Candidate Experience: Ein ganzheitlicher Prozess

In Zeiten des Fachkräftemangels müssen sich nicht nur Bewerber um Stellen bemühen, sondern auch Unternehmen um die Gunst ihrer potenziellen Mitarbeiter. Die Candidate Experience, also die Erfahrung, die ein Jobaspirant während des Bewerbungsprozesses macht, ist dabei oft das ausschlaggebende Argument für die Entscheidung zugunsten eines Betriebs. Deshalb gilt es, den Bewerbungsprozess optimal zu gestalten – das fängt bei der Stellenanzeige an und hört selbst mit dem Vorstellungsgespräch nicht auf.

Negative Candidate Experience = negative Bewertungen

Viele Bewerber informieren sich heute online nicht nur über die Arbeit bei einem Stellenanbieter, sondern auch über dessen Bewerber-Management. Auf dem wohl wichtigsten Bewertungsportal kununu werden neben Gehalt und Betriebsklima auch Rekrutierungsprozesse bewertet.  Damit spielt im War of Talents die Reputation eines Unternehmens eine größere Rolle als je zuvor, weshalb jede negative Kritik fatal sein kann. Unzufriedene Bewerber sind wie unzufriedene Restaurant-Gäste: Sie kommen – wenn überhaupt – erst nach Jahren wieder. Laut der Candidate Experience Studie 2014 von metaHR teilen 80 Prozent aller Kandidaten ihr Bewerbungserlebnis. Gerade deshalb ist eine positive Candidate Experience wichtiger denn je.

Candidate Journey: Die Reise zum Job

Der Weg ins Unternehmen wird als Candidate Journey bezeichnet. Diese lässt sich in vier Phasen unterteilen:

  • Am Anfang stehen Orientierung und Recherche. Hier gilt es Präsenz zu zeigen. Ihr Unternehmen sollte bei Google zu finden sein und bei den wichtigen Jobportalen auftreten. Auch Offline-Präsenz, beispielsweise auf Karrieremessen und in Universitäten, ist nicht zu unterschätzen.
  • Entscheidet sich ein Interessent für Ihr Unternehmen, so folgt seine Bewerbung – möglichst bequem per E-Mail oder wenigen Klicks. Außerdem wichtig: Baldige, regelmäßige und persönliche Rückmeldungen.
  • Sagt Ihnen die Bewerbung zu, so kommt es zum Auswahlverfahren, meist in Form eines Vorstellungsgesprächs. Darin sollten Sie vorbereitet auftreten und dem Bewerber vor allem Wertschätzung vermitteln.
  • Letztlich, wenn sich beide Seiten entschieden haben, kommt die Ergebniskommunikation. Diese gehen Sie nicht nur zügig an, sondern auch personalisiert und konstruktiv. Geben Sie dem Bewerber – auch bei einer Absage – Feedback und fordern Sie auch selbst welches ein.

Stellenanzeige: Inhalt und Optik punkten – mobile Jobsuche gewinnt an Bedeutung

Gehen wir nun ins Details: Für Sie als Anwerber beginnt alles mit der Stellenanzeige. Darin sollten Sie möglichst genau definieren, nach welcher Art von Mitarbeitern Sie suchen und welche Aufgaben diese zu bewältigen haben. Das können zum einen Qualifikationen und Anforderungen sein, andererseits aber auch persönliche Eigenschaften. Was für einen Typ Mensch suchen Sie eigentlich? Zudem sollten Sie nicht die Optik außer Acht lassen. Professionell gestaltete Stellenanzeigen erlangen mehr Aufmerksamkeit als ein liebloses Layout.

Doch die Stellenanzeige ist nicht das einzige, worauf Bewerber einen Blick werfen: Auch Ihre Webseite sollte schlüssig sein und das richtige Employer Branding vermitteln. Für viele Interessenten ist es ein No-Go, wenn die Firma nicht bei den Suchergebnissen von Google auftaucht. Außerdem ist ein Trend zu sehen: Bei der metaHR-Studie gaben 60 Prozent der Unter-30-jährigen an, mobil auf ihrem Smartphone nach Jobs zu suchen. Somit ist eine responsiv gestaltete Stellenanzeige ebenso von Bedeutung.

Bewerbung: Online-Formulare sind zu mühselig

Der Bewerbungsprozess darf nicht kompliziert sein. Bei der Online-Bewerbung sollten im besten Fall drei Schritte zum Abschluss der Bewerbung führen. Lange, umfangreiche Bewerbungsformulare wirken bürokratisch und für viele Bewerber abschreckend. Grundsätzlich gilt es, Online-Formulare zu überdenken: 70 Prozent aller Bewerber präferieren laut der metaHR-Studie ohnehin die E-Mail-Bewerbung mit Dateianhang. Jeder zehnte Bewerber verzichtet sogar auf eine Bewerbung, wenn sie per Formular durchgeführt werden muss.

Sichtung und Rückmeldung: Persönlich und schnell reagieren, konstruktiv absagen

Ist die Bewerbung eingegangen, so folgt bei vielen Unternehmen eine automatisierte Eingangsbestätigung. Auch wenn es nur eine Formalität ist: 80 Prozent der Bewerber erwarten hier eine persönliche E-Mail und die Hälfte würde sogar einen Anruf bevorzugen, wie die Behaviour Studie 2015 von CareerBuilder zeigt. 46 Prozent aller Anwärter sind der Meinung, dass der Bewerbungsprozess in den letzten fünf Jahren mühsamer geworden ist – die meisten von ihnen sehen den Grund dafür bei automatisierten und unpersönlichen Prozessen.  Die Dauer für den kompletten Bewerbungsprozess sollte deshalb möglichst unter sechs Wochen gehalten werden, optimal sind eher zwei Wochen.

Nach der Prüfung der Bewerbung sollten Sie sich nicht zu viel Zeit mit der Reaktion lassen. Die Studie zeigt nämlich auch, dass mehr als drei Viertel der Bewerber sich über Updates zum Bewerbungsstand freuen – 39 Prozent müssen trotzdem mehr als eine Woche auf die erste Rückmeldung warten. Zudem sollten Sie in jedem Fall eine Antwort geben, auch wenn es eine Absage ist. Setzen Sie diese möglichst konstruktiv auf, sodass der Bewerber sie nachvollziehen kann – bei zwei Drittel der Zurückweisungen ist das nicht der Fall.

Richtig interviewen: Das Vorstellungsgespräch

Ist die Bewerbung auf dem Papier interessant, so folgt meist ein persönliches oder telefonisches Vorstellungsgespräch. Dabei ist es wichtig, einen groben Leitfaden zur Hand zu haben. Die Interviews sollten strukturiert, gleichzeitig aber nicht starr verlaufen. Deshalb gilt es im Sinne einer guten Candidate Experience, eine ansprechende Arbeitsatmosphäre zu vermitteln.

Personaler machen sich oft bereits in den ersten Minuten eines Interviews ein Bild vom Bewerber – doch der macht sich in der gleichen Zeit auch ein erstes Bild vom Vorstellungsgespräch. Die Studie Bewerbungspraxis von monster.de zeigt, dass bei neun von zehn Bewerbern das Vorstellungsgespräch die wichtigste Entscheidungsgrundlage ist. 60 Prozent aller Anwärter haben sich zudem schon mindestens einmal wegen eines negativen Interviews gegen ein Unternehmen entschieden. Die metaHR-Studie zeigt zudem: Nur ein Drittel der Jobsucher ist mit dem Vorstellungsgespräch überhaupt zufrieden.

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