Digitaler Durchbruch

Der Modescout in Dubai erkennt von Weitem: Dieser Brokatstoff ist unverwechselbar. Das tiefe Rot schimmert und glänzt in der Abendsonne, die den orientalischen Markt in ein sanftes Licht hüllt. Es ist die perfekte Ergänzung in der aktuellen Kollektion „Von Westen bis Osten“. Das hat er lange gesucht. Schnell sind die Stoffproben gekauft, verpackt und in wenigen Tagen nach Deutschland geschickt. Zu Hause überzeugt der satte Farbton auch den Designer, der die Probe gleich an den Hersteller weiterleitet mit dem Auftrag, die letzten Entwürfe in dem unverwechselbaren Rot einzufärben. Doch einige Wochen später folgt die Ernüchterung: Die Farbe entspricht so gar nicht den Vorstellungen von Scout und Designer. Und leider bleibt keine Zeit mehr fürs Umfärben; jetzt müssen die Models die Kleider in der Farbe präsentieren, die der Hersteller produziert hat.

Über Color Digital

Gründung
2013 als Ableger des Deutschen Mode Instituts (DMI)
 
Sitz
Köln
 
Personal
derzeit vier Mitarbeiter

„So eine Farbpanne ist in der Modebranche nicht ungewöhnlich“, erklärt Olaf Kölling, Geschäftsführer der Firma Color Digital in Köln. Der komplizierte Abstimmungsprozess bei neuen Trendfarben ist seit jeher langwierig, teuer und fehlerbehaftet. „Die Modebranche wird mit ihrer analogen Arbeitsweise den Ansprüchen der Konsumenten, die zunehmend nach neuen Kollektionen verlangen, kaum noch gerecht“, sagt Kölling.

Das soll sich bald ändern, denn das Tochterunternehmen des Deutschen Mode Instituts (DMI) hat eine digitale Lösung entwickelt, die gleich zwei Probleme in der Farbkommunikation beseitigt und den komplizierten Prozess in der Modebranche revolutionieren könnte.

Color Digital nutzt eine innovative Software, um Farben eindeutig zu bestimmen. Dank einer speziellen Analysetechnik wird jeder Farbe – unabhängig von Material und Medium – ein eindeutiger, unverwechselbarer digitaler Wert zugeordnet: der DMIx-Standard.

Aber wie funktioniert die wundersame Farbbestimmung eigentlich? Der Modescout oder Designer macht mit seinem Smartphone ein Foto des Stoffes oder scannt ein Bild ein.

Die Software bei Color Digital analysiert pixelgenau und gibt den Farbeindruck in extrem hochauflösenden Bildern wieder. Dadurch lässt sich nicht nur der Farbton, sondern auch die Struktur eindeutig bestimmen. „Durch die genaue Zuordnung der Farbe vermeiden wir Missverständnisse“, erklärt Olaf Kölling.

„Die Farbe einer Stoffprobe wirkt je nach Lichteinfall, klimatischen Verhältnissen oder Alter jedes Mal anders.“ Die Software passt den Wert an den jeweiligen Bildschirm an, sodass alle Nutzer einen identischen Eindruck bekommen. Zur Weiterverarbeitung lässt sich der DMIx-Standard in gängige Bearbeitungsprogramme als Plug-in installieren, zum Beispiel bei Färbemaschinen oder Druckern.

Color Digital Olaf Kölling (© 2017 Eric Remann)

 

„Die Farben werden eingescannt und sofort digital weiterbearbeitet.“

Olaf Kölling
Geschäftsführer Color Digital

Farben über die Cloud

Für das zweite Problem, den komplizierten und langwierigen Austausch der Farben, gibt es ebenfalls eine Lösung. „Neben der eindeutigen Identifizierung der Farben ist eine gute Vernetzung der weltweit verstreuten Produktionsstätten und Modefirmen unerlässlich“, sagt Kölling.

Dafür hat Color Digital die DMIx-Cloud geschaffen, eine Plattform, die alle Partner miteinander verbindet. Nutzer können Farbtöne speichern, bearbeiten und mit Herstellern oder Designern austauschen. Auch der Abgleich mit Farbsystemen oder Farbkarten anderer Hersteller ist möglich. Dank der Private Cloud ist das von überall und unabhängig von Systemen möglich. Physische Farbarchive wie Schränke mit Tausenden von Stoffproben gehören der Vergangenheit an.

„Die Private-Cloud-Lösung verbessert die Zusammenarbeit unserer Kunden“, sagt Kölling. „Wir haben auch Vorteile: Steigt beispielsweise unsere Nutzerrate schnell an, buchen wir einfach flexibel IT-Kapazitäten in der Cloud hinzu.“

 

Sicher ist das Ganze auch: Die DMIx-Cloud wird in einem hochsicheren Rechenzentrum der Telekom in Deutschland gehostet. Die Daten unterliegen den strengen deutschen Datenschutzbestimmungen.

Für die Modebranche ist die Digitallösung der Kölner ein erster großer Schritt. Damit lassen sich die gestiegenen Anforderungen der Konsumenten auffangen.

„Physische Farbarchive wie Schränke mit Tausenden von Stoffproben gehören bald der Vergangenheit an..“

Gerd Willschütz
Geschäftsführer Color Digital

Künftig kann der Modescout in Dubai das schimmernde Rot des Stoffes mithilfe der Color-Digital-Software und der DMIx-Cloud in wenigen Stunden verschicken. In Asien gibt der Färber den Wert einfach in seine Maschine ein. Jetzt muss nur noch das fertige Kleidungsstück per Paket versendet werden.

Gerd Willschütz, Geschäftsführer Color Digital Gerd Willschütz nutzt einen speziellen Handscanner, um die Farbwerte exakt zu digitalisieren. (© 2017 Remann Telekom)

 

3 Fragen an Gerd Müller-Thomkins

Die Modebranche lebt vor allem von neuen Farbtrends. Was war die Herausforderung?
Viele Designer und Modehäuser arbeiten heute noch analog. Bei der Auswahl von Trendfarben messen Farbexperten die unterschiedlichen Nuancen. Weil sie diese aber nicht richtig beschreiben können, entstehen viele Fehler. Auch die Kommunikation der Farben zwischen Hersteller und Modefirma ist langwierig und schwierig.

Wie löst Color Digital das Problem?
Wir haben einen Weg gefunden, kleinste Unterschiede exakt zu bemessen, indem wir auch winzige Abweichungen und Nuancen von Tönen in eindeutige Codes umwandeln. Mit der DMIx-Cloud können Nutzer diese Farben speichern, austauschen und kommunizieren. Der Färber, der Modescout und der Designer arbeiten dann mit dem exakt gleichen Farbton. Meinungsverschiedenheiten, zumindest über die Farbe, haben keine Chance mehr.

Was verändert sich dadurch?
Wir wollen die Digitalisierung in der Modebranche anstoßen. Wir müssen umdenken, um das geänderte Konsumentenverhalten aufzufangen. Eine weltweite Vernetzung sowie digitalisierte Prozesse verbessern die Zusammenarbeit der Partner, die auf verschiedenen Kontinenten arbeiten. Die Unternehmen sparen Zeit und Geld und arbeiten nachhaltiger – eine weitere Anforderung der Kunden. Diese Lösung ist nicht nur für die Mode interessant: Alle, die mit Farben arbeiten, können von der Software und der DMIx-Cloud profitieren.