daten und Informationen für Vater Staat.

Nicht einberechnet wurde dagegen der bürokratische Aufwand insgesamt, den Ihr mittelständisches Unternehmen leistet, um die Auflagen des Gesetzgebers zu erfüllen. Im Bürokratiekostenindex unberücksichtigt blieben dementsprechend …

  • die Bürokratiefolgekosten und
  • der Bürokratieaufwand, der über die reinen Informationspflichten hinausgeht.

Wo mittelständische Unternehmen über die Bürokratie stolpern

Insofern lässt sich resümieren, dass die bisherigen Bemühungen des Staates noch nicht wirklich gefruchtet haben. Um mittelständischen Unternehmen die Arbeit in der langsam mahlenden Mühle der Bürokratie spürbar zu erleichtern, gilt es an verschiedenen Schrauben zu drehen.

Nachholbedarf besteht laut der Studie vor allem im Bereich der Steuern. So betrachten 88 Prozent der befragten Unternehmer die Abgaben an den Fiskus und die damit verbundene Zettelwirtschaft als größte Hürde. Weiter ...

  • empfinden 80 Prozent den Arbeitsaufwand zur ordnungsgemäßen Organisation der Sozialversicherung sowie der Sozialversicherungsabgaben und
  • 78 Prozent die Aufwendungen für den Arbeitsschutz als schwer zu nehmende bürokratische Hürde.

Ansichten, die Sie wahrscheinlich nachvollziehen können. Zu ähnlichen Ergebnissen ist nämlich auch eine weitere Studie gekommen. Unter dem Titel Bürokratie im Mittelstand befragten das Unternehmermagazin ProFirma und der Rudolf Haufe Verlag 713 zwei bis 500 Mann starke Unternehmen. Deren Top 5 der größten bürokratischen Hürden sind ...

  • die Jahresabschlusserstellung, Offenlegung und Prüfung,
  • die Auseinandersetzung mit fälligen Sozialversicherungsbeträgen,
  • die Abgabe der Steuererklärung und der Umsatzsteuer,
  • die Aufbewahrungspflicht von Rechnungen und
  • Umsatzsteuervoranmeldungen.

Wie sich mittelständische Unternehmen den Bürokratieabbau vorstellen

Doch wie kann der Staat mittelständischen Unternehmen das bürokratische Leben erleichtern? Wie sehen konkrete Schritte aus, die der Gesetzgeber gehen kann? Auch dafür haben die beiden genannten Studien Antworten parat.

Für einen konstruktiven Input wurden Unternehmer nämlich auch zu möglichen Lösungen zum Abbau der Bürokratie befragt. Dabei kristallisierten sich in beiden Studien ähnliche Ergebnisse heraus. So wünschen sich die befragten Unternehmer ...

  • eine Vereinfachung widersprüchlicher und schwer verständlicher Vorschriften,
  • weniger den Geschäftsalltag behindernde Vorschriften und Gesetze,
  • schnelleren Einspruch gegen Entscheidungen von Ämtern,
  • dass neue Vorschriften umgehender in die Praxis umgesetzt werden,
  • eine reibungslosere Umsetzung neuer Regelungen und
  • eine optimierte Zusammenarbeit zwischen Staat und Wirtschaft.

Darüber hinaus formulierten die befragten Unternehmer auch konkrete Begehren. So stehen auf der Wunschliste zum Bürokratieabbau beispielsweise ...

  • eine zentrale Anlaufstelle für alle bürokratischen Anliegen,
  • die komplette Digitalisierung der bürokratischen Zettelwirtschaft,
  • geringere Informations- und Meldepflichten beim Mindestlohn und
  • eine steuerliche Betriebsprüfung frühestens fünf Jahre nach Veranlagungsjahr.

Was der Staat im Hinblick auf den Bürokratieabbau plant

Auf Seiten des Gesetzgebers besteht also offensichtlich ganz dringend Handlungsbedarf. Und was macht Vater Staat? Der reagiert! Im Dezember letzten Jahres wurden vom Bundeskabinett neue Eckpunkte zur weiteren Entlastung der mittelständischen Wirtschaft von Bürokratie beschlossen.

Darin sind unter anderem folgende Maßnahmen verankert:

  • Die "One in, one out"-Regelung: Sie streicht bei zusätzlichen bürokratischen Belastungen andere im gleichen Umfang.
  • Eine Online-Plattform über die mittelständische Unternehmen Regelungen und Vorgaben kritisieren, die sie als belastend oder ineffizient empfinden.
  • Höhere Grenzwerte für die Buchführungs- und Aufzeichnungspflichten.
  • Informationsveranstaltungen und -angebote zur Stärkung der elektronischen Buchführung.
  • Befreiung von der Berichts- und Informationspflicht für junge Unternehmen in den ersten drei Jahren ihres Bestehens.
  • Die bei einer Gründung anfallenden bürokratischen Maßnahmen sollen digital über möglichst nur eine zentrale Stelle abgewickelt werden.
  • Ein neues Informationssystem rund um sozialversicherungsrechtliche Meldepflichten für mehr Sicherheit im Umgang mit der Sozialversicherung.

Maßnahmen, für deren Umsetzung gesetzliche Änderungen angestoßen werden müssen, wurden im 1. Quartal in den Bundestag eingebracht. Und noch vor der Sommerpause werden sie verabschiedet. So jedenfalls der Plan. Die weiteren Maßnahmen finden im Verwaltungsvollzug beziehungsweise auf untergesetzlicher Ebene ihre Umsetzung.

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